14.01.2019

Junge machen Medien

«Wir wollen nicht in Schönheit untergehen»

Teenies arbeiten als Journalisten: Am Montag startet das Projekt YouNews in eine zweite Runde. Es soll dazu beitragen, dass die junge Generation Journalismus schätzen lernt, so Mit-Initiantin Viviane Manz. Sie spricht zudem über Guerilla-Taktik, Games und den Wert des Gemeinsamen.
Junge machen Medien: «Wir wollen nicht in Schönheit untergehen»
Amtet als stellvertretende Leiterin in der Auslandredaktion TV von SRF, früher war sie Produzentin (oder Tagesverantwortliche) bei der «Tagesschau»: Viviane Manz. Vor zwei Jahren hatte sie zusammen mit Michael Marti, Mitglied der Chefredaktion Tamedia, das Projekt YouNews ins Leben gerufen. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Frau Manz, was ist Ihre persönliche Motivation, sich – neben ihrem Job bei SRF – so stark bei YouNews zu engagieren?
Ich kann für die meisten Beteiligten sprechen, dass es eine durchaus idealistische Initiative ist. Wir glauben an den Journalismus, wir sind überzeugt, dass Medien eine wichtige Aufgabe in einer demokratischen Gesellschaft wahrnehmen, die es auch in Zukunft braucht. Die grosse Frage ist, in welcher Form. Für uns ist YouNews ein Labor. Wir wollen im derzeitigen Umbruch in der Medienwelt nicht in Schönheit untergehen, sondern neue Wege suchen und finden.

Was heisst das?
Zentral an YouNews ist: Wir wollen von den Jugendlichen so viel lernen, wie sie von uns, und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Dies ist uns wichtig. Will heissen: Wir belehren die Jugendlichen nicht, sondern sind Partner, die im Austausch voneinander lernen.

«Wir funktionieren bis heute mit einer Art Guerilla-Taktik»

Was haben Journalisten davon, wenn sie sich bei YouNews engagieren?
Wir haben alle kaum freie Ressourcen in den Redaktionen. Aber indem viele Redaktionen mit einem kleinen Beitrag in der Jugendmedienwoche mitmachen, wird aus einzelnen Fäden ein zugkräftiges Seil. Die Jugendlichen, die bei uns waren, erzählen ihre Erfahrungen weiter. Wir zeigen ihre Werke im Fernsehen, Online, im Radio und in der Zeitung und regen damit auch ihre Eltern, Grosseltern, Lehrerinnen und Lehrer und überhaupt die Gesellschaft an, über die Rolle der Medien nachzudenken. Gemeinsam gelingt es uns, das Thema Medienbildung zu setzen.

Und sonst?
Nicht zuletzt macht es uns riesigen Spass, mit den Jugendlichen zu arbeiten. Wir sind immer noch begeistert von ihren Fragen, ihrem Ehrgeiz und Einsatz. Wir haben von ihnen gelernt, dass sie sich mehr Humor und weniger Fremdwörter in der «Tagesschau» wünschen, und dass sie auch die ganz grossen Fragen beschäftigen. Mit einer Gruppe, die bei uns in der «Tagesschau» war, haben wir bis heute Kontakt.

Wie hat sich die Initiative seit der Gründung vor zwei Jahren entwickelt?
Wir sind gestartet nach dem Motto «gesagt – getan», über persönliche Kontakte unter Journalisten, die spontan sagten, sie sind auch dabei. Wir funktionieren bis heute mit einer Art Guerilla-Taktik in dem Sinne, dass wir aus weitgehend selbständigen kleinen Einheiten bestehen. Jedes Medium entscheidet selber, was es in der Jugendmedienwoche bietet und organisiert das. Begonnen haben Michael Marti von der Redaktion Tamedia und ich mit den Kollegen von Watson, SRF3, Radio Argovia, dem MAZ und SRF junge Zielgruppen. Inzwischen sind neue Medien wie etwa «Blick» und NZZ dazugekommen, wir haben die Öffentlichkeitsarbeit und den Austausch mit dem Lehrerverband etwas intensiviert und versuchen, das Ganze auf stabilere Füsse zu stellen. 

«Man lernt nette Kollegen aus der Branche kennen»

Auch der Verband Schweizer Medien ist aufgesprungen, wie Pietro Supino vor Weihnachten gegenüber persoenlich.com ankündigte. Was heisst diese Zusammenarbeit konkret?
Der Verband möchte uns administrative Unterstützung bieten in Form einer Teilzeitstelle. Es geht um organisatorische Dinge, auch um Unterstützung beim Sammeln der verschiedenen Projekte. Da wir alle quasi nebenbei YouNews organisieren, neben unserem eigentlichen Job, ist das für uns ein wertvoller Beitrag – weil inzwischen auch einige weitere Medien dazugekommen sind.

Was fordert der VSM im Gegenzug von der Initiative?
Es gibt keine Anforderungen. Es ist ausdrücklich abgemacht und gewünscht, dass YouNews so weiterlaufen soll wie bisher und unabhängig bleibt. Michael Marti und ich werden weiter die Fäden zusammenhalten. Zudem treffen wir, also die beteiligten Journalisten, uns zweimal im Jahr, um Verbesserungen und die Weiterentwicklung von YouNews zu diskutieren. Das ist übrigens ein sympathischer Nebeneffekt von YouNews: Man lernt nette Kollegen aus der Branche kennen, und ein medienübergreifendes Netzwerk kann ja nie schaden.

Wird die ursprünglich sehr unkomplizierte Abwicklung auch weiterhin möglich sein, oder verstärken sich Aufwand und «Bürokratie» mit immer mehr Involvierten?
Ich hoffe nicht! Sicher gibt es etwas mehr zu tun, beim Sammeln und Abgleichen der Projekte, aber da hilft uns ja hoffentlich die neue Unterstützung.

Nächste Woche startet YouNews 2019. Wie waren die Resonanz und das Interesse der Jugendlichen im Vorfeld?
Wir hatten dieses Jahr zunächst weniger Anmeldungen als bei der ersten Jugendmedienwoche. Der Grund könnte sein, dass wir etwas verändert haben zum Vorjahr, nämlich eine etwas ältere Zielgruppe angesprochen. Ausserdem haben wir den Anmeldezeitraum verschoben. Dabei haben wir gelernt, dass viele Oberstufenlehrer die Medien in der zweiten oder dritten Sekundarklasse thematisieren und dass sie mehr Zeit brauchen für die Anmeldung. Wir haben das dann noch angepasst. Für nächstes Jahr will der Lehrerverband, der die Initiative sehr unterstützt, auch noch mehr über seine Kanäle auf das Angebot aufmerksam machen.

Was erwartet uns: Können Sie zwei, drei Highlights nennen?
Ich bin sehr gespannt auf die «Arena» vom Freitag 18. Januar. Sie wird von Jugendlichen moderiert werden, die Politiker zum Wahljahr befragen. Das ist für mich ein perfektes Symbol für YouNews und die Rolle der Medien in der Demokratie: Die Arena als Marktplatz der Meinungen, wo man sich vor einer Abstimmung in einer guten Stunde einen Überblick über die Argumente pro und contra machen kann. Was übrigens viele junge Erwachsene auch tun. Beim «Blick» geht eine Klasse der Frage nach: Wer macht die News? Die Rollen der Online-Redaktoren übernehmen die Jugendlichen bei «Tages-Anzeiger»/«SonntagsZeitung». Sie produzieren Videos, schreiben Texte und übernehmen den Instagram-Account. Ausserdem lernen sie wichtige Elemente des journalistischen Handwerks kennen. Und bei Radio Argovia und Radio SRF 3 machen Jugendliche selber Radio. Persönlich freue mich auch auf unsere Gruppe bei der «Tagesschau» – sie haben selber zwei Beiträge zum Thema «Gamen» recherchiert, eigene Studien durchgeführt und ziemlich ehrgeizige Pläne bei der Umsetzung, sagt mir die begleitende Redaktorin… Vieles wird auch auf Social Media unter #younews2019 zu finden sein.

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Wie werden Sie selber engagiert sein nächste Woche?
Ich werde drei Klassen bei einer Führung begleiten. Dazu gibt es immer wieder Koordinationsfragen oder ungeplante Anfragen wie dieses Interview. Die Hauptarbeit liegt nun aber bei den einzelnen Redaktionen, bei den Kolleginnen und Kollegen, die die Jugendlichen betreuen, und bei vielen mehr, die sich für die Jugendmedienwoche engagieren: etwa die Moderatorinnen, die in der Mittagspause über ihre Arbeit erzählen, die Faktenchecker, die eine Fake-News-Präsentation machen. Nur dank dem Einsatz von vielen ist die Jugendmedienwoche möglich.





Viviane Manz hat die Fragen schriftlich beantwortet.


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Auch persoenlich.com erhält diese Woche Unterstützung: Lara Hafner und Fabiana Merz Enriquez werden in Zusammenhang mit YouNews bei uns auf der Redaktion mitwirken. Unter anderem werden sie beim Schweizer Radio und Fernsehen das «Arena»-Moderationsteam bei den Vorbereitungen besuchen und auf unserem Online-Portal darüber berichten.

 

 



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