16.05.2011

Opfiker "Stadt-Anzeiger"

Walter Frey ist startklar

Noch-Besitzer Theophil Maag zum geglückten Deal.

Verleger Theophil Maag kann den Opfiker "Stadt-Anzeiger" nun doch an SVP-Mann Walter Frey verkaufen. Die lokale SP hatte gegen dieses Vorhaben das Referendum ergriffen. Sie befürchtete einen Rechtsrutsch der Zeitung und dadurch eine Benachteiligung der eigenen Partei. Die Opfiker teilten diese Befürchtung nicht und schickten am Sonntag das Referendum mit fast 70 Prozent der Stimmen bachab. Jahrzehntelang lag das Blatt in den Händen der Familie Maag. Der gestrige Entscheid ist darum nicht nur ein Freudentag. Über den geglückten, aber zähen Deal und seine Auswirkung sprach "persoenlich.com" mit dem Noch-Verleger Theophil mag:

Theophil Maag, die Opfiker haben Ihnen grünes Licht gegeben, Sie dürfen den "Stadt-Anzeiger" an SVP-Mann Walter Frey verkaufen. Wie fühlen Sie sich nach diesem Entscheid?

Zufrieden und glücklich. Wir haben die Abstimmung mit fast 70 Prozent gewonnen. Das ist ein super Resultat.

Die SP in Opfikon befürchtet, dass das Lokalblatt mit den amtlichen Publikationen nun die SVP begünstigen könnte. Verstehen Sie diese Ängste?

Nein, gar nicht. Das ist bewusste Angstmacherei. Es geht einzig und allein darum, mich oder der neue Verleger Walter Frey schlecht zu machen. Bei uns dürfen auch in Zukunft alle schreiben und zu Wort kommen, die wollen. Wir hindern niemanden daran.

56 Jahre lang war der "Stadt-Anzeiger" in den Händen Ihrer Familie. Welche Rolle spielte Ihre politische Couleur bisher?

Keine. Mein Vater war Sozialdemokrat und politisierte 20 Jahre für die SP. Er betonte aber immer, dass der "Stadt-Anzeiger" von Opfikon kein Parteiblatt ist, sondern eine "volksverbindene" Zeitung. Genauso führte ich das Werk meines Vaters weiter, obwohl ich ein Bürgerlicher war.

Die SP meint, sie sei schon in der Vergangenheit benachteiligt worden. Stimmt das?

Nie, im Gegenteil. Ich habe ihnen sogar oft unter die Arme gegriffen. Ich setze mich ganz allgemein für Volksanliegen und für die Schwachen in unserer Gesellschaft ein - so druckte ich 29 Jahre lang unentgeltlich für Don Pino jeden Monat die italienische Seite ab. Das ist der Grund für die Ehrung von Papst Benedikt XVI. Er schenkte mir einen Rosenkranz, den sonst nur die Staatsmänner erhalten oder die, welche bei ihm Audienz hatten. Er gratulierte mir so zum 75-sten Geburtstag persönlich.

Wie ist ihr Verhältnis zur SVP?

Sehr gut. Ich bin ein Blocher-Fan und druckte viele Reden von ihm ab. Aber auch zu den Freisinnigen habe ich einen guten Draht und auch zu der CVP. Das ist nichts Neues.

Unter welchen Bedingungen verkaufen Sie das Blatt an SVP-Mann Walter Frey? Muss er gewisse Auflagen erfüllen oder ist er absolut frei?

Er ist absolut frei. Natürlich könnte er auch ein SVP-Blatt daraus machen. Dann würde er sich aber sein eigenes Grab schaufeln. Walter Frey hat zudem auch ganz klar gesagt, dass alle im Opfiker "Stadt-Anzeiger" schreiben und politisieren dürfen. Er ist ein feiner Mensch. Ich hörte nur Gutes von ihm.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Ihrem "Stadt-Anzeiger"?

Ich wünsche ihm nur das Beste. Dass er so gut weiter gemacht wird, wie ich ihn gemacht habe. Falls die Macher mich brauchen, stehe ich ihnen jederzeit zur Verfügung. Es soll ein Blatt bleiben, das offen ist für alle und alles.

Mit welchen Gefühlen geben Sie Ihre Zeitung nun ab?

Es tut sehr weh. Ich habe die Zeitung lieb wie ein eigenes Kind. Sie ist mein Lebenswerk. Schon als Kind half ich meinem Vater die Zeitung zu realisieren. Ich arbeitete ohne Lohn, war dankbar, wenn ich ab und zu dafür einen Batzen erhielt. Auch später gab ich alles für die Zeitung her, Ferien machte ich praktisch nie. Nun bin ich 76 Jahre alt und werde wohl zum ersten Mal in meinem Leben viel Freizeit haben...

Interview: Christine Schnyder


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