06.01.2013

Joiz

"Wir sollen einfach drauflosschwatzen"

Vor der Kamera fühlt sie sich pudelwohl: Joiz-Moderatorin Gülsha Adilji jongliert in ihrer Sendung "Noiz" meisterlich mit heisser Luft und hat damit massgeblich dafür gesorgt, dass der crossmediale Jugendsender innert zwei Jahren eine breite Zuschauerschaft gefunden hat. Am 8. Februar wird ihr vom "Schweizer Journalist" der Preis für den Newcomer des Jahres 2012 verliehen. Und dabei behauptet die 27-Jährige, sie sei gar keine Journalistin und wisse auch nicht, wie die Jugend tickt. Zum Interview:
Joiz: "Wir sollen einfach drauflosschwatzen"

Gülsha Adilji, Sie sind kürzlich von den Lesern des “Schweizer Journalist” zum Newcomer des Jahres 2012 gewählt worden.

Ja, das stimmt. Was ich nicht weiss: Gibt es da eigentlich tatsächlich einen Preis? Kriegt man da eine Trophäe?

Ich bin nicht sicher. Was hätten Sie denn gerne für eine Trophäe?

Irgendein Stein wär gut. So ein grauer Klotz, auf dem man den Staub nicht so gut sieht. Sowas wie einen Swiss Music Award. Sowas wo die Leute mich dann fragen: "Gülsha, wo hast du bloss das Ding her? Aus dem Garten?"

Also so etwas wie ein Findling soll es sein.

Genau, ein Findling. Die Auszeichnung ist ja schliesslich auch so etwas wie ein Findling.

Ich finde fast täglich zu Joiz, obwohl ich doppelt so alt wie die Hauptzielgruppe bin. Ich bleibe immer wieder beim Zappen dort hängen.

Ach, dann sind Sie einer von den sieben Zuschauern, die wir haben!

Sie kokettieren. Haben Sie eine Erklärung, warum man bei Joiz, und speziell bei Ihrer Sendung "Noiz" hängen bleibt?

Ganz ehrlich: Ich bleibe jeweils auch bei Joiz hängen. Dabei sitz ich dann ja zuhause auf dem Sofa und will mit der Arbeit eigentlich gar nichts zu tun haben. Und dann schaue ich trotzdem: Was macht Alexandra da im "Living Room"? Wieso hat sie zum Beispiel das "Rockstar"-Magazin in der Hand? Und wieso ist das Gespräch mit diesem Künstler, der neben ihr sitzt so seltsam? Auch für mich ist das Programm ein mega Abenteuer. Es ist so unverfälscht. Wenn etwas abkackt, dann kriegst man’s voll mit.

Ich empfinde das Programm als sehr einladend. Man wird als Zuschauer direkt angesprochen und willkommen geheissen.

Ja, das ist auch das Konzept. Die Geschäftsleitung bläut uns das immer wieder ein. Da heisst es dann zum Beispiel: "Du hast moderiert in der letzten Sendung! Mach das nicht. Schwatz einfach drauflos." - Moderieren kann ich ja eh nicht.

Sie können also gut drauflos labern. Und sonst?

Äh... stricken kann ich gut. Ich stricke mir gerade einen Schal.

Okay, ich spezifiziere meine Frage: Was qualifiziert Sie zum Fernsehmachen?

Ich kann mega gut ich selber sein vor der Kamera. Und mir ist sehr wenig peinlich. Sachen einordnen kann ich auch ganz gut.

Dass Ihnen wenig peinlich ist, ist schön. Aber wieso muss man das den vor der Kamera ausleben?

Wieso nicht? Das ist doch das Schönste, wenn jemand nicht verklemmt ist und frei über Sachen reden kann. Man will ja nicht jemandem zuschauen, der rumstottert und verkrampft wirkt. Ich glaube, dass das wichtig ist, wenn man vor einer Kamera steht. Es ist nicht so, dass ich deswegen Fernsehen mache.


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