05.01.2011

"Wir verschenken doch nicht unsere Arbeit!"

Die gesamte Online-Ausgabe der "Schaffhauser Nachrichten" ist neu kostenpflichtig, auch Agenturmeldungen, wie Verleger Norbert Neiniger bestätigt. Das ist einmalig in der Schweizer Medienlandschaft. Ist damit das Eis gebrochen und "paid content" setzt sich auch bei den übrigen Verlagshäusern durch? "persoenlich.com" hat nachgefragt. Zur Umfrage:

Hanspeter Lebrument, Verleger Südostschweiz

Die Initiative der "Schaffhauser Nachrichten" ist sehr wichtig. Es wird sich zeigen, ob es heute überhaupt noch möglich ist, im Online-Bereich selbständig handeln zu können. Wegen Suchmaschinen wie Google ist es nicht einfach auf diesen Verbreiter der kostenlosen News zu verzichten. Wichtig wäre es, wenn weitere Zeitungen sich dem Versuch von Norbert Neininger anschliessen würden. Bei der "Südostschweiz" wird seit zehn Jahren weitgehend aber nicht vollständig für die Online-Nachrichten bezahlt. Wir haben mit der Einführung des Abonnements und der Bezahlung von Einzelnachrichten gute Erfahrung gemacht. Im Frühjahr wollen wir diesen Bezahlservice weiter ausbauen.

Peter Wälty, Chefredaktor Online Redaktion Tagesanzeiger

Die Einführung einer Kostenpflicht auf der herkömmlichen Website wurde für "tagesanzeiger.ch" von der Unternehmensleitung verworfen. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Entscheidung die richtige war. "tagesanzeiger.ch" ist ausserordentlich erfolgreich unterwegs, was Reichweiten- und Umsatzentwicklung anbelangt. Es wäre unklug, ein derartiges Geschäftsmodell gegen ein Experiment einzutauschen. Auf dem iPad werden wir diesen Versuch jedoch wagen. Das heisst, es wird noch im ersten Halbjahr 2011 eine kostenpflichtige App lanciert, welche die gesamten Print-Inhalte enthalten wird - plus ein paar Überraschungen.

Marc Walder, Geschäftsführer Ringier Schweiz

Ringier treibt die Monetarisierung von Inhalten im mobilen Internet konsequent voran, insbesondere auch das Upselling, also in-App-Purchasing. Im stationären Internet sehen wir keine Bezahlschranken vor.

Colette Gradwohl, Chefredaktorin Landbote

Auf "landbote.ch" sind bereits seit September 2010 alle Print-Artikel sowie das PDF-Archiv kostenpflichtig. Zugriff haben Print- und Online-Abonnentinnen und Abonnenten. Daneben besteht ein kostenloses Angebot mit SDA-Artikeln, Veranstaltungshinweisen und Texten der Web-Redaktion.

Die Strategie des "landboten.ch" besteht darin, journalistische Eigenleistungen, mit denen sich der "Landbote" von anderen Zeitungen unterscheidet, nur kostenpflichtig bereitzustellen. Damit bieten wir den Abonnentinnen und Abonnenten einen Mehrwert gegenüber den Nicht-Abonnenten: Sie können ihre Zeitung irgendwo auf dieser Welt auch online lesen, beispielsweise in den Ferien. Aus wirtschaftlicher und publizistischer Sicht ist es sinnvoll, diese "Filetstücke" - also lokale und regionale Artikel - kostenpflichtig anzubieten. "Allerweltsnachrichten", die ohnehin irgendwo im Web frei verfügbar sind, bleiben auch bei uns frei zugänglich.

Philipp Landmark, Chefredaktor St. Galler Tagblatt

Seit kurzem ist unser Online-Auftritt in die Aktivitäten und damit auch in die Strategie der "NZZ" bzw. des "NZZ"-Netzes eingebunden. Alle künftigen Schritte werden wir also koordiniert machen.

Grundsätzlich ist es notwendig, teuer beschaffte Informationen auf vernünftige Art zu refinanzieren. Deshalb haben wir vor eineinhalb Jahren bereits beschlossen, nicht mehr alle Inhalte gratis ins Netz zu stellen. Auf "tagblatt.ch" finden sich - immer noch zahlreiche - Artikel mit eher nachrichtlichem Charakter. Ein solcher Auftritt hat eine gewisse Teaser-Funktion und ist auch wichtig für das Branding. Stoffe wie Kommentare, Analysen, Hintergründe usw. bleiben in der Regel den zahlenden Kunden vorbehalten, die ein Zeitungs-Abonnement haben und damit auch Zugang zu unserem E-Paper im Netz haben (das auch separat abonniert werden kann). Künftige Anwendungen, insbesondere für Geräte wie das iPad, werden sicher kostenpflichtig sein.

Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien Neue Zürcher Zeitung

Ich freue mich, dass es jemand probiert. Gleiches Angebot mit Bezahlschranken funktioniert aber nicht. Das wäre schon fast verwegen. Auch glaube ich nicht, dass Bezahlschranken bei allgemein verfügbaren Neuigkeiten funktionieren. Bei Regionalnachrichten ist das aber durchaus möglich. Ein gemeinsamer Umstieg der gesamten Branche würde nicht funktionieren. Irgendjemanden gäbe es immer, der nicht mitzieht. Ich glaube aber an die Möglichkeit, die User umzugewöhnen. Die "NZZ" wird einen kostenpflichtigen Online-Bereich einführen. Wie sich die Branche entwickeln wird, kann ich nicht sagen. (Quelle: TagesAnzeiger.ch/Newsnetz)

Umfrage: Christine Schnyder


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