Herr Kropf, Sie betreuen mit einer Fernseh-Kollegin zusammen seit März die 12 neuen Trimedia-Stagiaires. Was ist Ihnen in den ersten Wochen aufgefallen?
Das Besondere für mich war, wie schnell die 12 Stagiaires zu einer Gruppe geworden sind. Sie gehen sehr offen miteinander um und scheinen recht Spass zu haben. Das ist sicher auch eine Folge davon, dass sie zu Beginn der Stage-Zeit viel zusammen waren, in den Ausbildungskursen.
Früher konnte man bei der SRG ein Stage machen, man musste sich aber für Fernsehen oder Radio entscheiden. Nun ersetzt die "trimediale Journalistenausbildung" diese Stages. Was ist neu?
Das Wichtigste vielleicht: wegen der breiteren Ausbildung ist die Stage-Zeit von anderthalb auf zwei Jahre verlängert worden. Die Stagiaires haben nach wie vor eine 'Heimredaktion' beim Fernsehen oder beim Radio. Es durchlaufen aber alle die ganze Radio-Ausbildung, die ganze Fernseh-Ausbildung, und die ganze Online-Ausbildung. Mit andern Worten: sie sind nach zwei Jahren 'Spezialisten' auf einem Medium, kennen die beiden andern aber ebenfalls gut.
Was muss ein auf Radio spezialisierter Stagiaire schliesslich können?
Sie oder er ist dann Radio-ReporterIn; die Moderation gehört da zum Beispiel noch nicht dazu. Die Radio-Stagiaires werden also am Morgen am Sitzungstisch ihrer Redaktion sitzen und mit den andern über die Themen diskutieren, die während des Tages angegangen werden sollen. Eines, meist aber zwei dieser Themen werden sie dann übernehmen. Das heisst: sich kundig machen, GesprächspartnerInnen finden, Interviews führen, diese Interviews allenfalls kürzen, Ausschnitte daraus auswählen für einen Beitrag, einen Text schreiben rund um diese 'O-Töne', den eigenen Text aufnehmen, die O-Töne und den eigenen Text zu einem Beitrag verarbeiten und diesen von der redaktionellen Leitung abnehmen lassen - bevor er dann gesendet wird. Die Produktion eines Beitrags übernimmt also von A bis Z eine einzige Person.
Und beim TV?
Auch hier gilt: sie haben eine gewisse Routine erlangt im Herstellen von Fernseh-Beiträgen auf ihrer Redaktion. Grundsätzlich geschieht dies ähnlich wie beim Radio. Die Abläufe beim Fernsehen sind allerdings komplexer: ein Beitrag muss sehr viel genauer vor-überlegt werden, damit man dann wirklich auch alle Bilder hat, die man braucht; Grafiken müssen in Auftrag gegeben werden; es muss jemand 'bestellt' werden, der die Kamera führt. Der Aufwand für einen Beitrag ist also grösser als beim Radio, und es ist auch viel mehr ein Team-Work.

Stagiaires Samuel Schmid und Katharina Locher mit SRF-Ausbildner Thomas Kropf.
650 Bewerber haben sich für diesen Lehrgang beworben. Wie wurden die Stagiaires ausgewählt?
Die Redaktionen, die einen Stagiaire übernommen haben, haben in der Regel aus einer Vorselektion drei bis fünf KandidatInnen ausgewählt. Diese durchliefen dann ein recht aufwändiges Selektionsverfahren, in dem sie darauf geprüft wurden, ob sie die notwendigen Voraussetzungen mitbringen. Konkret wurde etwa getestet, wie sie sich sprachlich ausdrücken, ob sie ein Flair für Bilder und fürs Geschichtenerzählen haben, was sie an Allgemeinbildung mitbringen usw.
Die Bewerber müssen auf dem Bewerbungsbogen angeben, wie aktiv sie in Kultur, Sport oder Politik sind. Warum ist dies wichtig?
Wir wollten uns schon in einem frühen Stadium ein möglichst breites Bild von den Kandidaten machen können. Aktivitäten in Kultur, Sport oder Politik - oder anderswo - heisst ja immer auch: man ist dort vernetzt, kommt mit dem 'Leben' in Kontakt, über das man dann als Journalist berichten wird.
Wer sind die Ausbildner?
Die Ausbildner sind in aller Regel Leute, die im Haus SRF einerseits in der journalistischen Praxis verankert sind, andererseits aber auch didaktische Kompetenz mitbringen.
Gibt es ausser SRF-Leuten auch externe Dozenten?
Ja, in einzelnen Fällen greifen wir auf externe Spezialisten zurück. Fürs Thema 'Recherche' etwa engagieren wir jemanden, der eine jahrzehntelange Erfahrung hat in harter Recherchearbeit.
Welches ist Ihre genaue Funktion?
Ich habe ein 60-Prozent-Pensum bei der Ausbildung und koordiniere dort die journalistische Grundausbildung, gebe selbst verschiedene Kurse und betreue die Radio-Stagiaires. Daneben habe ich ein 30-Prozent-Pensum bei der Nachrichtenredaktion von Schweizer Radio DRS - ein Teil von SRF - in Bern.
In der neuen Ausbildung ist Online-Journalismus, respektive "Multimedia", ein wichtiger Teil. Was sind die Ziele?
Primär geht es darum, dass die neuen Mitarbeitenden und auch die Stagiaires vertraut gemacht werden mit dem Online-Bereich. Manche der Radio- und Fernseh-Redaktionen bereiten ihre Inhalte auch fürs Internet auf. In diesen Redaktionen wird dann jeweils bimedial gearbeitet. Nehmen wir zum Beispiel die Stagiaires in den Regionalredaktionen des Radios: wenn etwa im Radio-Beitrag nur Ausschnitte aus einem Interview gesendet werden, können die Stagiaires das ganze Interview ins Internet stellen. Oder sie machen andere Beiträge zum gleichen Thema über einen Link zugänglich. Oder der Beitrag kann durch Fotos zum Thema ergänzt werden usw.
Welche Tätigkeiten muss jeder Redaktor selber ausführen können, wo ist die spezialisierte Online-Redaktion zuständig?
Das ist je nach Redaktion unterschiedlich. Meist ist der Online-Bereich in die Redaktionen integriert. Ziel ist es, dass möglichst viele bimedial arbeiten können.
Können Sie ein konkretes Beispiel für ein "Multimedia-Projekt" machen?
Das konsequenteste multimediale Projekt ist 'Zambo', die Kinder-Redaktion. Dort arbeiten die meisten als Radio-, Fernseh- und Online-Journalisten.
Welchen Stellenwert haben Social Media in der Ausbildung?
Auch das ist sehr unterschiedlich - je nach Redaktion. Und die Redaktionen richten sich nach den Bedürfnissen ihres jeweiligen Zielpublikums.
Wer unterrichtet den Bereich Social Media?
Wir haben da zwei Journalisten, die Social Media als eins ihrer Spezialgebiete haben: Michael Fröhlich und Ramon Bill.
Erhalten die Stagiaires einen Lohn?
Ja. In den ersten drei Semestern, in denen ihre Ausbildung stattfindet, erhalten sie einen Ausbildungslohn, konkret monatlich 4400 CHF brutto. Dies, weil die Stagiaires neben ihrer Lerntätigkeit auch sehr produktive Mitarbeitende sind. Im letzten Semester, in dem sie voll für ihre Redaktion arbeiten, nähert sich der Lohn demjenigen anderer junger Mitarbeiter.
Wie sind die Verpflichtungen, resp. Chancen auf eine Stelle nach dem Stage?
In den meisten Fällen erhalten Stagiaires eine Stelle. Der Übergang ist allerdings manchmal schwierig, weil die Stage-Stellen nicht an nachfolgende Stellen gekoppelt sind. Das heisst konkret: wenn am Schluss einer Stage-Stelle keine redaktionelle Stelle frei ist, wird es schwierig. Manchmal gibt es Übergangslösungen, mit kleinen Pensen, Praktika usw.
Was passiert, wenn ein Stagiaire das Stage abbricht?
Das ist sehr schade, kommt auch praktisch nie vor. Für eine Heimredaktion hätte dies die Auswirkung, dass sie den Stagiaire nicht mehr zu betreuen hätte; gleichzeitig fiele aber auch die Arbeit dieses Stagiaires für die Redaktion weg.
Früher gab es viele Quereinsteiger, die ein Stage antraten. Heute bewerben sich sogar Absolventen der Fachhochschulen, der Uni, oder dem Maz. Wie spüren Sie das Aufkommen dieser Lehrgänge?
Spürbar ist etwa, dass viele der Bewerber bereits eine journalistische Ausbildung mitbringen. Die ist manchmal mehr theoretischer, manchmal mehr praktischer Natur. Für uns ist das durchaus anregend, weil wir dann vergleichen können: was an journalistischen Ideen bringen die Stagiaires mit, und wie halten wir es bei uns, bei SRF.
Wie wird ein SRF-Journalist 2015 arbeiten? Was muss er dafür besonders gut können?
Schwierige Frage. Ich gehe davon aus, dass sich die verschiedenen Medien einander weiter annähern, dass noch stärker als heute Generalisten gefragt sind, die schnell denken können, eine breite Grundausbildung mitbringen und idealerweise in mehreren Bereichen arbeiten können.
Was halten die Stagiaires von der neuen Ausbildung? Lesen Sie die beiden Statements von Samuel Schmid und Katharina Locher.
Interview: Edith Hollenstein

