03.08.2025

Quereinsteigerin

«Es war eine logische Weiterentwicklung»

Vom Kunsthaus zur Unternehmensberatung: Michelle Nicol wechselte von der Kunsthistorikerin zur Mitgründerin der Agentur Neutral. Dort unterstützt sie Firmen bei Strategie, Identität und Wandel. Für sie war dieser scheinbare Branchenwechsel jedoch eine natürliche Entwicklung ihrer Kernkompetenz.
Quereinsteigerin: «Es war eine logische Weiterentwicklung»
Michelle Nicol fotografiert von Künstler Walter Pfeiffer (links) und vor Architektur von Valerio Olgiati (rechts). (Bilder: zVg)

Sie sind ursprünglich Kunsthistorikerin und haben als Kuratorin gearbeitet. Weshalb hatten Sie sich für eine Karriere in der Kunstbranche entschieden?
Ich liebe es, Kunst anzuschauen, über die Relevanz von Kunst nachzudenken und mit Kreativen zu arbeiten. Und ich schreibe gerne, unter anderem über Kunst.

2001 haben Sie die Agentur Neutral mitgegründet und beraten seither Firmen im Bereich Strategie und Positionierung. Was war der Auslöser für den Branchenwechsel?
Ich empfand den Einstieg in die Welt der Markenbildung nicht als Branchenwechsel. Bei Neutral waren wir Pioniere im Bereich Collaborations, haben Künstler, Architekten, Designer, Musiker mit internationalen Marken zusammengebracht. Oft waren es Modemarken wie Pringle of Scotland, Chloé, Bottega Veneta, weil man in der Mode immer – auch in der Kommunikation – an der kreativen Front sein muss. Zu unseren Collaboration-Kunden gehören weiter Hornbach mit Ai Weiwei oder Julius Baer, für die wir eine Initiative für Kunst, Wissenschaft und Technologie erfunden haben – mit KI-Künstler Refik Anadol als erstem Auftragskünstler. Die Arbeit hatte in Dubai Premiere, reiste um die Welt und ist heute Teil der Sammlung des Kunsthaus Zürich. Und gleich ein nächster Branchenwechsel war 2023 die Gründung von Poeticwalls zusammen mit meinem Partner Rudolf Schürmann. Unser Purpose ist gute Architektur, mit Entwicklungen und mit der Vermittlung von Baukultur: Häuser, die Menschen und Orte besser machen.

«Zweifel hatte ich nie»

Gab es auch Momente des Zweifels während des Umstiegs oder danach?
Es war in beiden Fällen eine logische Weiterentwicklung, kein Umstieg. Und Zweifel hatte ich nie.

Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf den Berufswechsel reagiert?
Positiv: die Option, Kunst und Architektur einem erweiterten Publikum näherzubringen, ist aufregend, nötig und nachvollziehbar.

Haben Sie sich schnell im neuen Berufsfeld zurechtgefunden?
Ja.

Ist ihre Berufsbiografie heute ein Thema im professionellen Umfeld?
Das Studium der Kunst- und Architekturgeschichte an der Universität Zürich mit Abschluss beim Corbusier Experten Professor Stanislaus von Moos und die Tätigkeit als Journalistin für Kunst und Mode, unter anderem mit der Kolumne «fashionable» in der NZZ, machen mich glaubwürdig. Und für Poeticwalls gilt: Seit 30 Jahren bewohnen, transformieren, restaurieren wir, die Gründer, unsere eigenen Häuser, besuchen überall, wo wir sind, ikonische Bauten und pflegen ein Netz von Freunden in Architektur und Bauwirtschaft.

Gibt es Parallelen zwischen Ihrer alten und der neuen Tätigkeit?
Es ist alles eins: Recherche, Reflektion, Ökonomie, Vermittlung.

Welches Know-how aus Ihrer ursprünglichen Tätigkeit hilft Ihnen bis heute?
Die Vermittlung von Ideen.

Was würden Sie anderen Quereinsteigern raten?
Einfach machen.

Könnten Sie sich einen erneuten Branchenwechsel vorstellen?
Jetzt grade nicht. Wir bauen Poeticwalls auf und das macht Freude.



In der Sommerserie «Quereinsteiger / Quereinsteigerin» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die nicht den klassischen Weg genommen haben. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.


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