Herr Trevisan, wie wird das Blatt heissen, das ich am 17. März 2002 erstmals aus meinem Briefkasten ziehen werde?
NZZ am Sonntag. Wir haben uns entschieden, den bisherigen Arbeitstitel zum Programm zu machen. Damit stellen wir von Beginn an den Bezug zur Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung her.
Und was erwartet mich optisch?
Zeigen kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts. Wir sind noch immer im Arbeitsprozess, wobei das Grund-Layout steht. Nur soviel: Die NZZ am Sonntag wird ein eigenständiges Layout haben, das von dem der NZZ unabhängig ist. Entwickelt wurde es von Simon Esterson und Mark Porter von der englischen Agentur Esterson Lackersteen. Wir hatten im Vorfeld mehrere Agenturen geladen für Esterson und Porter haben wir uns schliesslich auf Grund einer von ihnen präsentierten Variante entschieden. Ganz wichtig wird es sein, Werte der NZZ wie Glaubwürdigkeit und Kompetenz mit dem Sonntagsbedürfnis unserer Leser zu verbinden. Das Layout wird denn auch nicht boulevardesk sein, aber dennoch die Bedürfnisse nach mehr Leichtigkeit, mehr Farbe abdecken. Die NZZ am Sonntag wird keine farbige Zeitung sein, sie wird aber dort, wo Farbe Sinn macht, diese auch nutzen sei dies mit Fotos oder Grafiken. So gesprochen wird die NZZ am Sonntag sicherlich anmutiger als die NZZ daherkommen.
Wie wird die Blattstruktur aussehen?
Die NZZ am Sonntag wird eine Achtbund-Zeitung. Der erste Bund wird unter dem Begriff "Aktualität" segeln, und Polit-News aus In- und Ausland beinhalten. Der zweite Bund wird Hintergründe und Meinungsartikel zum aktuellen Geschehen liefern, und das nicht bloss monothematisch. Der dritter Bund wird sich um das Thema Sport drehen, und zwar in sehr ausführlicher und breiter Form. Der Wirtschaftsbund wird sehr viel Gewicht auf Unternehmen und Akteure der Wirtschaft legen. Ein weiterer Bund wird sich des Themas Geld annehmen. Dort hinein fallen zum Beispiel Anlageinformationen, aber auch Konsumthemen. Weitere Bunde sind den Themen Kultur und Wissen gewidmet. Ein Gesellschaftsbund schliesst die NZZ am Sonntag ab. Wobei ich aber ganz klar sagen muss, dass diese Titel erst Arbeitstitel sind. Die definitiven Bezeichnungen stehen noch nicht fest.
Wie werden die Ressorts verteilt sein?
Redaktionsleiter der NZZ am Sonntag wird Felix E. Müller, wie ja bereits bekannt ist. Er wird von den jeweiligen Ressortleitern unterstützt: Markus Spillmann Ausland, René Zeller - Inland, Martin A. Senn - Hintergrund, Elmar Wagner - in Zusammenarbeit mit Felix Reidhaar - Sport, Beat Gygi - Wirtschaft, Fritz Pfiffner - Geld, Manfred Papst - Kultur, Kathrin Meier-Rust - Wissen, sowie Johannes Mannes - Gesellschaft.
Wie wird die Markteinführung geschehen?
Alle Abonnenten der NZZ werden die NZZ am Sonntag bis Ende 2002 gratis zugestellt bekommen. Ab 2003 wird der Sonntagstitel dann in Rechnung gestellt, wobei wir einen Kombi-Rabatt anbieten werden. Die Abonnenten von Bund und St. Galler Tagblatt erhalten die NZZ am Sonntag ab dem 17. März zum halben Abopreis. Geplant sind zudem eine Direktmail-Kampagne sowie intensives Telefonmarketing. Natürlich wird die Einführung von einer Werbekampagne begleitet, die von Publicis gestaltet wird und die NZZ am Sonntag eigenständig positionieren soll.
Und wie wird der Vertrieb aussehen?
Wichtigster Vertriebskanal wird sicher das Abonnement sein. Im Bereich der Hauszustellung arbeiten wir mit der SonntagsZeitung zusammen. Bis zur Lancierung beabsichtigen wir, das Zustellnetz am Sonntag weiter auszubauen, so dass alle Abonnenten, welche die NZZ mit Frühzustellung erhalten, diese auch am Sonntag geliefert bekommen. Die NZZ am Sonntag wird es auch an allen Kiosken und Tankstellen zu kaufen geben, die am Sonntag geöffnet sind, sowie an alternativen Verkaufsstellen wie z.B. Bäckereien. An Orten mit fehlenden Verkaufsstellen setzen wir auf Automaten. Diese Verteilung haben wir an Ringier übertragen, das die rund 700 Automaten betreiben wird.
Wie wird sich die Leserschaft Ihrer Meinung nach zusammensetzen?
Wir rechnen für die NZZ am Sonntag mit einer Auflage, die mindestens der NZZ-Inlandauflage entspricht also rund 150'000 Exemplare. Dabei gehen wir davon aus, dass die NZZ am Sonntag mehr Leser pro Exemplar haben wird als die NZZ. Die erhöhte Reichweite glauben wir dadurch zu erreichen, dass die NZZ am Sonntag hauptsächlich zu Hause gelesen wird, wo es vermehrt Zweit- und Drittleser gibt. Aus diesem Grund wird die Leserschaft der NZZ am Sonntag vermehrt weiblich, aber auch jünger sein als die der NZZ. Erstaunlicherweise ergibt die Marktforschung, dass voraussichtlich mehr Führungskräfte die NZZ am Sonntag lesen werden als die NZZ selber. Der weiteste Leserkreis der NZZ erreicht zwar 80 Prozent der Schweizer Führungskräfte. Ausserhalb des Grossraums Zürich wird die NZZ aber häufig ergänzend zu einer Regionalzeitung unregelmässig gelesen. Am Sonntag fällt diese Regionalzeitung aber weg, was zu einer regelmässigeren Nutzung führt und der NZZ am Sonntag einen vielen höheren LpA-Wert bescheren wird. Übrigens gehen wir davon aus, dass die Leserschaft der NZZ am Sonntag mittelfristig zu zwei Drittel NICHT identisch mit der der NZZ sein wird. Und zwar ab dem Moment, wo wir die Gratis-Abos in bezahlte Abos umwandeln werden.
Wo wollen Sie die Leser abholen? Der Sonntags-Markt ist eh schon eng.
Wir rechnen mit einer gewissen Marktausweitung. Die NZZ am Sonntag wird ein Segment ansprechen, dass bis jetzt noch keinen adäquaten Titel gefunden hat. Wir gehen davon aus, dass eine Zeitung, die unsere publizistischen Grundsätze erfüllt, eine Zielgruppe erreicht, die unsere Konkurrenz so nicht erreichen kann. Gut einen Drittel unser Leser werden wir durch diese Marktausweitung gewinnen, knapp zwei Drittel werden Doppelleser sein oder aber durch Verdrängung generiert werden. Wobei ich glaube, dass der SonntagsBlick weniger als andere Titel im Markt beeinträchtigt wird (lacht).
Wie werden sich die Inseratepreise gestalten?
Für die NZZ am Sonntag werden die identischen Preise gelten wie für die NZZ. Ein Novum am Markt wird sein, dass ein gemeinsamer Abschluss möglich sein wird.
In einem Interview mit "personelich.com" haben Sie angetönt, sich mit profilierten Artikeln zum jeweiligen Geschehen von den anderen Titeln im Sonntagsmarkt abheben zu wollen. Wie soll das nun genau aussehen?
Unser Haus sieht sich grundsätzlich dem Qualitätsjournalismus gegenüber verpflichtet. Aus publizistischer Optik fehlt in der Schweiz eine Sonntagszeitung von hoher Qualität. Und diese Lücke wollen wir schliessen. Die NZZ-Leserschaft liest generell sehr viel und auch Sonntagstitel. Und wir wollen eine Sonntagszeitung anbieten, die zumindest einem Teil der NZZ-Leser nützt. Unser Konzept beruht auf Glaubwürdigkeit, auf hoher Kompetenz, auf vertieften Recherchen. Und dies alles verbunden mit Unterhaltung, für die der Sonntag nun einmal steht. Unter Unterhaltung verstehen wir aber ganz klar nicht etwa Boulevard, sondern Reportagen, Interviews, leichtere Themen - dies alles mit hohem publizistischem Anspruch. Ein Vorteil für die NZZ am Sonntag ist sicherlich, dass sie auf das grosse Korrespondentennetz der NZZ zurückgreifen kann. Damit hat die NZZ am Sonntag eine sehr gute Ressource, um fundierte Berichte generieren zu können.
Wie wird der Internet-Auftritt der NZZ am Sonntag aussehen?
Wir haben uns entschieden, die NZZ am Sonntag bei NZZ online einzugliedern. Mit NZZ Online besteht bereits eine eigenständige Redaktion, die neben den von der NZZ übernommenen Artikel auch eigenen Leistungen erbringt. Zukünftig wird man unter www.nzz.online auch Inhalte von der NZZ am Sonntag finden www.nzz.online wird somit zu einer Online-Plattform, die alle sieben Tage der Woche abdeckt.


