TV-Kritik

Schawinski und der Bockbeinige

«Ich habe einen Fehler gemacht und will mich auch den Deutschschweizern erklären», begründete Pierre Maudet seinen Auftritt in der SRF-Talkshow von Roger Schawinski. Der Genfer FDP-Regierungsrat und frühere Bundesratskandidat ist tief gestürzt: eine fatale Luxusreise nach Abu Dhabi, Lügen und undurchsichtige Parteispenden haben das Vertrauen in den Politiker tief erschüttert.

Inzwischen wurde dem 40-Jährigen der Grossteil der Macht entzogen. Und seine Partei verlangte längst seinen Rücktritt. Laut einer neuen, in der Sendung bekanntgegebenen Umfrage im Auftrag von RTS, «Le Temps» und Radio Lac wollen das jetzt auch 62 Prozent der Genfer.

Dies schien Maudet nicht besonders zu beeindrucken: «Es ist ein Zeichen. Die Leute sollen sich aber auf mich, meine Aussagen und meinen Willen stützen, wenn sie sich ihre Meinung bilden.» Er wolle im Internetzeitalter dagegen ankämpfen, dass Gerüchte und Verleumdungen am Ende gewinnen. «Dann haben wir ein Problem in der Politik. Das gilt nicht nur für mich.»

Immerhin ist ihm Selbstkritik nicht ganz fremd: «Ich hätte auf die Reise nach Abu Dhabi verzichten müssen. Ich habe es für Genf gemacht, um die Beziehungen zu den Emiraten zu stärken. Ich bin mir aber bewusst, dass ich enttäuscht habe.» Naivität oder gar kriminelle Energie sei nie im Spiel gewesen. «Ich bin einer, der etwas bewegen will und der auch Fehler macht.»

Und was ist mit seinen Lügen? Maudet zu Schawinski: «Ich war in einem Teufelskreis. In den letzten Monaten und Jahren habe ich zu wenig zugehört. Ich habe mir einen Panzer zugelegt.» Und: «Jetzt muss ich das Vertrauen wieder aufbauen und die Leute von mir überzeugen.»

Zu den Rücktrittsforderungen von FDP-Präsidentin Petra Gössi und Genfer Kollegen sagte der einstige Polit-Star noch: «Damit habe ich Mühe. Wir müssen den Rechtsstaat verteidigen. Rechtsstaat bedeutet, sich in einem normalen Verfahren der Justiz erklären zu können.» Maudet kämpft weiter um sein Amt und seinen Ruf. Als Opfer sieht er sich nicht. Und eine Rente werde er von seinem Kanton nicht annehmen. Fortsetzung folgt.

 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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