20.11.2012

"Wenn alles zusammenpasst, entstehen schnell Emotionen"

Ein Glücksgriff in eine alte Formatkiste: Der Schweizer Privatsender 3+ zeigt derzeit seine Version der Kuppel-, Flirt- und Fummelserie "Der Bachelor" - und hat dabei ziemlich viel richtig gemacht. "persoenlich.com unterhielt sich mit 3+-Chef Dominik Kaiser über die Herausforderungen der aufwändigen Produktion, Product Placement, Lipgloss süchtige Kandidatinnen und Bachelor Lorenzo Leutenegger, 29, Sohn von Nationalrat Filippo Leutenegger und als Senior Account Manager bei Goldbach selbst im Mediengeschäft. Zum Interview:
"Wenn alles zusammenpasst, entstehen schnell Emotionen"

Herr Kaiser, derzeit strahlt Ihr Sender die Kuppelserie "Der Bachelor" aus. Am Dienstag wird die vierte von sieben Folgen gezeigt. Wie sind Sie bislang mit dem Erfolg zufrieden?

Wir sind mit den Zuschauerzahlen sehr zufrieden. Zweimal waren wir bisher damit der zweitmeistgesehene Sender in der Zielgruppe. Und der Bachelor und seine Damen sind in aller Munde.

Bild - Dominik Kaiser, Geschäftsführer des grössten Schweizer Privat-TV-Senders.

Zahlt sich der hohe Aufwand für eine solche Produktion aus?

Die Sendung kostet uns ein kleines Vermögen und ist sehr viel Arbeit für uns, bringt uns aber neben den vielen Zuschauern auch viel Aufmerksamkeit.

Das "Bachelor"-Format ist schon relativ alt. Was gab den Ausschlag es nun damit in der Schweiz zu probieren?

"Der Bachelor" hat seit Ende letztem Jahr eine grosse Renaissance in ganz Europa erlebt. Das Format wurde frisch interpretiert und hat unter anderem auf RTL sehr gut funktioniert. Wir fanden, es ist nun Zeit für den ersten Schweizer Bachelor.

Bild - Buhlen in Bangkok: Zwei Kandidatinnen schmeissen sich an den Bachelor ran.

Die Produktion wirkt ziemlich "echt". Wie erreicht man das?

Das Casting ist entscheidend. Ein toller Bachelor und die richtigen Damen in einer tollen Location mit klar strukturierten Aufgaben. Wenn alles zusammenpasst, entstehen schnell viel Emotionen. Im Schnitt wird die Sendung dann stark verdichtet und veredelt. Die Grundlage ist aber immer ein guter Cast. Was man auf dem Monitor im Schnittplatz in den Gesichtern nicht sieht, kann man nicht nachträglich rein fotoshoppen.

Dem Zuschauer wird suggeriert, dass sich das Geschehen in wenigen Tagen abspielt. Jeden Abend eine Entscheidung. Wie lange dauerte der Dreh tatsächlich?

Es wurde während einem Zeitraum von 7 Wochen gedreht. 4 Wochen davon fast am Stück. Zum Teil waren die Drehtage sehr lang. Vor allem in der ersten Folge bis alle Ladys ausgestiegen und vom Bachelor begrüsst wurden, wurde bis knapp vor Sonnenaufgang gedreht.

Bild - Der erste Kuss: Bachelor Lorenzo nähert sich beim Candlelight Dinner der Kandidatin Cam.

Wie man bereits erfahren konnte, wurden alle Teilnehmenden entschädigt (persoenlich.com berichtete). Erhielten alle den gleichen Betrag?

Der Bachelor erhielt etwas mehr als die Damen. Er steht im Mittelpunkt, mit ihm wurde viel öfter gedreht und er hat auch mit Abstand am meisten Aufwand bezüglich Presseterminen.

Auch wenn Geld im Spiel war: Wie schwer war es, den richtigen Cast – verschiedene Frauentypen, Zwillinge, seltsame Figuren, starke Rivalinnen – zu finden?

Sehr schwierig. Die Zusammenstellung ist kompliziert. Es gilt Dialekte, Charaktere, Hintergrundgeschichten und Aussehen so zu mischen, dass es zu spannenden Geschichten kommt und sich die ganze Deutschschweiz vertreten fühlt. Auch zahlen wir nur eine Aufwandsentschädigung und keine hohen Gagen.

Bild - Die Entscheidung: Nur wer eine Rose kriegt, ist weiterhin dabei.

Bachelor Lorenzo Leutenegger kann als Glücksgriff bezeichnet werden. Sogar dessen prominenter Vater, FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, taucht in der Serie auf und schwärmt in der Wandelhalle des Bundeshauses von seinem Sohn. Wie sind Sie auf ihn gestossen?

Wir führten ein mehrstufiges Casting quer durch alle Branchen durch. Danach wurden die Interessenten nach und nach geprüft und aussortiert. Im ersten Schritt haben wir mehr als 1200 Männern angeschrieben. Lorenzo wurde uns von mehreren Seiten empfohlen. Er gefiel uns sofort. Seine Konkurrenz war aber gross. Nach zwei persönlichen Videocastings haben wir uns dann definitiv für ihn entschieden.

Wie stark wurde der Bachelor bei seinen Entscheidungen von 3+ beeinflusst? Die Lip Gloss süchtige deutsche Kandidatin Sunny hatte in den ersten vier Folgen nie ein Einzeldate mit Leutenegger und schafft es trotzdem in die fünfte Runde. Eine relativ unglaubwürdige Entscheidung.

Sunny ist doch süss. Ein Zweierdate gab es schon mit ihr und das Einzeldate kommt noch. Lorenzo hat eigenständig entschieden. Deshalb schied auch in der ersten Sendung eine Dame aus, mit der man noch einige unterhaltende Gespräche hätte aufzeichnen können.

Bild - Die Lipgloss süchtige Kandidatin Sunny aus Deutschland. In der fünften Folge darf der Bachelor - laut Vorschau - Kontakt mit ihren "Hupen" aufnehmen.

Als Hauptsponsor fungiert der Schoggistängeli-Hersteller Minor. Deshalb mampft der Bachelor jeweils Schokolade, wenn er sich den Kopf über die Zukunft der Kandidatinnen zerbricht. Gutes Product Placement?

Die Minor Schokolade ist schön in die Handlung integriert. Man sieht, dass unser Bachelor und seine Damen das Schoggi Essen in der Ferne richtig geniessen. Die Integrationen waren nicht ganz einfach umzusetzen. Die Hitze in Thailand stellte uns vor ein paar logistische Probleme. Minor als Hauptsponsor bekommt bei uns ein umfangreiches Packet, neben den Productplacements auch Billboards bei allen Trailern vor und nach den Sendungsteilen, einen Zuschauerwettbewerb und damit eine grosse Reichweite und einen prominenten positiven Auftritt.

Wird 3+ eine weitere Staffel produzieren?

Für eine Entscheidung gibt es keine Eile. Eine zweite Staffel wird frühestens Ende Sommer nächstes Jahrs zur Ausstrahlung fertig sein. Wir werden uns in ein paar Wochen definitiv entscheiden.

Interview: Adrian Schräder / Bilder: 3+

Die 4. Folge von "Der Bachelor" wird am Dienstagabend um 20:15 Uhr ausgestrahlt. Welche Dame Lorenzo Leutenegger zu seiner Frau fürs Leben kürt, ist am 11. Dezember zu sehen.


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