23.06.2004

SF DRS

Zwei Fragen zur Spuckaffäre

Schweizer Fernsehen schweigt.

Medienpädagoge Marcus Knill stellt auf seiner Website rhetorik.ch im Zusammenhang mit der "Spuck-Affäre" um den Fussballer Alex Frei zwei brisante Fragen:

Warum so spät?

Erstens hinterfragt er die Aussage von SF-DRS-Sportchef Urs Leutert, wonach das Fernsehen erst am Sonntag beim Einrichten der Hintertorkamera auf die brisanten Bilder gestossen sei, die das Spucken zeigen. Dies ist gemäss Knill für Fernsehprofis unglaubwürdig oder zeugt von Unprofessionalität. Denn SF DRS hätte schon beim Auftauchen des Vorwurfs gezielt alle Kameras nach Beweismaterial absuchen können, um Frei zu be- oder entlasten – zumal ja in der Regel bei allen Kameras Aufzeichnungsmaschinen mitlaufen, die im Bedarfsfall Zeitlupenbilder aus allen möglichen Perspektiven liefern sollen. Warum also hat die Sportredaktion des Schweizer Fernsehens nicht schon früher nach Beweisen gesucht?

Was steht im Vertrag?

Marcus Knills zweite Frage hat den Vertrag zwischen dem Schweizer Fussballverband SFV und SF DRS zum Gegenstand: Was steht darin? Denn in solchen Verträgen werde immer eine Klausel eingefügt, wonach beide Seiten über den konkreten Vertragsinhalt Stillschweigen bewahren müssten. Warum dürfen die Gebührenzahler nicht wissen, was in den Verträgen zwischen dem Fussballverband beziehungsweise ihren Vermarktern und der öffentlich-rechtlichen Fernsehstation geschrieben steht?

Gemäss Knill erinnert sich der ehemalige Chefredaktor von Tele Ostschweiz, Patrick Senn, daran, dass Sportverbände oder ihre Rechtevermarkter immer wieder versucht hätten, eine kritische Berichterstattung auszuschliessen. "In den Vertragsentwürfen fanden sich oft Passagen, die dem Sinne nach die Fernsehstation dazu verpflichten sollten, am Sender ein positives Bild einer Sportart zu vermitteln", zitiert Knill den früheren Tele-Ostschweiz-Chef.

Klar sei, so Medienpädagoge Knill weiter, dass es bei diesen Verträgen immer um sehr viel Geld gehe, welche ein TV-Veranstalter für die Senderechte bezahlen soll und die er dann über Sponsoring und Werbeeinnahmen wieder hereinbringen will. Wenn aber die Sportberichterstattung tatsächlich unabhängig und kritisch sei, könne das im schlimmsten Falle dazu führen, dass sich das Publikum von einer Sportart abwende. Dadurch gingen der Fernsehstation wiederum Werbe- und Sponsoringeinnahmen verloren, weshalb sich die Frage stelle, ob ein Fernsehsender überhaupt ein Interesse habe, kritisch zu berichten.

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