TV-Kritik

«Tagesschau»-Inhauser beleidigte Ärzte und Patienten

Florian Inhauser versucht seit Jahren, den Clown vom Leutschenbach zu spielen. Und das immer wieder ausgerechnet in der «Tagesschau». Die meisten seiner Witzchen findet nur er selber lustig. Zum Wochenbeginn griff der geschniegelte Möchtegern-Bajazzo wieder einmal zünftig daneben. Lag es diesmal an der Hitze?

Tagesschaurig: Am Schluss der Nachrichtensendung sagte der Moderator das nachfolgende SRF-Format «Ärzte VS Internet» an. Und zwar so: «Da wird ein eingewachsener Zehennagel gegoogelt – und dann die Maul- und Klauenseuche diagnostiziert.» Wenigstens einer lachte: Arthur Honegger. Dieser tat das so wie ein anschmeichelnder Angestellter, nachdem der Chef einen faulen alten Witz erzählt hat. Ganz zum Schluss verrührte der «10 vor 10»-Moderator die Hände ...


In einem «Infosperber»-Artikel über Inhauser postulierte mein Kollege Jürg Lehmann schon vor sechs Jahren: «Man möchte ihm zurufen: Bitte mehr ‹Tagesschau› und weniger ‹Tagesshow›». Diagnose: Inhausers Sprüche sind Pfeile, mit denen er sich meist selber in den Rücken schiesst.

In der neuen Folge der Sommerreihe «Ärzte VS Internet» ging es um ausnahmslos schwierige Krankheiten – vom Nebennieren-Adenom bis zur Perlgeschwulst. Als «Google-Doktoren» traten gegen das bewährte Ärzteteam drei ausgeschlafene Onlinejournalisten an: Helene Obrist, Daniel Huber und Sandro Zappella. Die Redaktoren des Nachrichtenportals «Watson» hatten sich (zu) viel vorgenommen: Sie wollten als erstes Team die erfahrenen Ärzte schlagen. Hat nicht geklappt. Diesmal taten sich allerdings auch die Mediziner schwer. Dennoch gewannen diese 3:1. Es würde der Sendung mit dem brillanten Fabian Unteregger guttun, wenn bei dem medizinischen Duell mal die «Hobby-Doktoren» das Rennen machen würden.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Ueli Custer, 24.07.2019 08:51 Uhr
    Von 100 Inhauser-Sprüchen sind 98 witzig. Wie kann man nur so humorlos sein?
  • Urs Thaler, 24.07.2019 11:05 Uhr
    Zweifacher Einspruch, René Hildbrand: Florian Inhauser ist erstens stilsicher punkto Kleidung und zweitens treffsicher bei seinen ironischen Kommentaren. Beste britische Schule (er war ja einige Jahre ein ausgezeichneter London-Korrespondent). Ich vermute also eher, dass Sie kein Sensorium für gepflegte Ironie haben, was nach 27 Jahren "Blick" - der ironiefreiesten Zeitung der Schweiz - durchaus erklärbar wäre.
  • Anne-Catherine Eigner, 24.07.2019 13:12 Uhr
    Ich finde Florian Inhauser seriös und kompetent. Das ist das Wichtigste. Dass er obendrein gut aussieht und gepflegt gekleidet daherkommt, ist noch besser. Und dass er Humor hat, ist einfach die Kröung. Ich muss praktisch immer über seine grossartig gedrechselten Schlussformulierungen lachen. Er ist schliesslich nicht als Miesepeter der Nation angestellt. Und da ich selten einer Meinung bin mit Herrn Hildebrand (evt. Altersfrage?) - passt es wunderbar, dass Hildebrand nix von Inhauser hält, alle andere hätte mir schon fast Sorgen bereitet...
  • Victor Brunner, 24.07.2019 18:24 Uhr
    Da outet sich René Hildbrand als alter Misepeter, der Witz war nicht schlecht und hat auf ein Problem hingewiesen: - viele Köche everderben den Brei, - jeder Koch hat ein eigenes Rezept, - am Schluss Einigkeit auf eine Marriage, eben Maul- und Klauenseuche. RH hatte weniger FI als SRF im Auge, wahrscheinlich die Abendmedikamente nicht eigenommen, darum etwas sauertöpfisch!
  • Thomas Ferber, 24.07.2019 19:25 Uhr
    Ich hab kein Problem mit Florian Inhauser. Seine Sprüche sind witzig. Hoffentlich merkt es auch der Dümmste: Dr.Google wird immer eine Flasche bleiben. Wie kann es nur vermessen sein zu denken, dass eine Google-Recherche ein bessere Klärung bringt als der ausgebildete Onkel Doktor, von mir aus auch Tante Doktor? Heutzutage erfolgt eine schwierige Diagnose sowieso nur noch im Verbund mit den Kolleginnen und Kollegen in Klinik und Praxis.
  • Dr. Olivia Volkert, 25.07.2019 20:13 Uhr
    Bravo, Herr Hildbrand! Endlich spricht es jemand aus. Die jeweiligen Sprüche von Herrn Inhauser sind unqualifiziert, unprofessional, nervend und total fehl am Platz in einer Tagesschau. Ich kann Ihnen nur Recht geben. Ich hoffe nur, Herr Inhauser resp. seine neue „Chefin“ bemerkt dies auch bald.
  • Alex Gling, 26.07.2019 11:35 Uhr
    Ist "Hände verrühren" ungefähr dasselbe wie "Hände verwerfen"? Egal. In meinen bescheidenen Hochdeutschkenntnissen kommt leider beides nicht vor.
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