24.11.2011

"Weltwoche"

Zimmermann erklärt SRG vs. Verleger-Streit mit Freud

Aufbegehren der Verleger sei nur eine "Ersatzhandlung".

Lange schon streiten sich die Schweizer Verleger mit der SRG um die Werbeeinnahmen im Internet. Die Haltung der Verleger: Die SRG biete im Internet weitaus mehr als ihr die Konzession eigentlich zugesteht. Ausserdem - und dies sei nicht tolerierbar - wolle sie ihren reichhaltigen Onlinecontent nun auch noch mit Werbung garnieren und finanzieren.

Ende vergangener Woche ist SRG-Generaldirektor Roger de Weck den Verlegern in einem Brief ein Stück entgegengekommen {https://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=98702,(persoenlich.com berichtete)}. Wie erste Reaktionen zeigen, geht dieser Schritt den Verlegern allerdings zu wenig weit. In der aktuellen Ausgabe der "Weltwoche" versucht Kolumnist Kurt W. Zimmermann den Streit mit seinen Kenntnissen der Freudschen Psychoanalyse zu ergründen.

Seine Konklusion: Die 30 Millionen, welche die SRG bei maximaler Kommerzialisierung übers Internet verdienen könnte, nehme sich im Verhältnis zu den 13 Milliarden, den die Schweizer Medienbranche jährlich umsetzt, eher mickrig aus. Es gehe den Verlegern also gar nicht ums Geld. Das Verhalten sei mit Regression, mit Selbsttherapie zur Vergangenheitsbewältigung zu erklären - einhergehend mit "genitaler Nichtbefriedigung".

In der Vergangenheit hätten die Verleger rund um die SRG "so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann". Ihre duckmäuserische Haltung sei eine wesentliche Ursache dafür, dass die SRG in der Schweiz dermassen dominant geworden sei. Unterwerfung statt Konkurrenz, lauten hier die Stichwörter. Längst habe die SRG einen "regulatorischen Schutzwall" um sich errichtet. Darum habe die Schweiz - im Gegensatz zu praktisch allen anderen Ländern - keinen richtigen TV-Markt. Der jetzt tobende Kampf um die Einnahmen durch Internetwerbung sei vor diesem Hintergrund nur eine Ersatzhandlung. Sobald es zu einer solchen kommt, sei man - psychoanalytisch betrachtet - von der Regression auf dem Weg zur Repression. (ww/ads)


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