TV-Kritik

Lasst Kilchsperger weiterjassen!

Der letzte «Donnschtig-Jass» des Sommers 2018 kommt diese Woche aus Heiden (AR). Kein Zweifel, Moderator und Entertainer Roman Kilchsperger wird noch einmal alles geben. Betrüblich, unklug und absolut unverständlich: Es sieht leider ganz danach aus, dass SRF tatsächlich ohne seinen besten Unterhalter weitermachen will.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Kilchsperger wechselt als Moderator für die Champions League zu Teleclub. Mit ein paar kritischen, aber insgesamt harmlosen Bemerkungen über sein Verhältnis mit SRF in einem Porträt in der «Weltwoche» hatte er am Leutschenbach ein paar Tassen zerschlagen (persoenlich.com berichtete). Das zerbrochene Geschirr hätte gekittet werden können. Wer die Meinung eines anderen zurückweist, soll wirklich nur die Meinung zurückweisen, und nicht den Menschen. Ausserdem: Wer nachtragend ist, hat viel zu schleppen.

Seit 2011 moderiert Roman Kilchsperger den «Donnschtig-Jass». Er ist auch der wichtigste Redaktor der Sommerreihe. Und er arbeitet mit grossem Erfolg. Die stärkste Sendung dieser Saison erreichte einen Marktanteil von 43 Prozent. Das Publikum hängt am Moderator. Und dieser hängt an dem Format, das er in den letzten Jahren zusammen mit seinem Team perfekt auf sich zugeschnitten hat. Nicht nur, aber auch darum ist weit und breit kein geeigneter Nachfolger in Sicht. Kilchsperger gäbe den «Donnschtig-Jass» niemals freiwillig auf. Trotz seines Engagements bei Teleclub könnte und würde er diese Sendung gerne weitermachen. Und er hätte die nötige Zeit dazu. Im Sommer macht die Champions League bekanntlich Pause.

Am Donnerstag um 21.45 Uhr läuft Kilchspergers langjähriger Vertrag mit SRF aus. Es ist nicht bekannt, ob der neue Unterhaltungschef Stefano Semeria mit Jassen etwas am Hut hat. Ist auch unwichtig. Er muss einzig an beliebten und erfolgreichen Sendungen interessiert sein. Und Sorge tragen zu den Aushängeschildern. Eine Todsünde und in diesem Fall bloss ein Vorwand wäre es, wenn die vielgesehene, für die Jass-Schweiz und viele musikalische Künstler so wichtige Show «wegen Sparmassnahmen» gar eingestellt würde. Die Hoffnung stirbt auch in diesem Fall zuletzt. Womöglich wird Kilchsperger in den nächsten Tagen von seinen Chefs doch noch zu einem versöhnenden Mittagessen eingeladen. Agenda nicht vergessen. Als «Donnschtig-Jass»-Zuschauer wäre ich bereit, den Lunch zu sponsern.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Victor Brunner, 15.08.2018 07:52 Uhr
    SRF kann ohne seinen "besten Unterhalter" weiter machen. RK ist mittlerweile verbraucht, seine Spässe eher mühsam, der Applaus verhalten. RK ist ein "Altstar" seine jämmerlichen Kritik an SRF DRS und damit das Eingeständnis ein Schnörri ohne Format zu sein beweisen das. RK hatte eine gute Zeit, die jedoch längst vorbei ist, aber auc morgen wird die Unterhaltungsmumie noch einmal zu sehen sein!
  • Uwe Tännler, 15.08.2018 10:25 Uhr
    Ich finde ihn auch gut - lasst Roman bitte weitermachen. Besser ein spontaner Schnörri, als diese totlangweiligen Talksendungen mit platten Fragen, vorbereiteten Antworten und den geprobten Witzen > gääähn. Roman K. reisst das Publikum aus der schweizerischen Lethargie und bringt Stimmung in die Bude. Macht weiter!
  • Meienberg Priska, 15.08.2018 12:04 Uhr
    Unterschiedliche Wahrnehmunge: Ich persönlich habe die "schaurig lustigen", aufgesetzten Moderationen von Herrn Kilchsperger noch nie gemocht. Habe weder seine Mittwochabendsendungen, noch seine Jass-Sendungen angeguckt. Ok, ich kann auch nicht Jassen, und Quizsendungen anzschauen ist für mich verlorene Zeit. Bei Kilchsperger habe ich grundsätzlich weggezappt. So Leute wie ich, gibt es bestimmt noch andere. Will damit sagen: Herrn Hildbrands Kritik ist nur eine Ansicht unter vielen anderen. Bin mir nicht ganz sicher, ob Herr Kilchsperger wirklich das "ultimative Aushängeschild" von SRF war. Ich kann mir gut vorstellen, dass sehr viele TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer überhaupt keine Kilchsperger-Fans sind, und seinen Weggang kaum bedauern. Auch dass es Interessanteres gibt als Jass-Sendungen, liegt doch im Bereich des Möglichen, oder?
  • Sam Bischof, 15.08.2018 12:55 Uhr
    Es ist längst fällig, dass Roman Kilchsperger SRF verlässt. Seine Moderationen hatten Schenkelklopfer-Niveau, das kann man ruhig den privaten TV-Sendern überlassen. Finde es gut, das SRF neue Wege geht. Neue Sendungen, neue Moderatoren braucht das Land. Schliesslich übernimmt eine neue Generation, da soll man viel Altbackenes erneuern. Es braucht mehr Innovatives, so wie zum Beispiel der letzte Schweizer Tatort. Den fand ich super gelungen!
  • Jenny Ackermann , 16.08.2018 22:23 Uhr
    Bitte lasst den ROMAN weiter Jassen, es lebe der Donnschtig Jass..... Ohne Roman keine Jass Sendung mehr für uns. Er ist einfach TOP of Switzerland
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persönlich Exemplar