21.05.2014

SBB

"Bis 2016 wollen wir top werden bei der Kundenzufriedenheit"

Kommunikationsleiterin Kathrin Amacker zum Thema Mobilitätswachstum.
SBB: "Bis 2016 wollen wir top werden bei der Kundenzufriedenheit"

Frau Amacker, am kommenden Montag referieren Sie am Europa Forum in Luzern über das Thema Wachstum. Im Falle der SBB geht es um Mobilitätswachstum. Sie haben gemeinsam mit dem GDI die Studie "Mobilität 2025" erarbeitet: Warum haben Sie diese Studie in Auftrag gegeben? Was sind die wichtigsten und überraschendsten Erkenntnisse daraus?
Es ist uns wichtig, unsere Kunden wirklich zu verstehen. Heute und in Zukunft. Mobilitäts-Trends sind deshalb für uns wichtige Grundlagen für die langfristige Planung. Wir müssen heute antizipieren, was die Bedürfnisse der nächsten Generation sind. Die Ergebnisse der GDI Studie sind für uns sehr hilfreich: Individuelle Angebote und eine personalisierte Ansprache werden immer wichtiger. Kunden wollen in Zukunft End-to-End-Lösungen, die perfekt zu ihnen passen, als Reisende genauso wie beim Transport. Damit können wir uns auf eine Welt einstellen, die immer schneller, mobiler, transparenter und persönlicher wird.

Eine Prognose lautet, dass es bis 2030 ungefähr 60 Prozent mehr Reisende geben wird. Hand aufs Herz: Könnte eine solche Masse überhaupt bewältigt werden?
Wir gehen von einem Mobilitätswachstum von 60 Prozent aus: 45 Prozent bei den Reisenden und 85 Prozent bei den Gütern. Beides ist sehr herausfordernd, denn das Netz in der Schweiz ist schon jetzt das dichteste in ganz Europa. Deshalb braucht es smarte Lösungen: Mit umfangreichen Investitionen in modernes Rollmaterial steigern wir die Kapazitäten und mit attraktiven Angeboten in den Nebenverkehrszeiten wollen wir eine ausgewogenere Auslastung über den Tag erreichen. Darüber hinaus arbeiten wir intensiv an einer intelligenten Kundeninformation, zum Beispiel zum Auffinden noch freier Sitzplätze. So wollen wir Unterwegssein in der Schweiz optimal gestalten.

Vor welchen Herausforderungen steht die SBB aufgrund dieses enormen Wachstums und wie begegnet sie diesen?
Die wachsende Nachfrage wollen wir insbesondere zusammen mit Partnern bewältigen. Beim Güterverkehr setzen wir zum Beispiel auf den kombinierten Verkehr. Und das bewusst in Zusammenarbeit mit der Strasse. Unsere Züge fahren zwischen den Terminals auf der Nord-Süd- oder Ost-West-Achse und bedienen lange Strecken. Die LKWs nehmen vorher und nachher die Feinverteilung vor. So nutzen wir gemeinsam die Stärken des jeweiligen Verkehrsträgers und können unseren Kunden die bestmögliche Leistung bieten.

Und was bedeutet das konkret für den Personenverkehr?
Dank der erfolgreichen FABI-Abstimmung vom 9. Februar werden bis 2025 gezielte Engpassbeseitigungen vor allem in der Romandie und dichten Agglomerationen umgesetzt. Mit der Eröffnung der ersten Etappe der Durchmesserlinie Zürich steht der wichtigste Meilenstein des Jahres kurz bevor. Dies wird bessere Verbindungen und kürzere Umsteigezeiten sowie Angebotsverbesserung bringen, mit positiven Auswirkungen auf die ganze Schweiz.

Die SBB möchte sich von einem Transportunternehmen zu einem Mobilitätsdienstleiter der Zukunft wandeln: Was bedeutet das für die nächsten drei Jahre?
Bis 2016 wollen wir top werden bei der Kundenzufriedenheit und dafür sogen, dass sich unsere Kunden bei uns "unterwegs zuhause" fühlen. Und das von Tür zu Tür. Wir wollen unsere Kunden auf dem gesamten Weg ihrer Reise begleiten und ihnen eine perfekt zu ihnen passende Mobilitätsdienstleistung bieten. Das gilt auch für die uns anvertrauten Güter, auch hier braucht es massgeschneiderte Transportlösungen von hoher Qualität.

Die SBB wird gemäss einer GFK-Studie derzeit aber nicht als besonders kundenfreundlich wahrgenommen. Hat man durch die Zunahme an Kunden den einzelnen Kunden aus den Augen verloren?
Für die SBB ist jeder einzelne Kunde wichtig. Es ist uns ein grosses Anliegen, den Dialog mit unseren Kunden aktiv zu pflegen und ihnen Leistungen anzubieten, mit denen sie in jeder Hinsicht zufrieden sind. Da haben wir im letzten Jahr ganz sicher einige Fehler gemacht. Dies war zum Beispiel bei der Komplexität der Billetautomaten und der gelebten Kulanz der Fall. Mit dem Perronbillet und menschlicheren Kulanzregelungen haben wir Gegensteuer gegeben. Bei der Kundeninformation im Störungsfall wie auch bei der Optimierung der Sitzplatzverfügbarkeit haben wir noch einen anspruchsvollen Weg vor uns.

Welche Auswirkungen haben die zunehmende Mobilität und die Tatsache, dass vorwiegend junge Personen ständig online sind, auf die Dienstleitungen und Angebote der SBB?
Die zunehmende Vernetzung ist längst nicht mehr nur ein Phänomen der jungen Generation. Es gehört zu den Bedürfnissen einer mobilen Gesellschaft, unterwegs vernetzt zu sein und jederzeit ausreichende Connectivity zu haben. Deshalb rüsten wir bis Ende 2014 alle Fernverkehrszüge mit Verstärkern für den optimalen Empfang aus. Aktuell sind wir dabei, auch im Regionalverkehr eine Lösung zu suchen. Zudem haben wir das Programm Free Wifi in Bahnhöfen lanciert. Hier ist das Ziel, an den 100 grössten Bahnhöfen der Schweiz kostenloses Internet anzubieten. Vor wenigen Tagen war gerade der Hauptbahnhof in Zürich an der Reihe.

Und wenn man Free Wifi nutzt, landet man beim "Blick". Dieser Auftrag gab viel zu reden. Warum wurde er nicht ausgeschrieben?
Free Wifi ist ein Angebot für unsere über 1 Million Pendlerinnen und Pendler, die täglich mit uns reisen. Ihnen wollen wir ergänzend zu den bekannten Pendler-Zeitungen auch ein attraktives Online-Angebot bieten. Dazu haben wir Gespräche mit Tamedia, AZ Medien und Ringier geführt. Eine öffentliche Ausschreibung war dazu nicht notwendig. Zum Schluss haben wir uns für das beste Angebot entschieden.

SBB-CEO Andreas Meyer hat Sie als ehemalige CVP-Politikerin ins Boot geholt, um die Beziehungen zum Bund zu verbessern. Sie wiederum haben PR-Profi Victor Schmid von der Zürcher Agentur Hirzel.Neef.Schmid Konsulenten engagiert. Wie ist die Beziehung zum Bundesamt für Verkehr heute?
Unsere Beziehungen zum BAV sind professionell und engagiert, auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung sind, aber das liegt in der Natur der Sache und der Rollen des BAV und der SBB. Die Agentur Hirzel.Neef.Schmid haben wir nicht neu engagiert: Seit vielen Jahren arbeiten wir zusammen und schätzen den Austausch und die Zusammenarbeit im Sinne eines Sparrings.

Fragen: Seraina Etter, Foto: Europa Forum Luzern

 


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen