TV-Kritik

Brünstige Bauern und unbefriedigte Hofdamen

Hinweis: Die nachfolgend beschriebene Sendung ist für rigorose Feministinnen jeden Alters nicht geeignet!

Wer in die Doku-Soap «Bauer, ledig, sucht …» reinschaut, glaubt, die Welt sei stehengeblieben. In der neusten Folge von 3+ streichelt Bauer Christof (32) im Stall eine trächtige Kuh. Währenddessen schaut er seiner 21-jährigen Hofdame Aurelia in die Augen: «In den letzten beiden Jahren brachte sie Zwillinge zur Welt.» Und fragt fordernd: «Wie hast du es mit Kindern?» Als Aurelia später die Kälber schöppelt, meint Christof erleichtert: «Da merkt man, dass du eine Frau bist, die gerne Kinder bekommt.» Auf einer Wiese liegend lässt sich der Ostschweizer seinen Rücken massieren. Kommentar vor der Kamera: «Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich sie auch mal massieren. Ich muss aber zuerst wissen, was sie gerne hätte.»

Roland (34) hatte noch nie Sex. Mit Denise (29) verbringt er in einer Berghütte die erste Nacht. Seine Hände bleiben stets über der Decke. Nichts passiert. Am Morgen erklärt er: «Ich hatte noch nie eine Frau im Bett und war aufgeregt. Darum ist nichts passiert.» Denise ist enttäuscht, ja frustriert: «Ich möchte halt schon spüren, wie es ist, in seinen Armen zu liegen.» Roland ganz ernsthaft: «Übung macht den Meister.» Später striegeln die beiden zusammen eine prächtige Kuh. Denise: «So würde ich auch gerne mal verwöhnt werden.»

Schweinebauer Martin (45) gab seiner Hofdame Nancy (45) den Laufpass, weil sie sich weigerte, für ihn ein Steak zu braten. Nancy ist Veganerin. Auch der Berner Ackerbauer Dänu (53) sucht eine Frau. Er deklariert klar im Voraus: «Die Frau muss Ziegen und Töfffahren lieben. Sonst hat bei mir die Schönste der Welt keine Chance!» Gemeinsam mit seinem Bruder Beat prüft er Briefe von Bewerberinnen. Beat wird schnell fündig: «Da ist eine, die gut kocht. Das wäre eine für dich.»

«Bauer, ledig, sucht …» läuft auf 3+ seit elf Jahren. Auch die 15. Staffel ist für den Sender ein Quotenerfolg. RTL und der österreichische Sender starteten das in England erfundene Format bereits vor 14 Jahren unter dem Titel «Bauer sucht Frau». Da es scharenweise einsame, heiratswillige Bauern gibt, wird die Doku-Soap noch lange leben. Viele Ackermänner werden ja tatsächlich fündig und – wie es der Berner Sven (25) auf 3+ ausdrückte – «vom Armor» getroffen …


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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