21.03.2019

Video-Content

Wie die privaten Verlage Youtube nutzen

Um die junge Zielgruppe zu erreichen, betreibt SRF 22 Youtube-Channels. Die grossen privaten Medienhäuser stört das wenig, wie eine Umfrage zeigt. Ringier und NZZ wollen ihre Präsenz auf der Videoplattform ebenfalls ausbauen. Tamedia dagegen ist zurückhaltend.
Video-Content: Wie die privaten Verlage Youtube nutzen
Einige Medienhäuser wollen ihre Präsenz auf Youtube ausbauen, die Marken von Tamedia hingegen bleiben bei ihren eigenen Plattformen. (Bild: Pixabay/persoenlich.com)
von Loris Gregorio

Für die SRG-Produkte werde Youtube immer wichtiger, sagte Generaldirektor Gilles Marchand am Jahresmeeting der Werbeauftraggeber letzte Woche. Auf Anfrage von persoenlich.com hat SRF die Zahlen zusammengetragen und zur Verfügung gestellt. Das öffentlich-rechtliche Medienhaus betreibt 22 Kanäle auf Youtube, wie persoenlich.com in einem Artikel vom Montag aufzeigt. Youtube-Nutzer streamten letztes Jahr 16'160 Stunden SRF-Inhalte pro Tag.

Was sagen die Privaten dazu, dass die SRG mit Gebühren-Geldern auf Youtube die Präsenz so stark ausbaut, und mit seinen Inhalten dem Internet-Giganten zu noch mehr Werbeeinnahmen verhilft? Und was für eine Youtube-Strategie haben die grossen privaten Medienhäuser? Wir haben nachgefragt:



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Insgesamt betreibt der Medienverlag drei Kanäle auf Youtube: NZZ, NZZ Format und NZZ Standpunkte. Bisher war das Videoportal laut NZZ nicht wichtig. Doch das könnte sich bald ändern. «Wir überarbeiten momentan unsere Video-Strategie. In diesem Zuge schauen wir uns auch Youtube genauer an», schreibt Mediensprecherin Manon Fritschi auf Anfrage von persoenlich.com. Alleine auf dem NZZ-Kanal verzeichnete die Mediengruppe letztes Jahr 329 Stream-Stunden pro Tag. Auf ihren Channels zeigt NZZ Videobeiträge zu aktuellen Themen, ganze Sendungen oder Trailer aus NZZ Format und bei NZZ Standpunkte Gespräche, die Chefredaktor Eric Gujer mit Gästen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur führt.

«Sollten wir uns verstärkt auf Youtube konzentrieren, ist das SRF sicher auch ein Konkurrent», so die Medienverantwortliche. Dass Public-Service-Angebote auf Drittplattformen wie Youtube zugänglich sind, sei jedoch nachvollziehbar.





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Bei der Blick-Gruppe gilt für alle Kanäle «Video First». Auf Youtube betreibt die Gruppe die Kanäle Blick, Blick Sport und Blick VR, bei denen im letzten Jahr insgesamt 19,6 Millionen Nutzer ein Video angeklickt haben. Das ergab 3550 abgespielte Stunden pro Tag, die durchschnittliche Verweildauer betrug fast vier Minuten.

Auch für Ringier Axel Springer Schweiz (Rasch) ist Youtube wichtig. Rasch betreibt auf dem Videoportal neun Channels für die Titel «Schweizer Illustrierte», «Beobachter», «GaultMillau», «Bilanz», «Handelszeitung», «Tele», «Zappin», «L'illustré» und «Le Temps». «In diesem Jahr wird die Präsenz von vielen Marken auf Youtube ausgebaut», schreibt Mediensprecher Manuel Bucher. Es werde ein deutlich stärkerer Fokus auf die Plattform gelegt als in den Jahren zuvor. Ringier betreibt neben den «Blick»-Channels auch die vom Jugendmagazin «Izzy» und von «Energy».

Auch Ringier meint zur SRG, sie solle mit dem Service-Public-Auftrag die ganze Bevölkerung erreichen. «Dazu gehören auch neuere Kanäle wie Youtube und darum ist eine SRG-Präsenz dort sinnvoll», so Bucher.





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Tamedia zeigt sich bei der Frage nach Youtube zurückhaltender als die Konkurenz. «Der Fokus liegt auf den eigenen Kanälen. Unsere Titel nutzen Youtube nur in Ausnahmefällen», sagt der Medienverantwortliche Roman Hess auf Anfrage. Bei den Bezahlmedien setze Tamedia auf Premium-Angebote und stelle so die eigenen Plattformen in den Vordergrund. Dies gilt auch für das kostenlose Angebot von «20 Minuten». Weiter schreibt Tamedia: «Wir müssen uns gut überlegen, was wir über die Plattformen von Google, Facebook, Apple oder Amazon zu Verfügung stellen und ob es die zusätzliche Reichweite rechtfertigt, den eigenen Journalismus und einen Teil der Nutzer den Tech-Giganten zu übergeben.»

Die Zurückhaltung zeigt sich beispielsweise beim Blick auf den Kanal vom «Tages Anzeiger», wo vor einem Jahr das letzte Video hochgeladen wurde. Für die Bezahlmedien und «20 Minuten» betreibe Tamedia momentan sieben Kanäle. In Zukunft könne Youtube aber interessant sein, um ein neues Publikum zu erreichen. Zur Präsenz von SRF auf der der Plattform gibt Tamedia keinen Kommentar ab.





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«Youtube ist für die Marken von CH Media ein Vertriebskanal unter vielen», erklärt das Medienunternehmen auf Anfrage. Die Plattform sei nicht entscheidend für ein bestimmtes Geschäftsmodell. Immer wichtiger werde Youtube aber für die Marke «Chinder Musigwält» von «Swissmom» mit durchschnittlich 43 Stream-Stunden pro Tag im Jahr 2018.

Für seine journalistischen Marken betreibt CH Media 25 Youtube-Kanäle. Die Nutzung des Videoportals mit kurzfristigem journalistischem Content sei aber überschaubar und nicht Fokus der Präsenz von CH Media. Zur Tätigkeit von Service-Public-Angeboten auf Drittplattformen antwortet das Unternehmen: «Die Präsenz der SRG auf Youtube ist Sache der SRG.»



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Kommentare

  • Michael M. Maurantonio, 22.03.2019 20:21 Uhr
    Die wichtigen Fragen: 1. wieso will man YT grösser und stärker machen mit Content, den man nicht gratis produziert hat, aber YT gratis erhält? 2. wieso verdient dann YT Geld (Werbeeinblendungen für Bots und jene User, die immer noch ohne Adblocker surfen) mit fremdem Content und die Verlage gehen mehrheitlich leer aus? 3. wieso findet man es trotz 1 & 2 ok, dass YT mit 1. + 2. Geld kassiert, aber hierzulande keine Steuern dafür zahlt? 4. Der Fall SRF zeigt nur, wie wenig die "online Strategen" von ihrem Business verstehen, denn die 16'160h Content pro Tag auf das ZG Potential von ca. 1.5 Mio User umgemünzt heissen im Klartext: <40 Sekunden pro User pro Tag. Ok. nicht alle Jugendliche ziehen sich SRF Content rein. Wieso auch... Wenn also ein für diese Zielgruppe extra didaktisch reduziert aufbereiteter Inhalt auf, sagen wir mal, 10min kommt, dann würde SRF mit YT knapp 6% Tages-RW erzielen. Vorausgesetzt, dass es User und keine Bots sind (oder können die Akteure beweisen, dass es echte Menschen und keine Bots sind?). Lohnt sich das also, zumal ausser Spesen nix gewesen (ach, ausser für YT as usual, die cleveren Füchse die. Von denen kann man lernen, wie man mit magic bubbles viel Geld verdienen kann)?

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