30.01.2020

Frauen und Geld

«Ein langfristiger Finanzplan ist enorm wichtig»

Schweizerinnen seien zu wenig fit in Finanzfragen, sagt Olga Miler. Das habe aber auch mit der Kommunikation der Banken zu tun. Auf einem Blog erteilt sie ab sofort Tipps für den Umgang mit Geld. Ein Gespräch über die Kosten des Frauseins und ihren Lohn bei Watson.
Frauen und Geld: «Ein langfristiger Finanzplan ist enorm wichtig»
«Ich habe die ganze Tragweite von Frausein und Geld auch erst so mit 38 verstanden», sagt Olga Miler. (Bilder: Watson)
von Edith Hollenstein

Frau Miler, ist es richtig, dass Frauen für ihren Alltag mehr Geld benötigen als Männer?
Ob und wieviel Geld man im Alltag braucht, hängt sehr von den persönlichen Bedürfnissen, dem Lebensstil und dem zur Verfügung stehenden Geld ab. Ich kenne keine Vergleichsstudien, die belegen würden, dass das Geschlecht für den monatlichen Geldverbrauch ausschlaggebend wäre.

Frausein ist also nicht teurer als Mannsein.
Nein. Es gibt Untersuchungen, die aufzeigen, dass gewisse Konsumprodukte für Frauen allenfalls teurer sind als vergleichbare Produkte für Männer, dies kann im Alltag und aufgerechnet auf die Jahre allenfalls einen Unterschied machen, ist aber nicht die grosse Herausforderung. 

Was ist denn ausschlaggebend?
Einen grossen Unterschied auf das Gesamtvermögen macht die Kombination von Lohnungleichheit, Berufswahl, Teilzeitarbeit, einer längeren Lebenserwartung und dem Investitionsverhalten. Dies führt im Zeitverlauf dazu, dass Frauen im Alter signifikant weniger Geld zur Verfügung haben als Männer. Deshalb sind ein langfristiger Finanzplan und Vorsorge für Frauen enorm wichtig. 

 «Es braucht weniger komplizierte Kommunikation»

«Männer investieren, Frauen sparen» ist also nicht mehr zeitgemäss?
Der Bezug zu Geld ändert sich. Immer mehr Menschen, Frauen und Männer, stellen die Wirkung, die das Geld hat, in den Vordergrund – welche Ziele man damit verfolgt, was man damit erreichen will, ob es neben finanzieller Rendite auch eine gesellschaftliche Wirkung haben soll; Stichwort Nachhaltigkeit. Untersuchungen zeigen, dass acht von zehn jungen Menschen nachhaltig investieren wollen. Frauen wollen, statistisch gesehen, dass das Geld eine positive Wirkung hat und haben einen anderen Bezug zu Risiko. Sie fordern mehr Informationen, klären die Anlagen genauer ab und hinterfragen auch mehr, was denn genau mit dem Geld gemacht wird. Hier kann die Finanzindustrie einen Beitrag leisten.

Wie?
Nötig wären weniger komplizierte Kommunikation, genauere Aufklärung darüber, was in den Finanzprodukten drin ist und welche Wirkung sie haben. Das dient nicht nur den Frauen, sondern allen Anlegern. Es würde vieles einfacher machen, wenn die Produktinformation für ein Anlageprodukt genauso einfach zu verstehen wäre wie etwa die Angaben bei Konsumgütern. Nur sind wir da heute noch nicht.

Bei welchen Finanzthemen haben Frauen Nachholbedarf?
Frauen treffen 80 Prozent der Konsumentscheide – und in mehr als 80 Prozent sind sie im täglichen Umgang mit Geld involviert. Grössere Aufmerksamkeit braucht es bei langfristiger Finanzplanung und Vorsorge, um für das Leben abgesichert zu sein.

Sie versprechen in Ihrem neuen Blog bei Watson «Tipps und Tricks, frei von Finanzjargon». Können Sie uns zwei dieser Tricks vorab verraten?
Das Ziel des Blogs ist, über Geld lebensnah, zeitgemäss und vor allem praktisch zu berichten und eine Diskussion anzuregen. Der Blog orientiert sich an den Fragen von Menschen, die ich im letzten Jahrzehnt bekommen habe: Wie spricht man über Geld? Was kostet Investieren eigentlich? Was passiert mit meinem Geld in der Bank? Wie kann ich mich absichern? Was macht ein Investitionsroboter? Was ist eigentlich Risiko? Welche Anlageprodukte gibt es? Wie weiss ich, was in einem Finanzprodukt drin ist? Wo fange ich am besten an? Wie macht man einen Finanzplan? Ist es nicht schon zu spät? Da niemand alles über Geld weiss, geht es neben praktischer Wissensvermittlung auch darum, dass man sich gegenseitig austauscht und voneinander lernt.

«Mein grösster Lohn ist das Feedback von Lesern»

Sie raten, einen offenen, transparenten Umgang mit dem Thema Geld: Darum die Frage: Wie viel verdienen Sie für die Watson-Kolumne?
Ich mache diesen Blog unentgeltlich, und mein grösster Lohn ist das Feedback von Lesern, denen es geholfen oder zum Nachdenken inspiriert hat. Geld ist wichtig, um in der Welt etwas zu bewegen, und wir möchten, dass alle Menschen in der Schweiz Zugang zu unabhängigem Finanzwissen haben.

Und wie investieren Sie das, was Ihnen am Monatsende übrigbleibt?
Ich habe ein Portfolio und investiere in nachhaltige Anlagen, traditionelle Anlagen, Immobilien, Start-ups. Und soweit meine Möglichkeiten reichen, investiere ich meine Zeit in Dinge, die mir wichtig sind, die mir dann nicht immer sofort Geld einbringen – wie eben der Blog «Frauen und Geld».



Beim Blog «Frauen und Geld» handelt es sich um eine Kooperation zwischen Watson und
 SmartPurse, einem Online-Toolkit, mit dem sich Frauen Finanzfachwissen aneignen können. SmartPurse wurde von Olga Miler gegründet. Vorher war sie über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. 



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