TV-Kritik

Der Dschungelcamp-Beschiss

In den nächsten Wochen müssen «Arena», «Club» & Co. wieder unter tiefen Quoten leiden. Grund: Am Freitag startet die 13. Staffel der Selbstentwürdigungs-Show «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus». Kein Zweifel: Das Dschungelcamp mit Produktionskosten von rund 30 Millionen Euro wird RTL erneut täglich Traumquoten bescheren.

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Ein Dutzend deutsche C-Promis von 22 bis 77 Jahren zieht für die Reality-Show in den Menschenzoo. Darunter die Pornodarstellerin Sibylle Rauch, Tomi Pieper, die Synchronstimme von «Alf –der Ausserirdische» oder Schlagersänger Peter Orloff («Ein Mädchen für immer»). Unter ständiger Beobachtung durch die TV-Kameras müssen die Kandidaten angeblich eklige und gefährliche Herausforderungen bestehen. Doch so widerlich und brenzlig sind die Aufgaben im australischen Dschungel in Wirklichkeit gar nicht. Das enthüllten aktuell die «Bild»-Reporter Daniel Cremer und Andreas Thelen in einer siebenteiligen Serie. Bei zehn Staffeln waren sie in Australien vor Ort und beobachteten die Protagonisten am Lagerfeuer.

Beispiele aus vielen Dschungelcamp-Fakes:

  • Der Wasserfall, den die C-Promis zum Duschen benutzen, ist nicht echt. Der Hahn wird nachts zugedreht. Auch der See ist künstlich.

  • Felsen und Höhlen sehen im Fernsehen zwar echt aus, aber in Wahrheit sind sie wie in einem Freizeitpark aus Fiberglas.

  • Für das Lagerfeuer müssen die Kandidaten jeweils im Busch Brennholz suchen. Doch es wird davor fertig gehackt und getrocknet zum Finden bereitgelegt.

  • Die Schlangen, die bei den Dschunglprüfungen eingesetzt werden, sind völlig harmlos.

  • Die Schlafstelle der Dschungelcamper liegt nicht im Nirgendwo. Sie ist nur wenige Meter vom nächsten Büro-Container der Produktionsfirma entfernt. Auch das Plumpsklo ist nicht echt.

  • Der Schleim, der im TV immer als stinkend und eklig dargestellt wird, ist eine farblose Version des Schleims, mit dem Kinder spielen.

  • Ratten, Kakerlaken und Maden kommen keimfrei aus Zuchtbetrieben und Labors.

  • Auf dem Campinggelände gibt es eine Küche. Auftrag an die Köche: Das Essen muss eklig aussehen, aber nicht eklig schmecken.

  • Der aus der Reihe bekannt-berüchtigte Kotzfruchtsaft wird trinkbar gemacht. Er besteht nur zu einem geringen Teil aus der Durian-Frucht. Der Rest ist Milch und Wasser.

  • Wenn für eine Prüfung mal ein Krokodil benötigt wird, werden nur kleine Tiere mit zugebundenem Maul eingesetzt.

 

Weicheier willkommen im Dschungelcamp. Und: Viel Spass bei der Bauernfängerei!


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Linus Luchs, 10.01.2019 12:29 Uhr
    Wer bei Reality-Shows jemals geglaubt hat, Realität zu sehen, hat ja bereits einen gewissen Realitätsverlust erlitten. Sich über Dschungelcamp-Fakes zu empören, ist etwa so, wie wenn man in Las Vegas beanstandet, der Eiffelturm sei nicht echt.
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