22.04.2026

Interact Media Group

«Wir wachsen nicht um des Wachstums willen»

Das Medienunternehmen hinter der Online-Plattform Nau.ch übernimmt die Regionalzeitungen von Christoph Blocher. Warum CEO Yves Kilchenmann an die Zukunft gedruckter Lokalblätter glaubt und wo er Synergien mit Nau.ch sieht.
Interact Media Group: «Wir wachsen nicht um des Wachstums willen»
«Wir denken in Relevanz und Verwurzelung»: Neo-Zeitungsverleger Yves Kilchenmann. (Bild: zVg/Interact Media Group)

Yves Kilchenmann, kürzlich sagte Ringier-CEO Marc Walder, Regionalmedien hätten in der Schweiz keine Zukunft. Warum sehen Sie das anders und übernehmen die Zeitungen von Christoph Blocher?
Vertrauen entsteht nicht über Nacht – es wird über Jahrzehnte aufgebaut. Genau das ist der unschlagbare Vorteil dieser Titel. In einer Zeit, in der Fehlinformationen zunehmen und das Vertrauen in überregionale Medien schwindet, gewinnt die Nähe zum lokalen Umfeld massiv an Bedeutung. Marc Walder denkt in Reichweiten und Skalierung – wir denken in Relevanz und Verwurzelung. Das sind zwei grundlegend verschiedene Geschäftsmodelle.

Mit welchen Mitteln konnten Sie diese grosse Akquisition stemmen?
Über die finanzielle Struktur der Transaktion haben wir Stillschweigen vereinbart.

Die Interact Media Group, ehemals Nau Media, hat mit der Wochenzeitung BernerBär bereits Print-Erfahrung gesammelt. Sind Sie so auf den Geschmack für mehr gekommen?
Der BärnerBär war für uns eine wertvolle Schule. Wir haben verstanden, wie Print-Communities funktionieren, was Leserinnen und Leser von einem lokalen Titel erwarten und wie man digitale und physische Distribution intelligent verbindet. Diese Erfahrung hat uns darin bestätigt: Medien, die über Jahrzehnte Vertrauen aufgebaut haben, sind keine Auslaufmodelle – sie sind ein Fundament auch für digitalen Erfolg.

Der Kern Ihres Unternehmens ist die Plattform Nau.ch. Welche Synergien wollen und können Sie zwischen Online und Print nutzen?
Wir haben in den letzten Jahren eine digitale Infrastruktur aufgebaut – von Content-Management über Ad-Tech bis hin zu Distribution –, von der die Printtitel sofort profitieren können. Umgekehrt bringen die Regiomedia-Titel etwas, das man nicht einfach bauen kann: jahrzehntelange Beziehungen zum lokalen Gewerbe und Leserschaft. Nau.ch wiederum kann durch diese Partnerschaft noch tiefer in die Schweizer Regionen wachsen und sich klarer als Schweizer Plattform positionieren – mehr Swissness, mehr Lokalität.

Die Titel der Swiss Regiomedia decken vor allem das östliche Mittelland und die Ostschweiz ab. Planen Sie, weitere Titel zu erwerben, um eine bessere Abdeckung zu erreichen?
Wir sind mit der bestehenden Abdeckung sehr zufrieden – das Portfolio der Swiss Regiomedia ist substanziell und bietet uns genug Entwicklungspotenzial für die nächsten Jahre. Grundsätzlich sind wir aber immer gesprächsbereit, wenn sich sinnvolle Möglichkeiten ergeben. Wachstum um des Wachstums willen ist nicht unser Ansatz.


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