30.05.2012

NZZ

Will Presse-TV weiterführen

Presse-TV-Präsident Wolfgang Frei im Interview.

Ringier stellt die Produktion seiner PresseTV-Sendungen Ende 2012 ein (persoenlich.com berichtete). Was bedeutet dieser Ausstieg für die verbleibenden Partner? persoenlich.com hat beim Verwaltungsratspräsident Wolfgang Frei nachgefragt:

Herr Frei, bedeutet der Ausstieg von Ringier das Ende von Presse-TV?

Nein, sicher nicht. Die Sendungen NZZ Format, BekanntMachung und die Standpunkte-Sendungen von NZZ, Basler Zeitung und Bilanz bleiben ja unverändert bestehen. All diese Sendungen passen mit ihrem Informationscharakter in das Programm von SF1 und erreichen auch die mit SRF ausgemachten Quoten.

Wird es auch 2014 noch Verleger-Sendungen bei SRF geben?

Ich gehe davon aus, dass es solche Sendungen weiterhin geben wird. Wie das Modell im Einzelnen aussehen wird, ist Gegenstand der Gespräche mit der SRG, die nun etwas früher als geplant stattfinden werden.

"Ich gehe davon aus", tönt aber schon eher vage. Wie stark werden Sie sich als Presse-TV-Präsident und Leiter der NZZ-Fernsehredaktion dafür einsetzen?

Nein, das ist nicht vage, aber es liegt nicht einfach in unserem Ermessen, da gehört die SRG dazu. Dass ich die Weiterführung will, ist schon deshalb so, weil es in der Schweiz keinen anderen Sender für solche Sendungen gibt.

Wie lohnenswert sind diese Sendungen für die NZZ?

Die NZZ ist nun seit 1993 mit NZZ Format im Fernsehen präsent und das Renommee ist gut. So etwas hat kein anderer Schweizer Verlag geschafft. Es ist meines Wissens auch die einzige Schweizer Sendung eines privaten Anbieters, die regelmässig im Ausland gesehen werden kann (3sat). Diese Präsenz ist etwas wert – auch finanziell, auch wenn es nie die Absicht der NZZ war, ein grosses Geschäft mit dem Fernsehen zu machen. Es ist immer darum gegangen, die Marke NZZ auch in elektronischen Medien mit NZZ-Qualität zu vertreten.

Die Ringier-Sendungen hatten hohe Einschaltquoten. Was bedeutet der Wegfall?

Gesundheit Sprechstunde hatte die höchsten Quoten, zwei andere Ringier-Sendungen die tiefsten. NZZ Format zum Beispiel erreichte 2011 im Schnitt 16 Prozent, gerade mal 3 Prozent hinter Gesundheit Sprechstunde. Daraus kann man also kaum ein Problem ableiten.

Die Ringier-Sendungen hatten gute und teure Sendeplätze. Wollen Sie diese frei werdenden Plätze neu besetzen?

Das stimmt so nicht: CashTV und MotorShow sind auf SF zwei, was von den Quoten her generell schlechter ist als SF 1. Interessant ist der Sendeplatz von Gesundheit Sprechstunde am Samstag im Vorabend. Um Sendungen an andere Plätze zu schieben, müssen sie aber inhaltlich auch da hinpassen und in der Länge übereinstimmen. Die Ringier-Sendungen laufen ja nun noch bis Ende Jahr, bis dann sind einige andere Fragen zu diskutieren, bevor man jetzt schon Rochaden vornehmen würde.

Was passiert mit "NZZ Format", "Standpunkte", "Bekanntmachung" und "Bilanz Standpunkte"?

Da passiert vorerst gar nichts und wenn, dann ist das eine Frage der Absprache mit der SRG. Der Vertrag von PTV und SRG läuft jedenfalls bis Ende 2013 und die Möglichkeit des Ausstiegs eines Partners aus kommerziellen Gründen steht explizit im Vertrag. Wie es weitergeht, werden wir wie bisher in aller Ruhe und Sachlichkeit mit der SRG besprechen. Wir haben da immerhin schon 17 Jahre Erfahrung.

Interview: Edith Hollenstein


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