06.03.2013

Kino

"Wir haben den Schauspielern gesagt, dass wir kein Geld haben!"

Grosser Erfolg für den bekannten Ostschweizer Journalisten Stefan Millius. In wenigen Tagen kommt der Film "Himmelfahrtskommando" ins Kino, welcher auf einem Roman von Stefan Millius beruht. In den Hauptrollen sind Beat Schlatter, Andrea Zogg und Walter Andreas Müller zu sehen. Ungewöhnlich ist nicht nur die Story, ungewöhnlich ist auch die Finanzierung. Persoenlich.com hat sich mit Stefan Millius über "seinen" Film unterhalten.
Kino: "Wir haben den Schauspielern gesagt, dass wir kein Geld haben!"

Herr Millius, wie kommen Sie als Journalist dazu, einen eigenen Film unter dem Namen  “Himmelfahrtskommando” zu produzieren?
Ich habe neben der journalistischen Arbeit schon immer auch literarisch geschrieben. 2009 lernte ich den St.Galler Regisseur Dennis Ledergerber kennen, der auf der Suche nach einem Stoff für einen neuen Film war. Ich zeigte ihm mein Romanmanuskript zu "Himmelfahrtskommando“, und ihm gefiel die Geschichte. Das Drehbuch haben wir dann gemeinsam in Angriff genommen. Produzent ist Ledergerbers Visual Arts GmbH, die sonst vor allem Auftragsfilme realisiert. Dazu kommen diverse Co-Produzenten.

Der Film beruht auf einem Roman von Ihnen. Wie sind Sie bei der Umsetzung des Films vor sich gegangen? 
Ein Film nach einer literarischen Vorlage darf aus meiner Sicht nicht einfach ein abgefilmtes Buch sein. Man muss den Film als eigenständiges Medium behandeln. Der Grundriss des Drehbuchs stammt von Dennis Ledergerber. Das war wichtig, denn ich wäre vermutlich der Versuchung erlegen, das Buch originalgetreu wiederzugeben. Nun wird die Geschichte aber in einer ganz anderen Struktur erzählt, gewisse Handlungsstränge kommen im Film neu dazu. Ich habe auf dieser Basis die Szenen und Dialoge ausgearbeitet. Deshalb gibt es weiterhin eine grosse Nähe zwischen Buch und Film, was die Atmosphäre und den Humor angeht.

Der Film von Stefan Millius: "Einziges Lichtblicklein" unter den Schweizer Spielfilmen 2013, lobte SRF.

Wer spielt mit?
Walter Andreas Müller alias WAM, Beat Schlatter, Andrea Zogg und Laszlo Kish sind sicherlich die bekanntesten Namen. Isabelle Flachsmann hat sich unter anderem in Musicals einen Namen gemacht. Die Aufzählung ist natürlich nicht abschliessend. Ich bin mir sicher: Neben den prominenten Namen gibt es einige neue Gesichter, die sich mit "Himmelfahrtskommando“ für die Zukunft aufdrängen werden.

Wie sind Sie an diese Namen herangekommen? 
Wir haben diesen Leuten das Drehbuch geschickt, ihnen gesagt, dass wir sie unbedingt in dieser oder jener Rolle wollen – und dass wir kein Geld haben. Mit ganz wenigen Ausnahmen haben alle Angefragten positiv reagiert, weil ihnen die Story gefiel und sie auf diese Weise Filmförderung betreiben konnten. WAM, Schlatter und Zogg haben Hauptrollen und daher sehr viel Zeit in diesen Film gesteckt. Im Erfolgsfall sehen sie Geld, genau wie alle anderen Beteiligten – und sonst nicht.

Bekommen Sie staatliche Unterstützungsgelder?
Die Gesuche für Beiträge für die Arbeit am Drehbuch und den Dreh wurden von der Abteilung Film vom Bundesamt für Kultur abgelehnt. Es gab später einen bescheidenen Zustupf für die Postproduktion. Die Filmförderung ist ein Thema für sich, und ich denke, da wird sich bald sehr vieles ändern müssen, wenn der Schweizer Film wieder eine Bedeutung bekommen soll. Aber zuerst ist es nun an uns, den zuständigen Gremien zu zeigen, dass sie falsch lagen mit ihrer Beurteilung unseres Projekts.

Wie haben Sie Ihren Film finanziert?
Mit der Hilfe von Sponsoren und von privaten Gönnern. So haben wir um die 80‘000 Franken zusammengetragen. Wir wollten zeigen, dass man damit einen Film produzieren kann. Aber keine Frage, mit mehr Geld wäre es wesentlich entspannter gegangen.

Das Schweizer Fernsehen hat "Himmelfahrtskommando” in einer Vorschau als "einziges Lichtblicklein" unter den Schweizer Spielfilmen 2013 gelobt. Was macht ihn so sehenswert?
Natürlich müssen das in erster Linie die Zuschauer nach dem Kinostart sagen. Für mich sind es drei Dinge. Erstens haben wir eine Story, die trägt, wir setzen nicht einfach auf grosse Namen und Spezialeffekte. Zweitens haben wir trotz Minimalbudget keine Abstriche gemacht bei Kamera, Ton, Musik, Licht und so weiter – wir wollten Hollywood-Qualität. Und drittens werden wir das Publikum mit einem Genre-Mix überraschen, den man in der Schweiz doch eher selten sieht.

Wie bewerben Sie jetzt “Himmelfahrtskommando”?
Weitgehend ohne Geld, versteht sich. Wir setzen stark auf soziale Medien, unser Trailer auf Youtube beispielsweise wurde über 36‘000 Mal angeschaut. Dazu kommt eine aktive Medienarbeit. Jeder Schauspieler, jedes Crewmitglied ist zudem ein Multiplikator und schlägt die Werbetrommel in seinem Umfeld. Und dann hoffen wir auf einen fulminanten Auftakt, der von sich reden macht und für Mundpropaganda sorgt.

 

Werbung fast ohne Geld - Poster gibt es trotzdem.

Wann ist Premiere?

Die Welturaufführung findet am Donnerstag, 14. März im Kino Pathé Dietlikon vor über 500 geladenen Gästen statt. Danach folgen Vorpremieren in Chur, St.Gallen, Wil, Basel und Bern. Am 21. März startet der Film in voraussichtlich rund 30 Kinos in der ganzen Deutschschweiz.

Sie sind selber im Film zu sehen. Welche Rolle spielen Sie?
Als Bauführer und Mitglied des Gemeinderates gehöre ich dem titelgebenden Himmelfahrtskommando an. Ich muss klar sagen: Ich habe eine viel zu grosse Achtung vor dem Beruf des Schauspielers, um mich selbst als solchen zu bezeichnen. Ich bin ambitionierter Laie. Aber meine Aufgabe im Film besteht im Wesentlichen darin, unsympathisch zu wirken und Cigarillos zu rauchen. Beides habe ich mir zugetraut.

Interview: Matthias Ackeret, Bild: "Wiler Zeitung".

 


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