Über Stunden herrschte absolute Funkstille bei dem griechischen Finanzminister nach dem vermeintlichen Stinkefinger-Gate in der TV-Sendung von Günther Jauch.
Steif und fest behauptete der aus Athen zugeschaltete Varoufakis am Sonntagabend im ARD-Talk, ein von Jauch eingespieltes Youtube-Video, auf dem er den Deutschen symbolisch den Mittelfinger zeigt, sei eine Fälschung. Die Geste sei hineinmontiert worden. Er schäme sich, dass ihm so etwas zugetraut werde.

Jauchs Redaktion und die Twittergemeinde warfen noch in der Nacht die Recherchemaschine an. Am Montag verschickte Jauchs Produktionsfirma diese Mitteilung: "Nach bisherigem Kenntnisstand kann die Redaktion von Günther Jauch keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung in dem während der Live-Sendung gezeigten Video feststellen." Mehrere Netzexperten seien aber noch an der Sache dran.
Varoufakis: Hand der Freundschaft
Später meldet sich Varoufakis doch noch zu Wort. Er bleibt bei seiner Darstellung. "Es ist der beklagenswerte Versuch, eine TV-Show zu torpedieren, in der ich versucht habe, dem deutschen Publikum eine Hand der Freundschaft anzubieten", zitiert "Spiegel Online" den Minister. Es sei unvorstellbar, dass die Jauch-Leute nicht gewusst hätten, "dass das Video gefälscht wurde".
Im Netz drehte sich die Debatte nicht nur um die Echtheit des Videos vom Mai 2013, sondern auch um die redaktionelle Einbettung des Beitrags. So meinte beispielsweise der Medienkritiker Stefan Niggemeier, Varoufakis' Aussage sei verfälscht worden, weil für die Zuschauer der Kontext nicht klar erkennbar gewesen sei.
Varoufakis hatte damals auf einer Bühne in Zagreb als Wissenschaftler die eigenen Politiker in Athen attackiert. An deren Stelle hätte er 2010 sein Land, nach dem Vorbild Argentiniens, noch vor dem ersten Hilfspaket in die Pleite geschickt, und damit Deutschland letztlich den Mittelfinger nach dem Motto gezeigt: "Ihr könnt das Problem jetzt allein lösen", sagte Varoufakis.
Im Beitrag, wo nur kurz das Datum "Mai 2013" eingeblendet wurde, und bei Jauchs Überleitung kam das anders rüber. Wer flüchtig zuhörte und zuschaute, konnte womöglich glauben, es sei eine aktuelle Aussage.
Mit einem Rücktritt wegen des Fingers rechnet in Athen vorerst niemand - jedoch könnte Varoufakis irgendwann für Syriza-Premier Alexis Tsipras den Sündenbock geben, um die Gläubiger zu besänftigen.
(Von Tim Braune und Takis Tsafos, dpa)
Bild: Screenshot Youtube

