07.05.2026

Krisenkommunikation

Im Fall Crans-Montana machen die Behörden «alles falsch»

Nach der Brandkatastrophe im Wallis wurden die Kommunikation und das Vorgehen der Behörden und Ermittler kritisiert. Opferanwalt Sébastien Fanti verhehlte auf der Bühne des SwissMediaForums sein Unverständnis nicht.
Krisenkommunikation: Im Fall Crans-Montana machen die Behörden «alles falsch»
Opferanwalt Sébastien Fanti lieferte seinen Insiderblick auf die Brandkatastrophe von Crans-Montana. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Der Tragödie von Crans-Montana war am Donnerstag eine Diskussion am SwissMediaForum gewidmet. Im Zentrum stand die Kommunikation der Behörden und Ermittler.

Der italienische Investigativjournalist Alessandro Politi, der per Videoschaltung aus Mailand zugeschaltet wurde, erklärte, warum sich in Italien ziemlich schnell Wut über die Schweiz verbreitet hat. In einer solchen Situation würden Leute schnell Antworten wollen. «Wenn die Information zu langsam, unklar oder zu technisch ist, verwandeln sich die Emotionen in Wut.»

Ausserdem hätten die Ermittler Fehler gemacht, die zu Unverständnis bei den Italienern geführt hätten. Er nannte als Beispiel die späte Beschlagnahme der Handys oder die Verzögerung bei den Autopsien. Der Rai-Uno-Journalist, der zwei Monate im Wallis für die Berichterstattung über die Tragödie verbracht hat, kritisierte den Mangel an Empathie in der Kommunikation.

Auf der Bühne in Luzern diskutierten ausserdem Opferanwalt Sébastien Fanti und Kommunikationsprofessorin Diana Ingenhoff. Diese bestätigte, dass Empathie vermisst wurde. Das habe besonders die Medienkonferenz der Gemeinde Crans-Montana gezeigt. Sowohl Ingenhoff als auch Politi sind der Meinung, dass die Behörden nicht für eine Katastrophe von internationalem Ausmass vorbereitet waren. «Wenn man sich als internationale Tourismusregion positioniert, gehört eine solche Vorbereitung dazu», so die Kommunikationsexpertin.

«Die Krise beginnt erst jetzt»

Sébastien Fanti lieferte seinen Insiderblick auf den Fall. Er nahm kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Arbeit der Behörden und Ermittler ging. «Sie machen alles falsch», von der ersten Medienkonferenz an, die von der Staatsanwältin geführt wurde, obwohl unter den Anwesenden Personen waren, die im weiteren Verlauf des Falls noch eine Rolle spielen würden. Er kritisierte auch, dass die Staatsanwaltschaft nicht alle Medien gleichbehandelt.

«Die Krise mit den anderen Ländern beginnt erst jetzt», sagte Fanti weiter. Die ersten Bücher zur Tragödie würden nach seinen Angaben am 1. November erscheinen. Der Imageschaden für die Schweiz komme nicht direkt von der Katastrophe, sondern davon, wie diese bearbeitet werde, sagte Fanti.

Was muss die Schweiz aus der Katastrophe lernen? «Vorbereitung ist alles», sagt Diana Ingenhoff. Die internationalen Tourismusregionen müssten sich für Krisenkommunikation sensibilisieren. Der Bund soll für die Kommunikation federführend sein.


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