Die 8. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich hat zwei Journalisten des Wirtschaftsmagazins Bilanz wegen übler Nachrede verurteilt. Sie hatten 1998 in einer Sonderausgabe zu den reichsten Schweizern ehrverletzende Passagen über den Financier Ralph Schmid geschrieben. Die beiden Journalisten seien mit einer Busse von 3000 beziehungsweise 1500 Franken bestraft worden, wie es in der NZZ vom Dienstag heisst. Dieses Urteil müsse in der nächstmöglichen Ausgabe der Bilanz publiziert werden. Zudem erhalte Ralph Schmid eine Umtriebs- und Prozessentschädigung von 8000 Franken.
Konkret führten die zwei verantwortlichen Journalisten auch eine Reihe von ehemals Reichen an, die angeblich notleidend geworden sind. Ausführlich geschildert wird in dieser Passage das Beispiel des Financiers Ralph Schmid, dessen Vermögen 1989 noch auf 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt wurde. Die 8. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich kam zum Schluss, dass der Artikel mehrere ehrverletzende Aussagen enthält, wie aus dem schriftlichen Urteil hervorgeht, das dieser Tage der NZZ zugestellt wurde.
In der Urteilsbegründung schreibt das Gericht, der umstrittene Artikel sei nicht nur anhand der verwendeten Ausdrücke zu analysieren, sondern es sei auch auf den Gesamteindruck zu achten, den er bei der Leserschaft hinterlasse. Insbesondere wird in der Urteilsbegründung bemängelt, dass Schmid unmittelbar neben einem Foto von Werner K. Rey abgebildet ist. Somit stelle der Durchschnittsleser Schmid auf die gleiche Stufe mit Rey. Denn die jährliche Sonderausgabe der Bilanz spreche nicht nur Wirtschaftsinteressierte an, sondern auch eine Kundschaft, die ihre Neugierde über Reiche befriedigen wolle. Die Journalisten hätten auf Grund ihrer Erfahrung die ehrverletzende Wirkung des Artikels erkennen müssen beziehungsweise erkennen können, heisst es im Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist. Ein aktuelles Interesse an der Person Schmids habe nicht bestanden. Somit sei davon auszugehen, dass das Motiv der beiden Journalisten in einem möglichst grossen Absatz der Bilanz zu suchen sei.

