13.03.2014

MAZ

Bundesrätin Leuthard wünscht sich "bissige Medien"

Diego Yanez übernimmt Leitung von Sylvia Egli von Matt.

Bundesrätin Doris Leuthard wünscht sich "bissige Medien". In einer Rede zur 30-Jahr-Feier der Schweizer Journalistenschule MAZ in Emmenbrücke LU plädierte sie für kritische, unbequeme Medien. Diese seien unverzichtbar für die demokratische Meinungsbildung.

Rund 400 Personen, vorwiegend aus der Medienbranche, fanden sich am Donnerstagabend zur einer doppelten Feier: Einerseits besteht die Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern seit 30 Jahren, anderseits hat sie mit dem 55-jährigen Diego Yanez einen neuen Direktor. Der bisherige Chefredaktor des Fernsehens SRF löst Sylvia Egli von Matt ab, die das MAZ während 15 Jahren leitete.

Festrednerin Doris Leuthard zeichnete das kritische Bild einer Medienbranche vor grossen Herausforderungen. Die Ungewissheit werde sich noch verstärken und die Branche auf Trab halten. Bis jetzt hätten die Verlage vor allem mit Zu- und Aufkäufen reagiert; andere Branchen dagegen reagierten mit Aus- und Weiterbildung. Leuthard plädierte für Innovationen für neue Geschäftsfelder.

Gefahr: Informationshäppchen statt Information
Zwar stellte die Medienministerin den Schweizer Medien ein vergleichsweise gutes Qualitätszeugnis aus. Dennoch zeigte sie sich besorgt, dass diese Qualität unter dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck und der Überlastung der Redaktionen leiden könnte. Eine Gefahr sieht sie in der Reduktion der Information auf Informationshäppchen am Morgen und am Abend und auf reisserische Geschichten. Dies führe zu Halbwissen, zu Information ohne kommentierende und kritische Begleitung.

Der Bürger sei auf den freien Zugang zu Informationen angewiesen. Ohne diese Vermittlung gebe es keine Öffentlichkeit, die Vermittlung sei unverzichtbar für die demokratische Meinungsbildung. Wichtig sei dabei weniger, wie sich der Bürger informiere, sondern dass er sich informiere.

Leuthard verwies auf den bundesrätlichen Auftrag zu einem Förderkonzept für die Medien, das kurz- und langfristige Massnahmen vorsehe. Wenn man sich für eine direkte Förderung entscheide, brauche es allerdings eine Verfassungsgrundlage.

Über 1000 Studierende
Das MAZ nahm im September 1984 unter Gründungsdirektor Peter Schulz mit 27 Studierenden den Betrieb auf. Heute zählt die Journalistenschule über 1000 Studierende aus praktisch allen Medienunternehmen der deutschen Schweiz und Liechtensteins, 300 Dozierende und ein Team von 30 Festangestellten. Sie ist vernetzt mit in- und ausländischen Hochschulen.

Das MAZ bezeichnet sich selbst als "das führende Kompetenzzentrum für Journalismus in der Schweiz". Träger sind die Schweizer Verleger, die SRG SSR, die Berufsverbände sowie Stadt und Kanton Luzern. Der Stiftungsrat wird zurzeit von Iwan Rickenbacher präsidiert.

Das jährliche Budget der Schweizer Journalistenschule liegt bei rund 6 Millionen Franken. Zu 80 Prozent finanziert sich das MAZ von den Studierenden respektive deren Arbeitgebern. Je 10 Prozent tragen die öffentliche Hand (Bundesamt für Kommunikation sowie kantonale Schulgelder) und die Stifter bei. (sda)


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