TV-Kritik

Jetzt hat auch 3+ einen «Wilder»

Beim grössten Schweizer Privatsender war mit einer Premiere schon der dritte Adventssonntag das Fest des Jahres: 3+ strahlte die 60-minütige Pilotfolge seines Krimis «Bernegger & Juric» aus. Dieser ist ziemlich gut gelungen. Es ist die erste fiktionale Eigenproduktion des Senders von Dominik Kaiser.

Die Bernerin Tanja Lehmann (29) (spielte in der SRF-Schulsoap «Best Friends») und der Zürcher Christian Martin Schäfer (38) mimen das Ermittler-Duo «Bernegger & Juric». Bernegger ist eine pflichtgetreue, ehrgeizige Polizistin, Juric ein schräger, etwas verschrobener Typ mit dem Herz am rechten Fleck. Sein ständiger Begleiter ist ein drolliger Mops mit Name «Armani». Hunde im Film funktionieren immer. Es muss ja nicht gerade ein Prachtstier wie «Kommissar Rex» sein.

In der düsteren Umgebung eines verschlafenen Bergdorfes lösen «Bernegger & Juric» den Fall um ein verschwundenes neunjähriges Mädchen. Gedreht wurde bei überwiegend schlechtem Wetter in Bergün und im Val Müstair. Kein Zweifel: Die Macher liessen sich reichlich von «Wilder» inspirieren. Die erfolgreiche SRF-Serie «Wilder» entstand grösstenteils auf dem Urner Boden und in Glarus. 

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«Bernegger & Juric» ist ein solider Krimi mit spielfreudigen, (noch) wenig bekannten Darstellern. Ausnahme: Gilles Tschudi, der als Bösewicht in der Soap «Lüthi und Blanc» populär geworden ist. Der Basler verkörpert einmal mehr überzeugend eine zwielichtige Figur. Die Mängel des Films sind überschaubar. Auffälliger Schnitzer: Dienstfahrzeug mit Innerrhödler Autokennzeichen – im Bündnerland.



Die Crew von 3+ wird dazulernen. Die Chancen stehen gut, dass aus «Bernegger & Juric» eine Serie wird. Senderchef Dominik Kaiser beweist einmal mehr reichlich Mut. Das braucht es, um eine aufwendige Eigenproduktion wie eine Krimireihe ohne Gebührengelder zu finanzieren. 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Gertrud Kauer, 18.12.2018 11:32 Uhr
    Wieder einmal ein Kommissar, welcher seine Kollegin wie Sch… behandelt. Und diese lässt sich dies auch noch schweigend gefallen. Wann hört diese elende Zementierung der Männerüberheblichkeit endlich auch im Fernsehen auf? Immer das gleiche Muster: Frau ist dumm und unfähig und darf zuletzt doch noch die gönnerhafte Anerkennung ernten. Überlegt doch mal, ob es nicht an der Zeit wäre, solche Rollen zu hinterfragen!
  • Elvina Bonfa, 18.12.2018 14:54 Uhr
    Die Folge hat mir sehr gut gefallen. Wäre gern bei der nächsten Dolge dabei
Zum Seitenanfang20190625