04.01.2026

Al Jazeera Arabic

Von Swisscom und Sunrise gekippt

Der arabischsprachigen Version des katarischen Senders wird vorgeworfen, Hamas-Propaganda zu verbreiten.

Der katarische Nachrichtensender Al Jazeera ist der meistgeschaute und einflussreichste TV-Kanal in der arabischen Welt. Auch in der Schweiz wurde er bis vor kurzem ausgestrahlt – sowohl von Sunrise als auch vom Swisscom-Angebot Blue TV. Doch damit ist Schluss: Seit rund zwei Wochen ist die arabischsprachige Version von Al Jazeera hierzulande nicht mehr zu empfangen, berichtet der SonntagsBlick.

«Wir haben Hinweise erhalten, dass Al Jazeera Arabic gegen Schweizer Recht verstösst», sagt Swisscom-Sprecherin Alicia Richon zu SonntagsBlick. Die Swisscom habe deshalb entschieden, den Sender aus dem Programm zu nehmen, bis die Vorwürfe geprüft worden seien. Weiterhin ausgestrahlt wird dagegen der an ein westliches Publikum gerichtete englischsprachige Kanal von Al Jazeera. 

Auch Sunrise-Kunden können den arabischsprachigen Sender mittlerweile nicht mehr empfangen, wie Sprecher Rolf Ziebold bestätigt: «Dies, weil sich Inhalte von Al Jazeera Arabic oftmals in einem rechtlichen Graubereich bewegen.» Al Jazeera Arabic war im Dezember auch Thema in der Wintersession des Nationalrats: Der Zürcher EDU-Nationalrat Erich Vontobel (66) wollte in der Fragestunde von Medienminister Albert Rösti (58) wissen, ob die Landesregierung «Hamas-Propaganda bei der Swisscom dulde».

Rösti antwortete darauf, der Bundesrat verurteile antisemitische Inhalte und jede Form der Unterstützung terroristischer Organisationen klar und deutlich. «Die Swisscom ist zur Einhaltung der Schweizer Rechtsordnung verpflichtet.» Wenige Tage nach Röstis Votum reagierten sowohl Swisscom als auch Sunrise – und zogen dem Sender aus Katar den Stecker. (pd/spo)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Regine Hanna
08.01.2026 11:38 Uhr
Ich meine, im Rechtssystem gilt zuerst die Unschuldsvermutung, solange keine schlüssigen Beweise vorhanden sind. Ich denke, auch ein Herr Rösti sollte so viel Geistesgrösse zeigen, dass Kritik an der Politik und dem politischen System Israels keinen Antisemitismus darstellt. Aber leider ist das in unserem sogenannt freien und toleranten Land Usus, kritische Stimmen gegenüber der Politik Israels als antisemitisch abzustempeln. Meiner Meinung nach ist das eine engstirnige und beschränkte Haltung, zumal die Araber auch Semiten sind und ein klarer Unterschied zwischen Judaismus und Zionismus besteht. Aber leider gilt hierzulande, wer mehr Einfluss hat, bestimmt, da fällt der wahre Tatbestand nicht ins Gewicht. Von Herrn Rösti bin ich schon lange enttäuscht und von Swisscom erst recht.
Kommentarfunktion wurde geschlossen