TV-Kritik

Warum Bumann kein Buhmann ist

Wenn ich Daniel Bumann bei seinen engagierten Versuchen zuschaue, überforderten und darum häufig erfolglosen Wirten aus der Patsche zu helfen, empfinde ich das nie als verlorene Zeit. Das erfolgreiche Format des Privatsenders 3+ zeigt immer wieder anschaulich, wie «schitter» es um viele Gastrobetriebe in der Schweiz steht.

In seinem «Chesa Pirani» in La Punt (GR) hatte der Walliser und Wahlbündner Daniel Bumann (60) einst zwei Michelin-Sterne und 18 Gault-Millau-Punkte erkocht. Inzwischen ist er bereits in der 12. Staffel als Restauranttester unterwegs. In der neusten Folge musste er einem Muotathaler Beizer, hauptberuflich Elektriker, erst mal das Kochen beispringen. Am Schluss wurde aus der Tiefkühlprodukt-Aufwärmstation ein ordentliches Restaurant. Ob es so bleiben wird?

Spannend, weil für die Nöte vieler Wirte symptomatisch, war vor einer Woche Bumanns Besuch bei den Inhabern eines Hotel-Restaurant im bündnerischen Summaprada. Ein schon älteres Wirtepaar arbeitet seit Jahrzehnten hart, um die Hypotheken der Banken bedienen zu können. Die beiden sind inzwischen müde, sie suchen eine Nachfolge, doch es fehlt an ernsthaften Interessenten. Die Kinder machen sich Sorgen um ihre Eltern. Wie soll es nach deren Pensionierung weitergehen? Die ganze Altersvorsorge steckt im Betrieb und im Haus, das heute viel weniger Wert hat als beim Kauf vor 30 Jahren. Die Nachkommen hoffen, dass Bumann der Familie neue Wege aufzeigen kann.

brt12_topbanner_rz_190225_0

Der Restauranttester beobachtet auch in diesem emotionalen Fall scharf, stellt Fragen über Fragen, zieht überdies junge Fachleute einer Hotelfachschule bei, analysiert, kommuniziert später klipp und klar, sagt was «güet» und was nicht «güet» ist. Seine Strategie in dieser Problematik: Verschlanken (auf der Speisekarte befinden sich mit über 200 Gerichten mehr Komponenten als Einträge im örtlichen Telefonverzeichnis), Qualität optimieren und damit den Umsatz erhöhen, danach den Betrieb zum richtigen Preis verkaufen. Klingt ziemlich einfach. Fraglich, ob es gelingen wird.

Warum ist Bumann seit zehn Jahren beliebt und erfolgreich? Der TV-Restauranttester ist sehr ambitioniert, authentisch und schon deshalb gewinnend. Er sagt – ohne Umschweife – gerade heraus laut und deutlich, was Sache ist. Und bleibt dennoch immer pietätvoll. Darum wurde Bumann nicht zum Buhmann. Eine Bilanz über späteren Erfolg oder Nichterfolg der von ihm im Fernsehen beratenen Wirte ist nicht bekannt. Wohlschmeckende TV-Unterhaltung bietet Bumann allemall. Alls Güeta.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

  • VictorBrunner, 12.03.2019 08:15 Uhr
    Ist Buhmann tatsächlich erfolgreich? Leider ist nicht bekannt wieviele Restaurant dank Buhmann überlebt haben. Einen Betrieb sanieren ist harte Arbeit und lässt sich in einer Fernsehsendung nicht bewältigen! Die Sendung dient eher der Selbstdarstellung Buhmanns!
  • Ueli Custer, 12.03.2019 08:53 Uhr
    Ob Bumann Erfolg hat oder nicht, liegt in erster Linie in der Hand der beratenen Wirte. Und die sind nur teilweise in der Lage, sich von ihrem Schlendrian zu lösen. Immerhin zeigen die in letzter Zeit häufig gezeigten "Wiederbesuche", dass es auch Beispiele für Erfolge gibt. Aber wenn Bumann zu einem Wirt gerufen wird, der den ganzen Tag in der Gaststube sitzt und mit seinen Stammgästen sauft anstatt sich um den Betrieb zu kümmern, kann den auch Bumann nicht retten.
  • Tobias Schuster, 14.03.2019 13:44 Uhr
    @Victor Brunner: "Die Sendung dient eher der Selbstdarstellung Buhmanns! (sic)" Wir sprechen hier über TV, nicht über einen professionellen Unternehmensberater. Natürlich steht Bumann im Mittelpunkt, nicht die Zukunft des Restaurants. Und natürlich misst sich der Erfolg Bumanns deshalb nicht am Erfolg der Restaurants, sondern an den Einschaltquoten. Wir sprechen hier von einer Doku-Soap...
Zum Seitenanfang
persönlich Exemplar