06.03.2008

Zürcher Regierung will Radio 1 und Radio Zürisee

Geht es nach dem Zürcher Regierungsrat, wird Radio 24 oder Energy Zürich seine UKW-Frequenz für das Versorgungsgebiet Zürich-Glarus verlieren. In seiner Stellungnahme zu den UKW-Radio-Konzessionsgesuchen empfiehlt der Rat die Vergabe an die Sender Radio 1 von Roger Schawinski und Radio Zürisee. Bei der dritten Radio-Konzession überlässt er es dem UVEK, zwischen den weiteren beiden Anbietern, Radio 24 oder Energy Zürich, eine Auswahl zu treffen. Die Reaktionen der Beteiligten:
Zürcher Regierung will Radio 1 und Radio Zürisee

Mit Vergabe von UKW-Konzessionen sollen laut Zürcher Regierungsrat möglichst verschiedene Zielgruppen angesprochen werden. Das Programm von Radio 1 unterscheide sich am deutlichsten von den übrigen Bewerbern und spreche eine andere Zielgruppe an. Radio 1 soll deshalb eine Konzession erhalten. Auch Radio Zürisee verfolge ein eigenständiges Angebot und ergänze Radio 1 sinnvoll. Radio 24 und Radio Energy seien sich sehr ähnlich in ihrem Mainstream-Programm.

Entscheidet das Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK nach dem Willen des Regierungsrates, würde einer der beiden reichweitenstärksten Privatsender der Region aus der UKW-Radiolandschaft verschwinden. Dies gilt nicht nur für die Grossregion Zürich-Glarus, sondern auch für die Stadt Zürich. Denn weder Radio 24 noch Radio Energy haben sich um die beiden kleineren Konzessiongebiete Zürich und Stadt Zürich beworben. Dass das UVEK eine nachträgliche Bewerbung berücksichtigen würde, kann wohl ausgeschlossen werden.

Keine weitere Konzession für Radio-Frieden

Wie gross der Einfluss der Empfehlung des Regierungsrates auf die Konzessions-Entscheidung des UVEK sein wird, ist schwer abzuschätzen. "Die Gewichtung kann man nicht prozentual angeben", sagt Roberto Rivola, Leiter Kommunikation beim Bundesamt für Kommunikation, auf Anfrage von "persoenlich.com". Allgemein gelte: Je detaillierter eine Stellungnahme ist, bzw. je mehr sich die Ausführungen auf den ausgeschriebenen Leistungsauftrag beziehen, desto mehr kann sie zur Meinungsbildung beitragen.

Um die drei UKW-Konzessionen für das Versorgungsgebiet Zürich-Glarus bewerben sich mit Radio 24, Energy Zürich, Radio Zürisee , Radio 1 sowie Radio 105züri fünf Sender. Der Laie könnte sich fragen, warum das Bakom dem Frieden zu liebe nicht zusätzliche Konzessionen vergibt. "Wir sind mit den Frequenzen am Anschlag“, sagt Rivola, "der Konzessionerteilung sind technische Grenzen gesetzt." Ausschlaggebend seien aber auch die medienpolitischen Gründsätze, die der Bundesrat im letzten Sommer gefällt habe. "Abgesehen davon, dass während eines Verfahrens nicht die Spielregeln geändert werden können und sollen."

Radio 1 begrüsst Stellungnahme

In einer ersten Reaktion zeigte sich Radio 1 glücklich darüber, dass das Konzept des ersten Radio für Erwachsene die wichtige Unterstützung der Zürcher Regierung gefunden hat. Roger Schawinski: "Dies ist für uns ein Beweis, dass wir eine notwendige Bereicherung des Zürcher Radioangebots sind. Damit wurde auch berücksichtigt, dass wir einen Beitrag zur Meinungsvielfalt liefern werden, wie es vom Gesetzgeber gefordert wird."

Dieser Entscheid sei deshalb besonders von Bedeutung, weil ein neues Radio gegenüber langjährigen Privatstationen klar bevorzugt werde. Der Regierungsrat drücke auf diese Weise aus, dass das neue Radio- und Fernsehgesetz eine Chance sei, die Radiolandschaft massiv zu verbessern.

Radio Zürisee mit grosser Genugtuung

Radio Zürisee nimmt "mit grosser Genugtuung" entgegen, dass nach den Regierungen der Kantone St. Gallen und Glarus sich auch die Regierung des Kantons Zürich hinter den Sender stellt, wie Geschäftsführer Urs Lorenz auf Anfrage von "persoenlich.com" erklärt. In seinen Augen leisten die drei Regierungen mit ihrem Vorschlag auch einen wesentlichen Beitrag an die Medienvielfalt zwischen Zürich und Glarus.

Radio Zürisee strahle seit Jahren ein inhaltlich und musikalisch deutlich akzentuiertes Programm im Vergleich zu den Stadtsendern aus. Von den rund 200'000 Hörerinnen und Hörern die täglich Radio Zürisee hören seien über 50'000 in der Stadt Zürich wohnhaft. Das beweist laut Lorenz, dass auch ein Sender ausserhalb der Stadtgrenze bei Städterinnen und Städtern Erfolg haben kann.

Radio 24 bedauert Regierungsentscheid

Radio 24 bedauert in seiner Stellungnahme, dass der Zürcher Regierungsrat die Konzessionsgesuche des ältesten Schweizer Privatradios nicht unterstützt. Aufgrund des Leistungsausweises und des eingegebenen Konzessionsgesuches sei Radio 24 überzeugt, dass der Sender alle Voraussetzungen für die Vergabe der Konzessionen am besten erfülle. Radio 24 geht davon aus, dass das Bakom den Sender bei der Vergabe der UKW-Radio-Konzession für das Versorgungsgebiet Zürich berücksichtigen wird.

Ringier findet Konzessionsempfehlung unverständlich

Ringier als Besitzer von Energy Zürich zeigt sich erstaunt über die Empfehlung des Zürcher Regierungsrates, für die dritte Radio-Konzession dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) den Entscheid zu überlassen, zwischen Radio 24 oder Energy Zürich zu wählen.

"Mit seiner führenden Stellung bei den jüngeren Radiohörern trägt Energy Zürich bereits viel zur Angebots- und Meinungsvielfalt im Zürcher Sendegebiet bei und garantiert Kontinuität und Professionalität für die Zukunft, "meint Marc Görtz, Bereichsleiter Elektronische Medien Ringier Schweiz in einer Stellungnahme.

Görtz weiter: "Radio Energy erfüllt in seinem Konzessionsgesuch sämtliche Bedingungen vollumfänglich und differenziert sich klar von den Mitbewerbern. Die Empfehlung des Regierungsrates trägt diesen Umständen leider keine Rechnung, für uns ist das absolut unverständlich."

105züri hofft auf Imunität des UVEK

Die heutige Stellungnahme der Kantonsregierung erstaunt Guiseppe Scaglione, da das Gesuch von Radio 1 (Roger Schawinski) eklatante Mängel aufweise. Der Geschäftsführer von Radio 105 meint, die Zürcher Regierung habe sich vom Medienwirbel beeindrucken lassen, den Roger Schawinski in den letzten Tagen veranstaltet habe. "Wir gehen jedoch davon aus, dass sich das UVEK diesbezüglich immuner erweisen und einen sachlicheren Entscheid fällen wird, der den geforderten Kriterien im Gesetz und in der Ausschreibung sowie den eingereichten Gesuchen Rechnung tragen wird", so Scaglione in einer Stellungnahme.

Fünf Bewerber kämpfen um die drei Konzessionen für das Versorgungsgebiet Zürich-Glarus.

(Text: Stefan Wyss)


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