25.05.2020

Radio SRF

«Wir wollen behalten, was sich bewährt hat»

Ab Montag bietet SRF mit «News Plus» einen neuen Newspodcast an. Er geht aus «Corona kompakt» hervor und soll jüngere Hörer ansprechen, solche unter 40 Jahren. Rolf Hieringer, der stellvertretende Chefredaktor von Radio SRF, erklärt exklusiv die Hintergründe.
Radio SRF: «Wir wollen behalten, was sich bewährt hat»
«Die Interaktion mit dem Publikum ist uns gerade so wichtig», so Rolf Hieringer, Bereichsleiter Digitales Angebot bei der Radioinformation und Stv. Chefredaktor Radio SRF. (Bild: SRF)
von Christian Beck

Herr Hieringer, Radio SRF startet am Montag mit dem Podcast «News Plus». Entstand die Idee aus dem seit März produzierten Format «Corona kompakt»?
Der Newspodcast war schon länger geplant, wir haben dann sehr kurzfristig entschieden, «Corona kompakt» als tägliches Podcast-Format zu produzieren. Weil es publizistisch nötig war, aber auch als Test für ein breiteres Newsformat. Wir wollten auch herausfinden, wie unser Publikum das Format aufnimmt.

Aus dem Test wird Realität. Verschwindet nun «Corona kompakt», wenn am Montag um circa 16 Uhr die erste Folge von «News Plus» hochgeladen ist?
Es ändert der Name, das Spektrum des Inhalts wird breiter, bisherige Abonnenten müssen keinen neuen Podcast abonnieren. Und klar: Das Thema Corona wird uns auch im Newspodcast weiter stark beschäftigen. Es kommen jetzt aber vermehrt auch Nicht-Corona-Themen zum Zug.

SRF_NewsPlus_Podcast

«Corona kompakt» wurde innert Kürze aus dem Boden gestampft. Wie erfolgreich ist das Format?
Sehr erfolgreich. Wir haben sehr gute Downloadzahlen und sehr gute Streamingzahlen auf den eigenen SRF-Plattformen. In der «Hitparade» bei Apples Podcast-App waren wir in der Schweiz in den letzten Wochen ständig unter den ersten drei. Für uns aber viel wesentlicher ist die gelungene Interaktion mit dem Publikum, mit der Community. Dieser Austausch ist bemerkenswert: Wir hatten Hunderte von Anfragen, Anregungen, Hinweise von Hörerinnen und Hörern. Wir haben versucht, diese im Podcast aufzunehmen, von Spezialistinnen oder von Fachredaktoren beantworten zu lassen. Aber diese Flut hat uns an Grenzen gebracht, wir haben uns vorgenommen, auf jede Anfrage zu antworten. Dazu mussten wir das Team tatsächlich kurzfristig aufstocken.

«Man bekommt inhaltlich mehr geboten»

Nun haben Sie «Corona kompakt» weiterentwickelt. Was kann «News Plus» besser als sein Geburtshelfer?
Wir wollen behalten, was sich bewährt hat. Die Interaktion mit dem Publikum zum Beispiel, auch wenn dies bei allgemeineren Newsthemen schwieriger sein dürfte. Aber wir öffnen den Themenfächer, und das ist mittelfristig gut und richtig so. Man bekommt inhaltlich mehr geboten.

Ich könnte ja einfach am Abend im Radio die Tageszusammenfassung hören …
Eine Nachrichten-Tageszusammenfassung wollen wir bewusst nicht bieten. Dafür gibt es mit Apps und Push-Meldungen oder mit den linearen Radionachrichtenbulletins genügend Angebote. Wir wollen hingegen gezielt einzelne Themen des Tages einordnen, entwirren, verständlich erzählen. Das Publikum soll einen Mehrwert zu den News erhalten, also auch kein Ersatz sein für «Info3» oder das «Echo der Zeit».

Wie lange soll eine Folge dauern?
Wir versuchen uns dem Alltagsleben des Publikums anzupassen. Wir gehen davon aus, dass Podcasts in Kombination mit einer Alltagshandlung genutzt werden, also zum Sport, zum Kochen, zum Pendeln. Ein zu kurzes Format zwingt dazu, schneller einen neuen Podcast suchen zu müssen. Darum haben wir uns für eine Richtgrösse von 15 Minuten entschieden. Je nach Gehalt der Themen kann es auch länger oder kürzer sein.

Und jeden Werktag soll es eine neue Folge geben. Warum nicht auch an den Wochenenden? Da hätten die Hörer Zeit.
Wir starten jetzt mal mit fünf Ausgaben in der Woche, vielleicht merken wir, dass der Bedarf am Wochenende da ist. Und natürlich ist es auch eine Ressourcenfrage. Und am Wochenende kann man andere tolle Podcasts aus unserer Küche hören: «Einfach Politik», «Zeitblende», «International», «Hotspot»-Serien wie «Genderfalle», «Meine Datenspur», «Die raffinierte Lüge» und so weiter …

«Wir wollen ein anderes Publikum bedienen»

Welches Zielpublikum haben Sie mit «News Plus» im Visier?
Wir wollen ein anderes Publikum bedienen als die klassischen Informationssendungen. Jünger, unter 40, mobil. Leute, die sich für Politik und Wirtschaft grundsätzlich interessieren, aber anders informiert werden wollen. Für sie berücksichtigen die bestehenden Angebote ihre Erwartung an Informationsvermittlung zu wenig, zu kompliziert, zu dicht, setzt zu viel Vorwissen voraus, hat die falsche Ansprache. Dies versuchen wir im Themensetting, in Form und Ansprache zu berücksichtigen.

Sie haben mit dem Team in den letzten Tagen mittels Workshops an der Weiterentwicklung gearbeitet. Welches war die grösste Knacknuss?
Die Gratwanderung zwischen Lockerheit, die ein Podcastpublikum erwartet, und einer gewissen Seriosität, wie man sie von SRF erwartet. Und dass wir innerhalb einiger Tage einen Prozess durchlaufen und uns mit Partnern aus verschiedenen SRF-Abteilungen absprechen mussten, was sonst Wochen oder Monate dauern kann.

Fanden die Workshops aus dem Homeoffice statt?
Ja. Und es ging gut. Wir haben mit «Corona kompakt» gewisse Erfahrungen, die Episoden wurden im Homeoffice produziert und aufgenommen, unter der Decke aus akustischen Gründen. Auch die Konzeptarbeit zu «Corona kompakt» fand bereits im Homeoffice statt.

Wer wird den Newspodcast produzieren? Ein bestehendes Team – oder gibt es dafür gar neue Stellen?
Wir haben ein kleines Team zusammen, neue Stellen gibt es keine, wir lagern um aus dem linearen Bereich.

«Vielleicht ändert sich das Gesicht des Radios»

SRF produziert immer mehr Podcasts. Braucht es irgendwann das lineare Radio nicht mehr?
Lineares Radio wird es noch lange geben und wird für uns enorm wichtig bleiben. Vielleicht ändert sich das Gesicht des Radios, wird noch mehr zum Begleitmedium. Aber Radio wird noch lange ein sehr breites Publikum finden.

Haben Sie jeweils Ansprüche an die Zugriffszahlen – oder anders gefragt: Wann ist ein Podcast erfolgreich?
Es braucht sicher eine gewisse Anzahl an Downloads oder Streamingaufrufen, diese kann man messen, wenn sie auch beschränkt aussagekräftig sind. Aber die Interaktion mit dem Publikum ist uns gerade so wichtig. Wenn wir den Austausch, wie wir ihn jetzt mit «Corona kompakt» haben, beibehalten können, sind wir sehr zufrieden.

Zu Ihrem Newskonsum: Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?
Querbeet – mein Twitterfeed ist das Sprungbrett. Von da aus bekomme ich die für mich wichtigen Angebote, da ist alles Mögliche dabei, Artikel, Beiträge von allen möglichen Medien, einige spezielle Sportseiten oder Trumps-Tweets. Ich höre natürlich unsere Radioinformationssendungen und vor allem SRF 4 News, oft zeitversetzt, und dann natürlich Podcasts. Abonniert habe ich noch unsere Lokalzeitung, sonst alles digital.



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