TV-Kritik

Masern-Alarm in der «Rundschau»

Von Januar bis März stiegen die Masernfälle im Vergleich zur Vorjahresperiode um 300 Prozent – auf weltweit 112'000 Fälle. Doch bei der Bekämpfung der Krankheit gibt es einen Rückschritt. Ein Grund dafür ist laut WHO die Impfskepsis. Weil die Angst vor Nebenwirkungen und Langzeitschäden weit verbreitet sind, lassen auch in der Schweiz viele ihre Kleinkinder nicht impfen.

Eine Naturheilpraktikerin und Impfskeptikerin sagte in dem Film, es sei oft besser, die Natur walten zu lassen. Eine junge Mutter: «je mehr ich mich über die Impfung informiert habe, desto mehr Angst habe ich vor dem Impfen bekommen.» Eine weitere Naturheilpraktikerin erklärte, Masern seien eine Kinderkrankheit, die bei einem gesunden Kind das Immunsystem stärke. Impfkritische Eltern werden übrigens häufig von Homöopathen bestärkt – in Vorträgen. Das stört Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Impfkommission: «Es ist brandgefährlich, wenn Masern verharmlost werden, und das erst noch vor Publikum.»

Weil ängstlich-besorgte Eltern von seriösen Beratungen offensichtlich zu wenig erreicht werden, beziehen viele ihr Wissen über Krankheiten wie Masern aus fragwürdigen Quellen im Internet. Vernünftig: Im Gegensatz zu Italien, Frankreich und möglicherweise bald auch Deutschland, soll die Masernimpfung in der Schweiz nicht für obligatorisch erklärt werden. Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit sagte dazu am Schluss der Sendung: «Wenn sich jemand nicht impfen lassen will, kann er das. Die Freiheit, andere anzustecken, besteht aber nicht!»

Es war ein relevanter «Rundschau»-Report, wenn auch über ein immer wiederkehrendes Thema. Ob sich ein paar Impfgegner bekehren liessen, ist sehr fraglich.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Zum Seitenanfang