Die Buchbranche im deutschsprachigen Raum geht mit gestärktem Selbstbewusstsein in die Leipziger Buchmesse. Nach Jahren der Krise konnte der traditionelle Buchhandel 2013 in Deutschland um 0,9 Prozent zugelegen, in der Schweiz sogar noch etwas deutlicher.
Der Aufwärtstrend habe sich auch Anfang 2014 fortgesetzt, erklärte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Mittwoch in Leipzig. Die "eigentliche Sensation" dabei sei, dass der lange totgesagte klassische Buchhandel wieder die Nase vor dem Online-Handel habe. Dessen Umsätze in Deutschland seien um rund zwei Prozent gesunken.
Bundesrat Alain Berset an der Eröffnung
Auf der Leipziger Buchmesse präsentieren sich vom 13. bis 16. März 2194 Aussteller (Vorjahr: 2069) aus 42 Ländern. Das Frühlingstreffen der Buchbranche wird begleitet von Europas grösstem Lesefestival "Leipzig liest" mit rund 3000 Autoren und Mitwirkenden. Schwerpunktland der Buchmesse ist in diesem Jahr die Schweiz. Die Messe sollte am Abend mit einem Festakt im Leipziger Gewandhaus in Anwesenheit von Bundesrat Alain Berset eröffnet werden.
Dabei stand auch die traditionelle Verleihung des Preises zur Europäischen Verständigung an. Die mit 15'000 Euro dotierte Auszeichnung geht in diesem Jahr an den indischen Publizisten Pankaj Mishra für sein Werk "Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens".
Warnung vor Freihandelsabkommen
Börsenvereinsgeschäftsführer Skipis betonte, die gute Stimmung in der Branche sei "deutlich zu spüren und mit Händen zu greifen". Die Investitionen der Buchhändler aus den vergangenen Jahren, etwa in eigene Online-Auftritte, zahlten sich jetzt aus. Sicher habe auch die Diskussion um die Arbeitsbedingungen und Steuerpraktiken des US-Versandriesen Amazon dazu beigetragen, dass Buchkäufer in Deutschland wieder häufiger eine Buchhandlung ansteuerten.
Skipis warnte ausserdem davor, bei den Verhandlungen über ein EU- Freihandelsabkommen mit den USA bewährte Schutzmechanismen wie die Buchpreisbindung zu opfern. Diese sei den US-Internetunternehmen ein Dorn im Auge. Ein Freihandelsabkommen möge auch Chancen bieten, aber "für den Kulturbereich sehe ich nur Risiken", sagte Skipis.
Für das Publikum öffnet die Buchmesse am Donnerstag ihre Pforten. Auf dem Messegelände und in der gesamten Stadt Leipzig verteilt gibt es bis Sonntag zahlreiche Lesungen deutscher und internationaler Autoren. Erwartet wurden unter anderem Margaret Atwood (Kanada), Simon Beckett (Grossbritannien) oder Arne Dahl (Schweden).
Am Donnerstag wird zudem der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Er ist mit insgesamt 45'000 Euro dotiert. (sda)

