22.11.2023

Weltwoche

Viktor Orbán gibt sich die Ehre

Auf Einladung der Weltwoche hat der ungarische Ministerpräsident am Mittwoch in Zürich eine Rede gehalten. Anlass dazu war der 90. Geburtstag des Wochenmagazins von Roger Köppel.
Weltwoche: Viktor Orbán gibt sich die Ehre
Gemeinsam auf der Bühne in Zürich (v.l.): Weltwoche-Chef Roger Köppel und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. (Bilder: Weltwoche/Alexandra Pauli)

Zum 90. Geburtstag der Weltwoche hat sich Verleger und Chefredaktor Roger Köppel ein besonderes Geschenk gemacht: Er lud den ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orbán zu einer «Zürcher Rede» ins Nobelhotel Dolder ein.

Der 60-jährige Orbán ist – mit einem Unterbruch von acht Jahren – seit 1998 Ministerpräsident Ungarns und wird nächstes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Vor acht Jahren weigerte er sich, Flüchtlinge in Ungarn aufzunehmen, was ihm europaweit – und vor allem in Deutschland – grosse Kritik eintrug. Neben den zahlreichen Medienleuten hatte es vor dem Nobelhotel auch ein grosses Polizeiaufgebot.

Orbán lobt Weltwoche

Zur Begrüssung meinte Weltwoche-Verleger Roger Köppel, dass Orbán jene Qualitäten verkörpere, die er an Politikern schätze. So sei er mutig und scheue keine Auseinandersetzung. Orbán zeigte sich sichtlich erfreut über die Einladung der Weltwoche, die er bewundere. Es sei wichtig, so der ungarische Ministerpräsident, dass es auch noch Zeitschriften gäbe, die nicht im Mainstream schwimmen. «Die europäische Politik wäre ohne die Weltwoche ärmer», sagte Orbán.


Seinen Zürcher Auftritt bezeichnete er als «Therapie». In anderen Ländern werde er immer gleich abgestempelt. Von einem EU-Beitritt könne er der Schweiz nur abraten. «Sollte es mit einem Rahmenabkommen nicht klappen, hat die Schweiz immer noch Ungarn, auf das sie sich verlassen kann», sagte der ungarische Ministerpräsident, der sich selbst als «wertkonservativ» bezeichnet.

Er lobte in seiner Rede die Schweizer Neutralität und «Freiheitskämpfer» wie Wilhelm Tell, die auf ungarischen Jasskarten abgebildet seien. Zudem würde Orbán eine Wiederwahl von Donald Trump als amerikanischen Präsidenten begrüssen.

Ungarn habe mit der Schweiz mindestens ein grosses Problem gemeinsam, sagte Orbán in seiner gut einstündigen Rede. Und dieses sei die EU, die «voller Bürokraten statt Politiker» sei. «Was wir heute bei der EU sehen, schmerzt. Ich sage das voller Bitterkeit», so Orbán, der nächstes Jahr die Ratspräsidentschaft übernehmen wird.

Alt-Bundesräte, Fürstin und Nobelpreisträger

Anwesend waren im Nobelhotel Dolder neben ungefähr 300 Zuhörerinnen und Zuhörern die ehemaligen Bundesräte Christoph Blocher und Ueli Maurer (SVP), Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die in deutschen Medien immer wieder wegen ihrer Aussagen für Kritik sorgt, sowie der ungarische Physiker Ferenc Krausz, der gerade den Physiknobelpreis gewann. Am Ende gab es für den Gastredner eine stehende Ovation.

Am Dienstag war Orbán in Bern von Bundespräsident Alain Berset und Aussenminister Ignazio Cassis zu einem Höflichkeitsbesuch empfangen worden. (ma/sda)



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Kommentare

  • Martin Niederhauser, 22.11.2023 21:21 Uhr
    Herr Köppel lädt einen umstrittenen ausländischen Politiker zu einer nem privaten Anlass ein, dieser braucht aber teuren Personenschutz.welchen die Allgemeinheit zu berappen hat, Hoffentlich reißt diese Masche nicht ein.sonst könnte es teuer werden,Der Nutzen privat,die Kosten der Allgemeinheit!
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