TV-Kritik

Ein Korrespondenten-Ranking

Der Beruf des TV-Korrespondenten ist kein Job für Softies. Wie ihre Kolleginnen und Kollegen von den Printmedien haben sie kontinuierlich das aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in «ihren» Ländern zu beobachten – und darüber verständlich zu berichten. Die Wahrheit kann nur vor Ort erfahren werden. Die TV-Journalisten müssen sich vor Ort selbst helfen – und sich auch mit Schnitt- und Übertragungstechnik prima auskennen. Kommt dazu, dass ihr Leben und ihre Arbeit in manchen Ländern gefährlich sein kann.

Aus wirtschaftlichen Gründen mussten die Schweizer Printmedien reihenweise Ausland-Posten streichen. Oder diese mit ausländischen Zeitungen teilen. Was schon vor 20 Jahren Sinn gemacht hätte. Heute arbeiten immerhin noch über 100 fest angestellte und freie Journalistinnen und Journalisten im Ausland für Schweizer Medien. Das Deutschschweizer Fernsehen leistet sich gegen 20 Korrespondenten, die aus aller Welt für «Tagesschau», «10 vor 10», «Rundschau» oder «SRF global» berichten. Und das finde ich gut so.

Ein Ranking:

PascalWeber

**** Pascal Weber, Naher Osten, Ägypten, Israel
Ein Top-Mann, mutig und mit sehr fundiertem Wissen. Weber macht auch hervorragende Dok-Filme. Der Journalist ist sicher vor der Kamera, auch wenn er mitunter etwas hektisch und übereifrig wirkt.

AdrianArnold

**** Adrian Arnold, Deutschland
Der Walliser ist seit Jahren ein sicherer Wert. Glänzender Analyst, gewandt. Er machte schon als Frankreich-Korrespondent und während seinem Zwischenhalt in Bern einen tollen Job.  

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**** Christof Franzen, Russland
Verdient ebenfalls Bestnote, obschon er vor der Kamera nicht ganz so souverän wie Weber oder Arnold ist. Franzen hat Russland «im Griff» und viel über die Weltmacht zu sagen.

Gubser

**** Alexandra Gubser, Frankreich
Diese Top-Frau fiel schon beim Start ihrer TV-Karriere bei TeleZüri positiv auf. Engagiert, klare Sprache. Stets gut vorbereitet. Brillant vor der Kamera.

Jens Korte (1)

**** Jens Korte, Börsenkorrespondent, New York
Klasse. Dem Mann macht nicht so schnell ein anderer Wirtschaftsjournalist etwas vor. Kortes Auftritte sind immer souverän, Versprecher kennt der Deutsche nicht. Ich lese auch gern von ihm, etwa in der «NZZ am Sonntag».

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**** Barbara Lüthi, Südostasien
Auch wenn sie vor der Kamera oft aufgeregt wirkt und hantiert: Fachlich überzeugt Lüthi. Die China-Spezialistin liefert seit Jahren spannende Themen in die Schweiz.  

Ramspeck

**** Sebastian Ramspeck, Brüssel
Der Bundesrat kann von SRF lernen. Der Sender hat die EU nämlich fest im Griff… Wie schon sein Vorgänger Jonas Projer (heute «Arena»-Chef), macht Ramspeck in Brüssel einen hervorragenden Job. Unaufgeregt, dossiersicher – eine Freude, dem früheren «SonntagsZeitung»-Journalisten zuzuhören.

Dueggeli

*** Peter Düggeli, USA
Amerika ist der wichtigste Korrespondenten-Posten. Von der «Station» Washington träumt jeder Diplomat. Und auch die meisten Ausland-Journalisten. Wer schätzt schon Trump. Aber bei Düggeli bekomme ich als Zuschauer oft das Gefühl, dass er Amerika nicht mag. Und: Dieser Mann findet sich im TV selber besser als er in Wirklichkeit ist.

UrsGredig

*** Urs Gredig, Grossbritannien
Als «Tagesschau»-Moderator war er besser. Gredig macht seine Arbeit, überrascht aber selten. Nicht nur wegen dem Brexit erwartet der Zuschauer spannendere und vor allem häufiger Geschichten aus dem durchaus faszinierenden England. Das Königshaus mag er.

Philipp Zahn

*** Philipp Zahn, Italien
Ein guter Mann, der die Kamera nicht scheut und sich kaum Fehler erlaubt. Nur: Italien hat mehr interessante und kontroverse Themen zu bieten, als ich von ihm zu sehen bekomme.

VonGruenigen

*** Thomas von Grünigen, New York
Ein Privileg, aus einer der faszinierendsten Städte der Welt berichten zu dürfen. Hunderttausende von Schweizerinnen und Schweizern besuchen jedes Jahr New York. Schade, dass von Grünigen nicht häufiger Geschichten aus der Weltstadt liefert. Oder liefern darf.

Ruth

** Ruth Bossart, Türkei
Seit langem keine leichte Aufgabe, aus der Türkei zu berichten. Fachlich gehen die Berichte von Bossart in Ordnung. Nur: Diese Frau ist unsicher und zu aufgeregt vor der Kamera. Daher verhaspelt sie sich häufig. In der Auslandredaktion der «Tagesschau» in Zürich wäre sie besser platziert.

Balzli

** Peter Balzli, Österreich
Ein prima Journalist und schon fast ein SRF-Urgestein. Balzli kann sich als Korrespondent mit jedem Land anfreunden. Leider taugt seine Stimme wenig fürs Fernsehen.

Pascal Nufer (China), Erwin Schmid (Spanien) und Thomas Stalder (Japan) sind in den Info-Sendungen zu wenig präsent, um sie in ein Ranking einbeziehen zu können. 

Ob TV oder Print: Die hintergründige Arbeit der Korrespondenten ist und bleibt in dieser immer komplexeren und schwierigeren Welt unverzichtbar. Auch wenn es eine schöne Stange Geld kostet.


(Bilder: SRF)

 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Karl-Heinz Hilpert, 28.02.2018 22:45 Uhr
    Hallo Herr Franzen, danke für die guten und ehrlichen Berichte über Russland. (Fernsehen SAT) Hat Freude bereitet so einen kernigen, mutigen selbst Bewussten Burschen im Film kennen gelernt zu haben. Ich war auch in St. Petersburg, habe manche Stelle wieder erkannt. Wir waren 4 Wochen in Russland auf Fossilien Suche. Ein großartiges Volk. Danke Gruß Karl-Heinz Hilpert
  • Bruno Rabe, 26.08.2018 11:00 Uhr
    Bin ein wenig befremdet über die Kommentare zu Franzen und Balzli. Christof Franzen wirkt für mich vor der Kamera authentisch und souverän und seine Berichte sind objektiv und ehrlich. Peter Balzli hat eine sehr sympatische Stimme, jedenfalls nicht so abgehoben und geschwollen wie bei gewissen andern Korrespondenten.
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