Die Konferenz der Schweizer Chefredaktorinnen und Chefredaktoren kritisiert das "massive Vorgehen" der Neuenburger Staatsanwaltschaft im Fall des Westschweizer Journalisten Ludovic Rocchi. Bei den Anschuldigungen gegen Rocchi handle es sich um "vergleichsweise harmlose Delikte".
Rocchi wird im Zusammenhang mit einer Artikelserie über einen Professor an der Universität Neuenburg der Amtsgeheimnisverletzung, Ehrverletzung und Verleumdung beschuldigt. Diese Delikte rechtfertigten eine Behandlung wie bei einem Schwerverbrecher nicht, teilte die Chefredaktorenkonferenz am Mittwoch mit.
Aufgrund einer Anzeige hatte die Staatsanwaltschaft bei einer Wohnungsdurchsuchung in Abwesenheit des Journalisten Notizen und Computer-Material beschlagnahmt.
Die Medienfreiheit sei eines der höchsten Güter in der Demokratie, erinnern die Chefredaktoren und warnen vor der "voreiligen Kriminalisierung von Journalisten". Als Beispiel führen sie auch den Fall der Londoner Redaktion des "Guardians" auf. Diese musste unter Aufsicht des britischen Nachrichtendienstes die Daten zum Fall Snowden löschen. Die Chefredaktorenkonferenz wird daher auch einen offenen Protestbrief verschiedener nordischer Chefredaktoren an den britischen Staatspräsidenten David Cameron mitunterzeichnen. (sda)

