Auch die SRG will traditionelles Fernsehen mit dem Internet kombinieren. Noch vor Ende Jahr lanciert sie in der Westschweiz ein Hybrid-TV-Pilotangebot. 2013 sollen die Deutschschweiz und das Tessin folgen. Möglich wird das Angebot laut einer Mitteilung der SRG vom Donnerstag, weil die neue Generation von Hybrid-Geräten sowohl Fernsehprogramme als auch Internet empfangen kann. Wer ein HbbTV-taugliches Gerät und einen Internet-Anschluss besitzt, kann das Angebot nutzen. Er muss über Satellitenempfang verfügen oder einem Netzbetreiber angeschlossen sein, der das Zusatzsignal liefert. Als erster hat sich der QuickLine-Verbund mit der Weiterleitung dieses Signals einverstanden erklärt, wie Martin Spycher, Leiter der SRG-Untergruppe TV+, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte. Der QuickLine-Verbund deckt heute rund 300'000 Haushaltungen ab.
Mit den anderen Netzbetreibern, namentlich mit Swisscom und upc cablecom, finden derzeit Gespräche statt, wie Spycher weiter sagte. Noch ungeklärt sei insbesondere, ob die geltende Radio- und TV-Verordnung die Netzbetreiber auch zu der Weiterleitung dieses Zusatzsignals verpflichtet oder ob hierzu allenfalls eine Verordnungsänderung nötig ist. Für die SRG stehen zwei Nutzungsformen im Vordergrund: Hybrid broadcast broadband television (HbbTV) und Second screen. HbbTV reichert traditionelles Fernsehen inhaltlich mit Internetangeboten an. Second Screen erweitert das Fernseherlebnis auf einen zweiten Bildschirm (Handy, Tablet oder Laptop). Mit dem RTS-Projekt will die SRG Erfahrungen sammeln, die Bedürfnisse des Publikums analysieren und diesen in einem späteren Angebot Rechnung tragen. Auch erste Second-screen-Applikationen sind bei RTS und SRF in Entstehung. HbbTV ist ein anerkannter Standard für Hybrid-TV und gilt als Nachfolgedienst des heutigen Teletextes. HbbTV ermöglicht eine inhaltliche Verknüpfung von Fernseh- und Internetinhalten auf dem Fernsehgerät.
Mit HbbTV kann der Zuschauer zusätzliche Informationen und Dienste - Zusatzinformationen zum Inhalt der laufenden Sendung, Video on Demand oder Social Networks - einfach per Knopfdruck auf seinem Bildschirm aufrufen. Ebenfalls möglich ist die interaktive Teilnahme in TV-Sendungen wie zum Beispiel Voting. Nicht alle diese Beispiele sind Bestandteil des SRG-Pilotprojekts. Dieses umfasst laut Spycher aber sicher den Teletext-Nachfolgedienst (News, Sportnews usw.) sowie Video on Demand, das heisst SRG-eigene Angebote. HbbTV wurde von der European Broadcasting Union (EBU) als Standard definiert. Entsprechend setzt europaweit ein Grossteil der Programmanbieter auf HbbTV. So bieten diverse deutsche, französische, spanische, holländische und polnische Sender bereits heute erste Dienste an. (sda)

