01.02.2024

Radio Südostschweiz

«Wir wollen zeigen, wie gross die Unterstützung ist»

Der Bündner Marktforscher Matthias Kappeler sammelt Unterschriften gegen den Konzessionsentscheid zugunsten von Radio Alpin. Was ihn antreibt, im Interview.
Radio Südostschweiz: «Wir wollen zeigen, wie gross die Unterstützung ist»
«Wir wollen zeigen, wie gross die Unterstützung in der Bevölkerung für Radio Südostschweiz ist», so Matthias Kappeler. (Bilder: Keystone/Gian Ehrenzeller, zVg)

Matthias Kappeler, warum haben Sie eine Petition gegen die Vergabe einer Konzession an Roger Schawinski und sein Radio Alpin lanciert (persoenlich.com berichtete)?
Ich war überrascht vom Entscheid, weil ich wie viele hier in der Region davon ausging, dass Radio Südostschweiz die Konzession behalten kann. Ich habe die Petition darum nicht gegen Radio Alpin oder gegen Roger Schawinski ergriffen – vielmehr ist es mir wichtig, dass ein gutes Radio hier im Kanton wie bis anhin weitermachen kann.

Warum soll Radio Alpin keine Konzession erhalten?
Mich stört, dass ein 78-jähriger Zürcher und ein 75-jähriger Bündner die Konzession erhalten haben. Das sieht nicht nach Aufbruch aus. Es wäre etwas anderes, wenn Radio Alpin mit einem jungen Gesicht und einer frischen Mannschaft angetreten wäre. Ausserdem finde ich es störend, wenn jemand aus Zürich einen Sender in Graubünden aufziehen will. Klar hat auch Stefan Bühler das Gesuch unterschrieben. Aber das Gesicht ist Schawinski.

Sie selbst sind auch Zürcher. Welchen Bezug haben Sie zu Graubünden?
Ja, ich bin Zürcher, aber zum Teil im Schanfigg aufgewachsen. Ausserdem wohne ich seit 2012 in Arosa und bin inzwischen stark mit der Region verbunden.

Tatsache ist aber, und darauf fusst auch der Konzessionsentscheid, dass Roger Schawinski mit seinem Radio Alpin zu einer grösseren Medienvielfalt beitragen kann.
Mit dieser Sichtweise, wonach Somedia ein Monopolist sei, bin ich nur sehr bedingt einverstanden. Mit dem Regionaljournal von SRF und RTR gibt es eine Radiovielfalt in der Region.

«Somedia produziert keinen Einheitsbrei»

Somedia hat eine dominierende Stellung.
Aber selbst die Medien der Somedia-Familie pflegen eine grosse Breite. Die produzieren keinen Einheitsbrei.

Ihre Petition wird erfahrungsgemäss den Entscheid des Bakom nicht umstossen. Warum nehmen Sie den Aufwand trotzdem auf sich?
Wir wollen zeigen, wie gross die Unterstützung in der Bevölkerung für den bisherigen Konzessionsinhaber Radio Südostschweiz ist. Wenn wir eine fünfstellige Zahl an Unterschriften zusammenbringen, was ich anstrebe, dann nimmt dies auch das Bakom oder das Bundesverwaltungsgericht zur Kenntnis.

Welche Reaktionen hatten Sie am ersten Sammeltag?
Was ich oft gehört habe, ist, dass die Leute Radio Südostschweiz vertrauen und deshalb unterschreiben. Ich höre selbst auch immer wieder Radio Südostschweiz und halte den Sender für vertrauenswürdig. Viele Leute haben auch unterschrieben, weil sie gegenüber Roger Schawinski negativ eingestellt sind.

Wie hat Somedia auf die Petition reagiert?
Ich habe natürlich zuerst einmal mit Somedia Kontakt aufgenommen, um zu sehen, ob sie an einer solchen Unterstützung überhaupt interessiert sind oder ob sie sich schon mit dem negativen Entscheid abgefunden haben. Aber ich bin mit offenen Armen empfangen worden. Man merkt den Mitarbeitenden an, dass sie Freude haben, wenn wir da was machen für sie.

«Wir sagen ganz klar, wir sind nicht von Somedia»

Spannen Sie für die Petition mit Somedia zusammen?
Nein, das machen wir nicht. Wir sagen ganz klar: Wir sind nicht von Somedia, sondern das Komitee «RSO ds Radio vu do blibt do». Wir halten das getrennt, die Message ist stärker. Aber Somedia unterstützt uns. Heute waren sie mit einem Kamerateam vor Ort bei unserer ersten Sammelaktion. Sie helfen uns auch mit Bewilligungen für weitere Standorte.

Ihr Komitee zählt schon einige Lokalprominenz, HCD-Geschäftsführer Marc Gianola ist dabei wie auch der bekannte Sportarzt Beat Villiger. Wie kamen Sie zu diesen Namen?
Ich habe zuerst im Freundes- und Bekanntenkreis herumgefragt und mir überlegt, welche Leute eine gewisse Bekanntheit haben. Zudem sollten es Figuren sein, denen man vertraut.

Aus der Politik ist erst ein SP-Grossrat dabei. Wird das Komitee politisch noch breiter?
Davon gehe ich aus. Wobei Politikerinnen und Politiker eher zurückhaltend sind. Aus Gesprächen weiss sich aber, dass da noch weitere Namen aus anderen Parteien dazukommen werden.


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