27.08.2013

Was sprach eigentlich Hohmeister?

Es gibt in der Schweiz zwei Selbstvermarktungsgenies - und der Schreibende hat das Vergnügen, mit beiden relativ gut bekannt zu sein. Ersterer, ein ehemaliger Bundesrat,  startete letzte Woche in Locarno eine fulminante Drittkarriere als Filmstar. Zweiter, ein ehemaliger Radiopirat, machte sich diese Woche dank seines ungestümen Barts selbst zum Hauptthema. Für Schawinskiologen interessant, der Medienpionier stutzte seinen Schnauz in den rebellischen Pizzo-Groppera-Tagen weitaus gesitteter als beim montäglichen Fernsehauftritt im Monopolfernsehen. Was lernen wir daraus? Sowohl der Blocher-Film wie auch der Schawinski-Bart  sind der beste Beweis für die Suggestionskraft des Bildes. Der Schein beeinträchtigt das Sein – und nicht umgekehrt. Bei „l’Expérience Blocher“ fokussiert sich die Hauptaussage des Films auf die Schlusssequenz. Es sind ausgerechnet jene zwei, drei Minuten, die Blocher alleine vor seinen Ankerbilder zeigen, welche den Volkstribunen in die Sphären der Geschichte katapultieren. Diese einzige Einstellung wird die künftige Blocher-Wahrnehmung mehr prägen als ein Stoss gehässiger Zeitungsartikel. Das Gleiche gilt auch für Schawinskis Bart. Dass er in seiner Talkshow „Schawinski“ Swiss-Chef Harry Hohmeister Gast befragte, sorry, unerheblich. Gegen den Bart eines Propheten hat nicht einmal ein richtiger Prophet eine Chance. Und zu guter Letzt: Was bleibt von der Kurz-Ära der abgesägten Blick-Chefin Andrea Bleicher? Es ist das mittlerweile hundertfach abgedruckte Bleicher-Portrait einer hübschen und selbstbewussten Frau. Eigentlich wäre das wenig. Doch in diesem Fall hat es zur Märtyrerinnenbildung gereicht.

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