Letzte Woche berichtete persoenlich.com über den Stellenabbau in der "Zambo"-Redaktion. Jetzt nimmt Andrea Hemmi, Leiterin Unternehmenskommunikation beim SRF, zum geplanten Abbau von zehn Redaktionsmitgliedern Stellung.
Frau Hemmi, erst vor kurzem wurde die "Zambo"-Redaktion aufgestockt, jetzt wird im grossen Stil umgemodelt und abgebaut. Was ist der Grund?
Andrea Hemmi: Die Neuausrichtung und der damit verbundene Stellenabbau erfolgen nach gründlicher Analyse der Publikumsbedürfnisse sowie der Kosteneffizienz. Das bisherige TV-Angebot von "Zambo" wurde unter den ursprünglichen Erwartungen genutzt: Nur eines von zehn Kindern zwischen 6 und 13 Jahren hat "Zambo" auf SF zwei geschaut.
Hat man den Inhalten da nicht zu wenig Zeit gegeben sich im Programm zu behaupten?
"Zambo" besteht am TV seit August 2010 aus einer vierstündigen Sendefläche (zwei Stunden Erstausstrahlungen, zwei Stunden Wiederholungen) und richtet sich an Kinder von 6 bis 13 Jahren. In den letzten 15 Monaten zeigte sich, dass dieses Alterssegment zu breit gefächert ist. Zudem ist "Zambo" wegen Live-Sport auf SF zwei oft von Ausfällen und Verschiebungen betroffen. Daher erhält "Zambo" ab 29. Februar 2012 am TV ein klareres Profil mit Fokussierung auf die Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen und einen verlässlichen Sendetermin auf SF 1.
Wie kommt die aufwändige produzierte Serie "Best Friends" beim Publikum an? Wird an ihr festgehalten?
"Best Friends" verzeichnet bei den 9- bis 13-jährigen Fernsehzuschauerinnen und -zuschauern einen Marktanteil von 17 Prozent und ist vor allem auch im Internet sehr beliebt. Ab Frühling wird die dritte Staffel ausgestrahlt.
Die Sendung "Schawinski" hat ebenfalls nicht sehr überzeugende Quoten und steht überhaupt nicht zur Diskussion. Man könnte den Eindruck gewinnen, beim SF werde nicht mit gleichen Ellen gemessen. Ist dem so?
Die beiden Formate lassen sich weder aufgrund des Inhalts, noch aufgrund des Sendetermins miteinander vergleichen. Am späten Montagabend erzielten insbesondere die "Schawinski"-Talks mit Hummler, Spuhler, Keller-Suter, Brunner, Borer und Mörgeli gute Werte.

Andrea Hemmi, Leiterin Unternehmenskommunikation beim SRF.
Wissen Sie mittlerweile schon, wer gehen muss und wer bleiben darf, respektive in anderer Form beim SF weiterbeschäftigt wird?
Nein, dies wissen wir bis Mitte November. Voraussetzung für eine Weiterbeschäftigung ist, dass intern Stellen frei sind, deren Aufgabenprofile den Fähigkeiten der betroffenen Mitarbeitenden entsprechen.
Bedeutet dieser Abbau auch eine erste Niederlage des Konvergenz-Projekts?
Ganz und gar nicht. "Zambo" bleibt auch nach der Reduktion am TV ein trimediales, konvergentes Angebot. Unsere Haupterkenntnis ist, dass "Zambo" im Internet über und am Fernsehen unter den Erwartungen genutzt wurde. Daher wird nun das Fernsehangebot optimiert.
Wie sind denn die Zahlen für Internet-Nutzung?
Täglich verzeichnet "Zambo" durchschnittlich über 3'700 Visits mit einer Verweildauer von 18 Minuten pro Visit. Wenn eine neue Staffel "Best Friends" ausgestrahlt wird, sind es täglich 5800 Visits und 8000 Videostarts. Zudem umfasst die "Zambo"-Community demnächst 10000 Mitglieder.
Kann man die Mediennutzung von Kindern zwischen 6 und 13 Jahren überhaupt zuverlässig messen?
Das Telecontrol-Panel beinhaltet rund 1'000 repräsentative Haushalte, darunter Familien mit Kindern zwischen 6 und 13 Jahren. Ihr Nutzungsverhalten wird permanent beobachtet.
Interview: Adrian Schräder

