24.01.2013

SRF

"Wer gewinnt, setzt sich nicht in ein gemachtes Nest"

Am Samstag startet die neue, mit Spannung erwartete Samstagabend-Kiste auf SRF - "The Voice of Switzerland". Die Nervosität steigt nicht nur bei den Kandidaten, auch das Moderatorenduo Viola Tami und Sven Epiney befindet sich im Endspurt der Vorbereitungen. Mit persoenlich.com sprechen sie über Adrenalin, Schultern zum Anlehnen und über ihr privates Verhältnis.
SRF: "Wer gewinnt, setzt sich nicht in ein gemachtes Nest"

Sie moderieren ab Samstag die neue grosse SRF-Abendshow "The Voice of Switzerland“. Herr Epiney (SE), Sie sind einer der grossen Routiniers unter den SRF-Moderatoren. Was bedeutet für Sie noch die Moderation einer Samstagabend-Kiste?
SE: Es ist nach wie vor eine grosse Herausforderung und macht mir enorm Spass. Die Final-Shows sind für mich als Moderator besonders prickelnd und fordernd, nicht nur der grösse wegen, auch weil sie live sind. 

Wie haben Sie sich für die Moderation von "The Voice of Switzerland“ – im Gegensatz zu anderen Formaten - vorbereitet? Kann Sie überhaupt noch eine Moderation aus der Ruhe bringen?
SE: Wir haben uns viele "The Voice"-Shows aus andern Ländern angeschaut um zu sehen, welche Eigenheiten dieses Format mit sich bringt. Die Anspannung ist bei mir vor jeder Sendung nach wie vor sehr hoch. Der Puls steigt und mein Körper ist voller Adrenalin. Das Lampenfieber gehört einfach dazu. Natürlich hilft einem die Routine beim moderieren, aber das Ziel, eine gut Show zu liefern, ist gleich wie bei der ersten Sendung.

Frau Tami (VT), für Sie ist es die erste grosse Moderation bei SRF. Was unternehmen Sie gegen die Nervosität?
VT: Von 10 runter zählen und dann geht’s los. Diesen Tipp habe ich von einer erfahrenen Schauspielkollegin bekommen. An manchen Tagen nützt's mehr als an anderen.

Was für Tipps und Ratschläge hat Ihnen Profi Sven Epiney für diesen Job gegeben? Ist er auch eine Art Coach für Sie?
VT: Sven ist vor allem ein Moderationskollege, auf den man sich 100-prozentig verlassen kann. Das hilft sehr – und ab und zu guck ich mir natürlich gerne was ab.

Herr Epiney, Sie sind der "Chefmoderator“ der Sendung, trotzdem ist es eine Co-Moderation. Moderieren Sie lieber allein oder im Team? 
SE: Wenn man solo auf der Bühne steht, trägt man die Verantwortung alleine, dafür ist man freier und kann sich auch von gegeben Texten lösen, dies macht flexibler und spontaner. Eine Co-Moderation braucht mehr Absprachen, macht aber auch Spass. Vor allem, wenn man sich gut versteht. Man kann zum Beispiel verschiedene Positionen und Standpunkte einnehmen und damit eine zusätzliche Komponente ins Spiel bringen. So gesehen haben beide Varianten ihre Vor- und Nachteile.

Spielt es für Profis keine Rolle, wen Sie als Co-Moderator neben sich haben? Wie wichtig ist, dass man sich auch privat gut versteht?
SE: Es hilft definitiv, wenn man sich auch privat mag. Dann kann aus einer guten Moderation eine originellere und lustvollere entstehen. Ich denke, viele Zuschauer merken auch, ob die Chemie bei einem Moderationsteam stimmt. Dazu kommt, dass auch die ganze Vorbereitungsarbeit (und das ist ja ein grosser Teil) konstruktiver und gedeihlicher ist.

Sie stehen nicht das erste Mal zusammen auf einer Bühne – bereits in der "Kleinen Niederdorfoper“ konnte man Sie gemeinsam erleben. Was macht ein gutes Moderationsduo aus, Frau Tami?
VT: Zwei, die bereit sind, ihr Ego etwas zurückzustellen, die Bühne zu teilen und dem andern Platz zu lassen für dessen Stärken.
 
Sie singen beide auch selbst. Haben Sie sich früher überlegt, selbst an einer Castingshow teilzunehmen? Warum taten Sie es nicht?
SE: Für uns war das nie ein Thema, denn erstens gab es damals noch keine Castingshows und zweitens stand bei uns der Spass im Vordergrund.
VT: Ich bekam meinen Plattenvertrag mit Sony just zu jener Zeit, als in Deutschland die erste Staffel Popstars lief. Ich war fasziniert von diesem damals neuen Format. Seither verfolge ich die Shows am TV regelmässig.
 
Bei "The Voice of Switzerland“ geht es nur um die Stimme. Reicht es, gut singen zu können, um in der Schweiz ein Star zu werden?
SE: Eine gute Stimme ist bestimmt die wichtigste Voraussetzung. Wer "The Voice of Switzerland“ gewinnt, setzt sich aber nicht in ein gemachtes Nest, sondern sollte dies als gute Startrampe für seine Karriere sehen. Viel harte Arbeit gehört ebenso dazu wie das nötige Quäntchen Glück, damit man im Musikbusiness Fuss fassen kann.
VT: Fleiss, Glück und gute Nerven gehören definitiv auch dazu. Eine starke Stimme kann das Eintrittsticket in die Show bedeuten- später gilt es, sich zu entwickeln. Und wenn die Nerven versagen, nützt die beste Stimme nichts.
 
Frau Tami, Sie fühlen während den Livesendungen Backstage den Puls der Kandidaten. Wie wichtig ist die persönliche Abgrenzung für Sie? Wie stark werden Sie zur Verbündeten der Kandidaten?
VT: Da die Coaches bei "The Voice of Switzerland“ nicht gegen, sondern mit den Talents arbeiten, brauchen diese auch keine Verbündete. Aber klar, wenn man so nah dran ist, hält man auch gerne mal die Schulter hin.
 

Was erwarten Sie von den prominenten Coaches? 
SE: Fürchten muss man definitiv keinen Coach. Sie versuchen sich in die Situation der Talente zu versetzten und diese in ihrem Traum, Sänger zu werden, zu bestärken. Dabei gibt es konstruktive Ratschläge für die, die nicht weiter kommen und anregende Vorschläge und Coachings für die, die im Rennen bleiben.
VT: Alle Coaches sind absolute Top-Profis und nehmen ihre Aufgabe extrem ernst. Da wird nicht an Emotionen gespart. Da kommen die Menschen hinter den Künstlern hervor. Das finde ich spannend.

Was machen Sie jeweils in der letzten halben Stunde vor Sendebeginn?
SE: Kurz vor der Sendung drehe ich meist eine kurze Runde um das Studio, um frische Luft zu tanken und den Kopf frei zu bekommen. Dann werde ich mit einem Mikrofon verkabelt und begrüsse das Publikum, um mich im "Warm Up" mit den Zuschauern gemeinsam auf die Show einzustimmen.
VT: Ich starte meinen Computer und logge mich auf Twitter und Facebook ein.

Interview: Corinne Bauer


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