23.04.2026

SRG

«Nur effizienter werden, wird nicht reichen»

Die SRG-Kommunikation stellt sich mit einem Corporate Newsroom komplett neu auf – mitten im grössten Umbau der Unternehmensgeschichte. Stephanie Jutzi, Leiterin Kommunikation und Public Affairs, erklärt, warum Sparen allein keine Antwort ist und wie vier Sprachregionen künftig als ein Team funktionieren sollen.
SRG: «Nur effizienter werden, wird nicht reichen»
«Ich bin nahe an Themen und Aktualitäten dran»: Stephanie Jutzi, Leiterin Kommunikation und Public Affairs SRG. (Bild: zVg/SRG)

Stephanie Jutzi, die SRG organisiert ihre Kommunikation neu als Corporate Newsroom – eigentlich naheliegend in einem Medienunternehmen. Warum erst jetzt?
Die SRG stellt sich ab April neu auf, die neue Organisation hat jetzt Klarheit. Darum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, auch in der Kommunikation mit dem Corporate Newsroom zu starten. Aktuell treibt die ganze SRG ihre unternehmensweite Transformation Enavant konsequent voran, weil bereits Anfang nächsten Jahres der erste Schritt der vom Bundesrat beschlossenen Senkung der Medienabgabe in Kraft tritt. Gleichzeitig befindet sich die SRG in einem laufend komplexer werdenden Umfeld, geprägt von Medienwandel, Digitalisierung und neuen Technologien. Dies macht die Reorganisation der gesamten Kommunikation einerseits notwendig, andererseits ist es eine riesige Chance, um künftig noch wirkungsvoller kommunizieren zu können.
 
Was ändert sich für die Zielgruppen der SRG-Kommunikation dank eines Corporate Newsroom?
Wir denken stärker als eine SRG. Wir sind weiterhin im Dialog mit den Medien, der Bevölkerung und der Politik und stellen uns der kritischen Auseinandersetzung. Wir haben immer noch dieselben Zielgruppen. Aber wir können die Kommunikation überregional besser planen und steuern. Mit der Newsroom-Organisation denken wir neu konsequent von Themen her.

Was heisst das genau?
Inhalte und Botschaften, die für die SRG und ihre Regionaleinheiten relevant sind, stehen im Zentrum. Ich hoffe, dass unsere Zielgruppen dies insofern spüren, als unsere Kommunikation über alle Regionen hinweg noch kohärenter und integrierter wirkt. Denn: Am Newsroom-Desk kommen alle Perspektiven und Disziplinen zusammen. Wichtig ist mir dabei ganz besonders: Im überregionalen Newsroom-Modell sind die Regionen gleichwertig vertreten. 

Mit der Reorganisation der Unternehmenskommunikation wird auch Ihre Abteilung Stellen streichen müssen. Dient die neue Struktur dazu, diesen Abbau aufzufangen, ohne substanziell Leistungen abzubauen?
Ich bin überzeugt, dass das neue Modell für die überregionale Zusammenarbeit eine Chance ist. Denn neu wird die gesamte Kommunikation strategisch überregional gesteuert und baut gleichzeitig auf der bestehenden regionalen Verankerung von SRF, RTS, RSI und RTR auf. Dadurch können wir Synergien schaffen und Doppelspurigkeiten abbauen. Aber nur effizienter werden, wird nicht reichen: Auch mein Bereich hat einen Sparauftrag und wir werden bei den Leistungen hart priorisieren und Stellen einsparen müssen.
 
Als eine Folge der neuen Struktur gibt es die Funktion «Leitung Unternehmenskommunikation» nicht mehr. Genau dafür hatte die SRG noch im Sommer 2025 Markus Berger geholt. Nach acht Monaten musste er wieder gehen. Warum dieses Hü-und-Hott?
Das Gegenteil ist der Fall: Wir entwickeln uns kontinuierlich und konsequent weiter. Die SRG muss sich in sehr kurzer Zeit grundlegend neu aufstellen, denn der erste Schritt der Senkung der Medienabgabe wird schon 2027 umgesetzt. Im Sommer 2025 waren wir im Transformationsprozess Enavant noch an einem ganz anderen Punkt: Wir hatten eine längere Vakanz und ein hohes Kommunikationsbedürfnis, weil die SRG durch die Abstimmung über die Halbierungsinitiative stark im Fokus stand. Wir haben aber auch während der Abstimmungsphase an der Transformation des Gesamtunternehmens konsequent weitergearbeitet. Dem musste auch die Kommunikation Rechnung tragen. Deshalb werden wir zugunsten der Corporate-Newsroom-Organisation künftig auf die Rolle der «Leitung Unternehmenskommunikation» verzichten. Wir sind Markus Berger sehr dankbar für sein grosses Engagement in dieser historisch anspruchsvollen Phase.
 
Der Sonntagsblick berichtete, die SRG habe mehrere hunderttausend Franken für eine Headhunting-Agentur und ein Strategiepapier bezahlt, dessen Empfehlungen für den nun eingeführten Newsroom bedeutungslos seien. Hat man wirklich so viel Geld für nichts ausgegeben?
Das stimmt so nicht. Wir hatten im Rekrutierungsprozess Unterstützung von einer externen Firma. Für solche Positionen ist die Unterstützung durch ein professionelles Executive Search gängig. Die Kosten betragen aber sicher nicht mehrere hunderttausend Franken, sondern bewegen sich im marktüblichen Rahmen. Die Executive Search war zudem in keiner Form an der strategischen Organisation der Kommunikation beteiligt, es ist also schlicht falsch, dass wir hier ein Strategiepapier eingekauft hätten. Die Newsroom-Organisation haben wir eigenständig und auf die spezifischen Bedürfnisse der SRG hin gebaut, bei der Einführung hatten wir externe Unterstützung der Newsroom Communication AG.

 
Als Gesamtverantwortliche für Kommunikation und Public Affairs sind Sie nun quasi auch die Leiterin Unternehmenskommunikation. Wie definieren Sie Ihre Rolle in dieser neuen Struktur?
Die Gesamtleitung für den Bereich Kommunikation und Public Affairs hatte ich schon bisher. Dazu gehört, dass ich den Bereich auf strategischer Ebene führe, ihn in der Geschäftsleitung sowie im Verwaltungsrat vertrete, die Interessenvertretung im Parlament sicherstelle und dafür sorge, dass die Strategie der SRG in Kommunikationsziele übersetzt und umgesetzt wird. Neu ist, dass wir nun ein überregionales, viersprachiges Kommunikationsteam sind und mit der Newsroom-Organisation effizienter und wirksamer werden. Die Organisation muss ermöglichen, dass die SRG verstanden wird. Das ist unser Ziel. Wir kommunizieren schlussendlich im Dienste der Bevölkerung.

Wie nah sind Sie am Tagesgeschäft dran?
Die Verantwortung für das operative Kommunikationsgeschäft liegt bei den neuen Abteilungsleitenden – den Leitenden Themenmanagement, Kanäle und Produktion, Medienstelle, Public Affairs und Sprachdienst. Und im Alltag läuft das Tagesgeschäft primär über den Newsroom. Ich habe tolle, verantwortungsvolle Kommunikationsexpertinnen und -experten, die viel direkt bearbeiten und abfangen. Aber ich war schon bisher und bin auch jetzt nahe an Themen und Aktualitäten dran. Das gehört in diesem Job dazu.
 
Intern gibt es die Sorge, dass sich mit der neuen Struktur fünf gleichrangige Abteilungsleitungen ohne dedizierten Kommunikationschef im Alltag aufwändig abstimmen müssen. Wie begegnen Sie dem?
Diese Sorge teile ich nicht. Den Abstimmungsbedarf gab es schon bisher, er wird aber in einem komplexer werdenden Umfeld grösser. Mit der neuen Organisation schaffen wir exakt die Voraussetzung, um effizient damit umzugehen. Konkret: Die Abteilungsleitenden haben klar umrissene Verantwortungen: Das neue Leitungsteam definiert die inhaltlichen Leitlinien, die kommunikativen Schwerpunkte, und hilft, Themen zu priorisieren. Die Abstimmung geschieht unkompliziert über den Newsroom – so haben wir zum Beispiel jeden Morgen ein Daily, ein kurzes Meeting, in dem alle Disziplinen präsent sind und wir uns effizient über die Tagesaktualitäten austauschen. Mit dem Newsroom-Modell stärken wir auch die Kommunikations-Mitarbeitenden. Sie können selbständig Entscheidungen treffen, die Umsetzung der Themen vorantreiben und damit Verantwortung für das Ganze übernehmen, ohne dass es immer die hierarchische Leitung braucht. Das entspricht meinem Führungsstil.


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