Herr Mazzara, Joiz sendet ab Sommer 2013 auch in Deutschland (persoenlich.com berichtete). Sie eröffnen eine zweite Filiale in Berlin. Wieso nun dieser Schritt?
Joiz hat in der Schweiz sowohl beim Publikum als auch im Werbemarkt grossen Anklang gefunden. Joiz ist ja nicht nur ein TV-Sender, sondern ein sogenannter Social-TV-Sender, der TV, Web mit den sozialen Meiden verknüpft. Dieses Modell macht uns für alle Gruppen sehr interessant - und wir sind europaweit wohl führend darin. Aufgrund unseres Erfolges in der Schweiz haben wir uns nun entschlossen, den nächsten Schritt zu machen und nach Deutschland zu expandieren.
Kommt der Schritt nicht etwas verfrüht? Joiz geniesst bei Schweizer Jugendlichen zwar wachsende Popularität, schwarze Zahlen schreibt Ihr Unternehmen aber wissentlich noch nicht. Wieso zieht man nun auf wackeligen Beinen weiter?
Ich weiss nicht, woher Sie diese Informationen haben. Sie sind auf jeden Fall falsch. Joiz ist in der Schweiz sehr gut auf Kurs. Natürlich ist jeder neue Schritt ein Risiko. Wir können aber sicherlich viel vom Vorlauf in der Schweiz profitieren.
Wir geben keine Zahlen bekannt, so oder so.
Joiz macht diesen Schritt mit den bestehenden Investoren.
Sie wollen auch in Deutschland TV, Web, Mobile und Social-Media in einem Social-TV-Sender verschmelzen lassen. Das Rezept, um die Zielgruppe der 15 bis 34-Jährigen zu erreichen, bleibt also dasselbe wie in der Schweiz. Was wird/muss in Deutschland anders sein?
Wir werden vieles aus der Schweiz übernehmen können, aber andere Sachen, wie bespielsweise Inhalte adaptieren und lokal produzieren.
Haben Sie bereits profunde Kenner des deutschen TV-Marktes als Mitarbeiter gewinnen können?
Ja, wir werden die Personen zu gegebener Zeit kommunizieren.
In der Schweiz ist der Sender als Entdecker origineller Moderatoren aufgefallen. Wie und wo haben Sie Talente in Deutschland gefunden, die das Potenzial als Identifikationsfiguren haben? Bedienen Sie sich dabei beim Fundus von MTV – dem Sender, der sich in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet hat?
Nein, auf abgelegte Moderatoren werden wir wohl eher nicht zurückgreifen. Vielmehr wollen wir auch in Deutschland als Entdecker origineller Moderatoren auffallen.
Wird es zwischen Joiz in der Schweiz und Deutschland auch Kooperationen, gemeinsame Programmfenster geben? Schicken Sie Gülsha und Knackeboul als Schweizer Originale auch mal nach Berlin?
Natürlich werden wir Synergien suchen zwischen den beiden Sendern, aber im Moment ist es noch zu früh, darüber zu reden.
Welches sind Ihre grössten Konkurrenten in Deutschland?
Im Prinzip sind das alle Sender und Plattformen, die sich an eine junge Zielgruppe richten. Social TV ist aber in Deutschland noch nicht weit verbreitet, wir werden da sicher ein Alleinstellungsmerkmal haben.
Werden Sie selber auch umsiedeln oder setzen sie einen Geschäftsführer ein?
Nein, wir bleiben in der Schweiz und suchen eine Geschäftsleitung in Berlin.
In der Pressemitteilung steht zweimal, Sie hätten viel in der Schweiz gelernt, was Ihnen nun in Deutschland nützlich sein könne. Was haben Sie konkret gelernt?
Wir haben auf technischer, inhaltlicher und auch in Vermarktungssicht viel in den letzten Jahren gelernt. Zum Beispiel, wie wir unsere Formate transmedial erzählen – oder wie wir unsere Werbekunden über alle Vektoren einbinden können. Wir haben einen Red Button eingeführt, der bei Werbekunden extrem gut ankommt. Und nicht zuletzt bei der Technik, wo wir zu Beginn etwas Probleme hatten. Wir starten heute mit einer Vielzahl von Erfahrungswerten und einem wirklich tollen und eingespielten Team.
Interview: Benedict Neff, Adrian Schräder

