25.11.2013

3+

"Vujo ist in der Sendung genau so wie beim Fussball oder im Ausgang"

Alles spricht von Vujo und seinen "Vujoismen": Auch die 2. Staffel der Kuppelshow "Der Bachelor" auf dem Schweizer Privatsender 3+ ist zum Erfolg geworden. Doch manch einer zweifelt an der Echtheit der einzigartigen Bachelor-Sätze. Liegt ihnen etwa ein Script zugrunde? Ist Draufgängerin Vanny gar eine Kunstfigur? Und machen die guten Einschaltquoten die juristischen Streitereien rund um die TV-Quoten vergessen? Ein Interview mit Senderchef Dominik Kaiser.
3+: "Vujo ist in der Sendung genau so wie beim Fussball oder im Ausgang"

Herzliche Gratulation, Herr Kaiser, Ihr "Bachelor" ist im Moment DAS Thema, quer durch (fast) alle Schichten. Ist der ungewöhnlich sprechende Vujo die bessere Wahl als der lispelnde Lorenzo aus der ersten Staffel?
Beides sind interessante Männer. Der Bachelor muss jedes Jahr ein anderer Typ sein, sonst wird das Format langweilig. Ich bin mit beiden sehr zufrieden. 


Wie schwer war es überhaupt, einen geeigneten Kandidaten zu finden? Wollen viele Schweizer Bachelor werden?
Das Casting ist bei allen Formaten die grösste Herausforderung. Einen top Bachelor zu finden, ist sehr schwierig. Es gibt viele, die es gerne sein möchten. Die allermeisten sind jedoch komplett ungeeignet dafür. Das Casting ist bei allen Formaten die grösste Herausforderung. Wir führten wie bereits letztes Jahr ein mehrstufiges Casting durch. In der ersten Phase suchen wir sehr breit, quer durch alle Branchen. Danach werden die Interessenten nach und nach geprüft und aussortiert.


Wie ködert man passende Kandidaten?
Der Kandidat muss Bachelor sein wollen. Jemanden dazu zu überreden, wäre wirklich der falsche Weg. Die Dreharbeiten und die Pressearbeit ziehen sich über einen sehr langen Zeitraum hinweg. Wenn das jemand nicht wirklich will, geht ihm der Schnauf schnell aus und er verliert den Spass daran.





Ist es eigentlich lukrativ, Bachelor zu werden? Es heisst, man bekomme etwa 25'000 Franken. Stimmt die Zahl?
Der Bachelor erhält etwas mehr als die Damen. Er steht im Mittelpunkt, mit ihm wurde viel öfter gedreht und er hat auch mit Abstand am meisten Aufwand bezüglich Presseterminen. Reich wird man damit nicht. Ihre Schätzung ist deutlich zu hoch.

Sind Sie persönlich froh – nach der Geschichte rund um die TV-Zahlen – endlich wieder mit Ihrem Kerngeschäft Aufmerksamkeit zu erregen?
Leider bindet das Thema Zuschauerzahlen noch immer viel Kapazität. Ich freue mich aber sehr, dass unser Bachelor gerade so grosse Wellen schlägt.


Andere Privatfernsehmacher sind – obwohl in ähnlicher Lage – im Quotenstreit ganz anderer Meinung als Sie (siehe Interview mit Paul Grau). Fühlen Sie sich als "Lonesome Cowboy"?
Die Materie ist sehr kompliziert und vielschichtig. Es geht neben Medienforschung auch um ein Verständnis, wie die Daten im System technisch und über komplexe Algorithmen verarbeitet werden. Ich habe Verständnis dafür, wenn man sich die Zeit nicht nimmt, um sich in die Themen einzuarbeiten und entsprechende Ressourcen dazu einkauft. Für uns waren die Aufwendungen - neben unserem internen Marktforschungsteam von drei Mitarbeitern - enorm. Unter den Experten gibt es viel Unterstützung, ich fühle mich in sehr guter Gesellschaft.


Zurück zu Vujo und seinen Ladies: Die Pendlerzeitung "20 Minuten" berichtet ausgiebig über die Geschehnisse in der Reality-TV-Show. Gleichzeitig machen ganzseitige Anzeigen montags auf die Ausstrahlung aufmerksam. Wie sieht der Deal zwischen 3+ und "20 Minuten" genau aus?
Bezüglich redaktionellen Inhalten gibt es keine Vereinbarung mit "20 Minuten".  



Bald gibt's Rosen, aber nicht für alle: Die verbleibenden Buhlerinnen um den Bachelor.

Kandidatin Vanny ist das, was die Lipgloss süchtige Sunny in der letzten Staffel war: skurriles Beigemüse. Die Österreicherin mit asiatischen Wurzeln ist in jeder Beziehung "over the top" und wurde auch schon in der ersten Folge mit einem Porträt gewürdigt. Ist sie eine Kunstfigur?
Vanny ist in der Sendung genau so, wie sie schon im allerersten Videocasting war. Dass sie eine Kunstfigur ist, glaube ich nicht. Vanny ist Vanny - und das konstant und sehr spontan.  



Martin Luginbühl, Professor für Medienlinguistik an der Universität Neuenburg, hat für die "SonntagsZeitung" eine Analyse der Sprache, der "Vujoismen", in der Sendung vorgenommen. Er kommt zum Schluss, dass die Sätze des Bachelors deshalb so seltsam seien, weil sie einem Drehbuch folgten. Richtig oder falsch?
Auf die Idee zu kommen, dass einem Drehbuchautor solche Dialoge einfallen könnten, braucht schon sehr viel Fantasie! Wer Vujo kennt, weiss, dass er in der Sendung genau so ist, wie wenn man ihn bei einem Fussballspiel oder in einem Club trifft. Es gibt kein Drehbuch mit Dialogen. Es gab Drehpläne, in welchen definiert war, wann mit wem an welchen Locations gedreht werden sollte. Diese wurden nach den Entscheidungen des Bachelors jeweils gemacht. Was man in den Sendungen sieht, ist so passiert.


In einer Bar in Zürich kann man mit anderen "Bachelor"-Fans dem "Public Vujowing" frönen. Nehmen Sie an diesen Veranstaltungen auch teil?
Ich war letzten Montag mit dabei und fand es sehr lustig. Es war ein bisschen wie bei einem Fussballspiel. Zu jedem Kuss gab es rauschenden Applaus, Gejohle und Shots. Gute Sprüche von Vujo und zickende Ladys wurden auch bejubelt.



Es heisst, dass Sie nun gemeinsam mit den Veranstaltern dieser Events ein grosses Staffel-Finale planen. Wie wird dieses genau aussehen?
Wir haben schon letztes Jahr zur letzten Folge eine schöne Geschichte gemacht. Auch dieses Jahr werden wir wieder was machen. Wie gross diese wird, ist noch offen. 

Interview: Adrian Schräder/Hauptbilder: 3+/Bild Kaiser: Keystone


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