06.01.2021

Public Eye

Staatliches Textillabel garantiert keinen Schutz

Die Schweizer NGO hat zusammen mit Femnet die Kommunikation von deutschen Textilfirmen untersucht. Viele vertreiben ihre Produkte auch in der Schweiz.

Der vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im September 2019 lancierte «Grüne Knopf» hat grosse Erwarten geweckt. Bei T-Shirts, Mützen oder Bettwäsche, die das amtliche Siegel tragen, sollen Konsumierende sicher sein, dass diese Textilien «sozial» und «ökologisch» produziert wurden. Aber auch, dass die Unternehmen dahinter ihre entsprechenden Sorgfaltspflichten wahrnehmen.

Die Schweizer NGO Public Eye und das deutsche Femnet haben die öffentliche Kommunikation von 31 «Grüner-Knopf»-Firmen untersucht. Viele davon vertreiben ihre zertifizierten Produkte auch in der Schweiz, darunter Vaude, Lidl oder Hess Natur. Nur gerade 8 der 31 gehen jedoch auf Menschenrechtsrisiken in ihren jeweiligen Produktionsländern ein, schreibt Public Eye in einer Mitteilung.

Strengere Überprüfung

Das Gleiche gelte für Risiken, die durch ihre Einkaufspraktik entständen. «Über das Ausmass und die Schwere des Risikos nicht existenzsichernder Löhne für ihre Näherinnen berichten sogar nur zwei Unternehmen und nur drei «Grüne-Knopf»-Träger legen dar, wie sie mit dem Branchenproblem der geschlechtsspezifischen Gewalt am Arbeitsplatz umgehen.» Ähnlich düster sehe es bezüglich der in den Produktionsländern häufig nicht gewährleisteten Gewerkschaftsfreiheit aus.

Angesichts dieser Befunde müsse das BMZ schnell gegensteuern und so verhindern, dass mit seinem Label eine oberflächliche Sorgfaltsprüfung und somit Greenwashing betrieben werde, heisst es in der Mitteilung weiter. Unternehmen, die zentrale Menschenrechtskriterien bloss teilweise erfüllten oder deren Umsetzung nur vollmundig ankündigten, dürften keinen «Grünen Knopf» bekommen. (pd/lom)



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