03.04.2019

Umzug Radiostudio Bern

Viele wollen in der Hauptstadt bleiben

Eine Umfrage unter 169 der 220 Berner SRF-Angestellten zeigt: 38 Prozent wollen den Umzug nicht mitmachen, sondern sich eine neue Stelle suchen oder in Pension gehen. Der Umzug wird aber wahrscheinlich erst 2022 stattfinden.
Umzug Radiostudio Bern: Viele wollen in der Hauptstadt bleiben
Von den Berner Mitarbeitenden sind 22 Prozent sicher, dass sie nach Zürich ziehen oder pendeln werden. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) hat im Radiostudio Bern des SRF eine Umfrage durchgeführt. Grund dafür sei der Beschluss des SRG-Verwaltungsrats gewesen, das Studio nach Zürich zu verlegen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. An der Befragung beteiligten sich 169 der 220 Angestellten. Weil es 2018 zu Protesten kam (persoenlich.com berichtete), wollte das SSM wissen, wie die Stimmung im Berner Studio heute ist.

Das Ergebnis: Nur 22 Prozent der Befragten würden bereits wissen, dass sie pendeln oder umziehen werden. Rund ein Drittel würde abwarten, welche Stelle zu welchen Konditionen sie nach dem Umzug antretten könnten. Nach einer anderen Stelle suchen, sich weiterbilden lassen oder in Pension gehen würden 38 Prozent.

Die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler habe letzte Woche erstmals das Studio in Bern besucht und der Belegschaft bereits mitgeteilt, sie stehe hinter dem Umzugsentscheid. Die Modalitäten werde sie von einem publizistischen Konzept abhängig machen, das in Arbeit sei.

Gründe unverständlich

Laut Tagi können drei Viertel die Gründe des Managements nicht nachvollziehen, dass der Umzug aus Spargründen und wegen der digitalen Weiterentwicklung nötig sei. 2018 hätten 177 Mitarbeitende in einem Brief an den SRG-Verwaltungsrat ihre Ablehnung gegen den Umzug kundgetan. Nun sei noch über die Hälfte dagegen.

Auch die Chefredaktion wird in Bern kritisiert und das Vertrauen zu ihr schwindet, oft sei sie abwesend und habe den journalistischen Alltag nicht im Griff, zitiert der Tagi aus der Umfrage. Zudem würden sich 77 Prozent seit dem Umzugsentscheid weniger stark mit dem SRF identifizieren.

Laut SRF-Sprecherin Andrea Wenger gebe es eine unterschiedliche Stimmungslage. Einige würden sich sogar einen rascheren Umzug nach Zürich wünschen. Zur Kritik an der Leitung räumt Wenger ein, die Sparmassnahmen würden sich bemerkbar machen. «Die Chefredaktion setzt alles daran, so viele Mitarbeiter wie möglich mitzunehmen», sagt Wenger zum Tagi. Zudem soll das Studio nicht wie geplant 2020 umziehen, sondern erst 2022. (log)


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KOMMENTARE

Irene Thalmann
04.04.2019 05:53 Uhr
Grossartig kurzssichtig, Herr Künzler. Medienkonglomerat in Zürich, noch vielmehr in Oerlikon und weiter raus aus Züri, dem Nabel der Welt. Bern ist Bundeshauptstadt! Wenn schon eine Konzentration von SRF, dann in Brrn. Der Entwicklungsschwerpunkt Wankdorf würde sich prima eignen. Das Geschrei aus Zürich möchte ich dann mal hören. Nicht auszudenken...
Patrik Kuenzler
03.04.2019 12:37 Uhr
Nun ja, wo ist das Problem, wenn 38 Prozent nicht mitmachen wollen, kündigen oder sich pensionieren lassen wollen? Das gibt freie Stellen. Es gibt genug Journalisten, die auf Stellensuche sind, für Radio SRF wird es keine Schwierigkeit sein, neues Personal zu finden. Auch die SRG sollte keine geschützte Werkstatt mehr sein, und frische Leute können durchaus frischen Wind bringen.
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