Herr Huber, was genau hat man sich unter infotainweb.com vorzustellen?
Wir sehen uns als integrierten Anbieter von Video-Content. Auf der einen Seite produzieren wir Inhalte, auf der anderen Seite treten wir als Händler auf. Das eine Standbein ist dabei unser Netzwerk von Videojournalisten. Mit ihm wickeln wir Aufträge für Online-Portale und TV-Sender ab. Das zweite Standbein ist unsere Handelsplattform. Darauf können Lieferanten ihre Beiträge anbieten. Medienunternehmen können damit die Produktion ihrer Inhalte refinanzieren, indem sie ihre Inhalte anderen Sendern und Portalen aus dem deutschsprachigen Raum zur Verfügung stellen.
Sie sagen, dass Sie auch als Broker auftreten wollen. Steht Ihre Handelsplattform bereits?
Mit Sat.1 Bayern läuft bereits erfolgreich eine Testphase. Wir stehen derzeit auch mit Verlagen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland in Verhandlungen. Unser Ziel ist es, eine breite Abdeckung der Euro 08 zu erreichen. Wir besitzen zwar keine Rechte an den Spielen, aber die Verlage und Sender können ihre Beiträge rund um den Sportanlass bei uns weiterverkaufen. Wir wollen dabei nicht nur Online-Portale beliefern, sondern auch TV-Sender, darunter auch Nachrichtensender wie N24.
Und wer kommt als Anbieter der Inhalte in Frage?
Dies können zum einen Videojournalisten, Kameraleute, und Amateurfilmer sein. Zum anderen aber auch TV-Sender und Verlage, die daran sind, Redaktionen aufzubauen.
Wie wollen sie dabei Geld verdienen?
Die Anbieter und wir sind prozentual am Weiterverkauf beteiligt.
Infotainweb.com tritt auch als Anbieter auf. Wie viele Video-Beiträge produzieren Sie bereits?
Alles in allem kommen wir auf 50 bis 60 Beiträge im Monat -- in stark steigender Tendenz. Für den "Blick" produzieren wir momentan wöchentlich ein, zwei Beiträge, für Bild.de sind es in diesem Monat 20 Beiträge. Dazu kommen Aufträge von N24, dem Bayerischen Rundfunk, Focus Online und anderen Kunden.
Können Sie Beispiele nennen?
Für den "Blick" produzierten wir eine Reihe von Beiträgen über Stefanie Heinzmann, welche den Song Contest von Stefan Raab gewonnen hat. Bild Online gab uns den Auftrag, Daniel Kübelböck während der Sendung "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" zu begleiten. Zugleich sind wir daran, eine Reportage-Serie über Schweizer Fussballer zu drehen. Die Beiträge über Johann Vonlanthen und Christoph Spycher sind bereits im Kasten.
Wieviele VJs arbeiten derzeit für Sie?
Wir verfügen über ein Netzwerk von über 50 VJs im gesamten deutschsprachigen Raum, die als Freie für uns arbeiten. Wir streben dazu einen massiven Ausbau unseres Netzwerks aus. Weil die Nachfrage stark steigt, stellen wir nun aber auch eigene VJs ein.
Können sich also Schweizer Videojournalisten bei Ihnen melden?
Auf jeden Fall. Wir sind sehr interessiert an gut ausgebildeten Journalisten.
Gerade in der Schweiz fliessen die Werbegelder immer noch eher spärlich in die Online-Medien. Wie gross ist die Bereitschaft der Verlage, Geld für Videobeiträge auszugeben?
Wir bemerken, dass die Verlagshäuser die Budgets für ihre Online-Redaktionen stark erhöht haben. Es werden mittlerweile auch hausintern VJs eingestellt. Zugleich rufen immer mehr Online-Portale bei uns an, um Filmbeiträge zu bestellen. In der Schweiz geschieht dies noch nicht so ausgeprägt wie in Deutschland, wo mittlerweile ein ansehnlicher Teil des Werbebudgets ins Internet fliesst.
Wie können Sie gewährleisten, dass die Qualität der Videos stimmt?
Wir haben unsere freien Mitarbeiter sehr sorgfältig ausgewählt und trennen bereits seit einem halben Jahr die Spreu vom Weizen. Wer für uns arbeitet, hat bereits langjährige journalistische Erfahrung gesammelt und war bereits als Videojournalist für TV-Sender tätig. Natürlich aber können wir nicht immer ausschliessen, dass auch einmal etwas schief geht, angesichts des doch sehr grossen Netzwerks von VJs, auf das wir zurückgreifen. Das ist aber auch bei Kamera-Teams manchmal so, die Erfahrung habe ich als Fernsehjournalist auch gemacht.
Wie reagieren TV-Sender in der Schweiz auf Ihr Angebot?
Unterschiedlich. Oftmals spielt die Grösse des Senders eine Rolle. Nur grössere Regionalsender verfügen über das nötige Budget, um Inhalte einzukaufen. Und nur sie sind interessiert an internationalen Geschichten. Zugleich hängt das Interesse stark vom Thema des Contents ab. Für unsere Serie für die Schweizer Fussballer in Deutschland herrscht auf Seiten der Regionalsender reges Interesse.
Arbeiten Sie auch mit dem Schweizer Fernsehen zusammen?
Wir konnten kürzlich für die "Rundschau" einen Auftrag durchführen. Unsere Hauptkunden sind momentan aber die Online-Portale. Für den Bayerischen Rundfunk und N24 produzieren wir auch schon Beiträge. Wir gehen davon aus, dass unser Angebot auch für das Schweizer Fernsehen je länger je interessanter wird.
Schreibt infotainweb.com bereits schwarze Zahlen?
Wir sind ein Startup-Unternehmen, sind aber schneller als erwartet daran, selbsttragend zu werden -- weil der Markt derzeit so stark anzieht. Langfristig aber soll nicht die Eigenproduktion von VJ-Beiträgen die Cash Cow unserer Firma sein, sondern unsere Brokerage-Plattform.
(Interview: David Vonplon)

