Herr Müller, der "Sonntag" wird sich dieses Wochenende in einem neuen Kleid präsentieren. Warum braucht das Blatt ein neues Erscheinungsbild?
Den "Sonntag" gibt es seit bald vier Jahren - weil er bei den Lesern von Anfang an gut ankam, haben wir nie etwas am Layout geändert. Doch vier Jahre sind in der Medienwelt eine lange Zeit: Es braucht nun eine Auffrischung.
Welche Schwächen hatte das bisherige Layout?
Zur Zeit der Lancierung war es modern, viele Farben und Linien einzusetzen. Hier haben wir entschlackt.
Wie würden Sie den neuen Stil am treffensten mit einem Satz beschreiben?
Eleganz und Power: Die Zeitung wird moderner und leichter - wir können aber bei wichtigen Storys gestalterisch viel Kraft reingeben.
Sie setzen verstärkt auf die Farbe blau und mehr Eleganz. Nicht mehr kommt die Farbe Gelb zum Einsatz. Warum dieser Bruch? Wirkt sie nicht so seriös und glaubwürdig?
Unser Logo ist dunkelblau - und diese Hausfarbe kommt nun öfter zum Einsatz. Die gelb-orangen Elemente im ersten Bund schienen uns nicht mehr modern zu sein.
Inwiefern wollen Sie das Image des "Sonntags" durch den Relaunch verändern?
Wir wollen unser heutiges Image stärken: Eine seriöse Zeitung, die unerschrocken auf kritische Recherchen setzt - und zugleich die schönen Seiten des Lebens pflegt.
Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, dass der neue "Sonntag" einen nicht ganz unverwechselbaren Charakter hat. Das neue Layout ähnelt nach einem gefühlten Vergleich etwas der "NZZ am Sonntag", dem "Tagi" oder "Bund". Ganz neu kann man ein Zeitungslayout natürlich nicht erfinden, aber haben Sie sich nicht ein bisschen von der Konkurrenz inspirieren lassen?
Warten Sie die erste Ausgabe ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man uns mit dem "Tagi" oder der "NZZ am Sonntag" verwechseln wird.
Die Form ändert sich. Auch der Inhalt?
Wir sind heute vor allem bekannt für eigenständige News, und das bleibt unser USP. Aber wir stärken den Hintergrund, der nun regelmässig seinen Platz im zweiten Bund findet. Zudem wird der fünfte Bund nun klar in Kultur einerseits und Lifestyle/Geniessen/Reisen andererseits unterteilt. Es ist der umfangreichste Bund.
Wie viel Spielraum hatten Sie eigentlich bei der Neugestaltung?
Unsere Art Direction mit Brigitte Gschwend und Marius Vogelmann hat sehr eigenständig und sehr schnell gearbeitet. Sie haben eine evolutionäre und eine eher revolutionäre Variante erarbeitet - wobei wir uns für die erste entschieden haben. Unterstützt hat uns der Pariser Gestalter Nata Rampazzo. Ein neues Layout muss bei den AZ Medien nicht - wie bei anderen Medienhäusern - durch unzählige Instanzen und Ausschüsse, wo jeder noch dies und jenes abändern will. Unser publizistischer Ausschuss hat das Layout nach konstruktiver Diskussion freigegeben.
Wo sehen Sie die Herausforderung an die Gestaltung einer Sonntagszeitung?
Wir müssen den Spagat schaffen zwischen populär und elitär: In gewissen Regionen sind wir ein Massenblatt, wo uns fast jeder zweite Haushalt liest - gleichzeitig wollen wir bei den Opinion Leaders Pflichtlektüre sein. Das ist inhaltlich und auch gestalterisch eine Herausforderung.
Laut den Wemf-Leserzahlen stagniert der "Sonntag". Besteht überhaupt noch eine Möglichkeit, um die Leserschaft zu vergrössern?
Der Sonntagsmarkt ist zuletzt insgesamt nicht mehr gewachsen. Ich glaube trotzdem, dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Ein Beispiel: Wir planen in Basel einen Ausbau und sind überzeugt, dass sich dort zusätzliche Leser gewinnen lassen.
Abschlussfrage: Im letzten Jahr bekamen Sie mit Martin Spieler (SonntagsZeitung) und Karsten Witzmann (SonntagsBlick) im Prinzip zwei neue Konkurrenten. Ist das Geschäft härter geworden?
Nein, es war schon vorher hart.
Interview: Christian Lüscher
Und so sieht der neue "Sonntag" aus:

Änderungen im Layout: Der "Sonntag" wirkt elegant und zeitgemäss. Vom orangen Logo hat sich Müller verabschiedet. Neu dominiert die Farbe Blau.



