25.04.2017

#WeAreHere

«An Verbandsspitzen sind Frauen praktisch inexistent»

Wie weit ist die Schweiz punkto Gleichstellung? Wir haben einflussreiche Frauen aus der Medien- und Kommunikationsbranche befragt: Petra Dreyfus, Nina Merli, Claudine Esseiva und Kathrin Amacker.
von Edith Hollenstein

Was denken einflussreiche, erfolgreiche Frauen in unserer Branche über Gleichstellung in der Schweiz? Anlässlich der von Güzin Kar initierten Aktion #WeAreHere haben wir einige Interviewpartnerinnen aus unserer 2012 lancierten Serie «Erfolgreiche Frauen» um eine Einschätzung gebeten. 

Die eingegangen Statements publizieren wir in einer mehrteiligen Serie. Hier Teil 2:





Petra Dreyfus, Co-CEO und Mitinhaberin von Wirz Communications

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«Die Gesellschaft hier in der Schweiz ist in Sachen Gleichberechtigung noch nicht weit genug fortgeschritten. Oder werden Männer in Kaderpositionen auch gefragt, wie sie Beruf und Kinder unter einen Hut bringen? Frauen sollten aus gesellschaftspolitischen Gründen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu kämpfen. Und es fehlen nach wie vor Mittagstische und Plätze in bezahlbaren Horten. Oder Vaterschaftsurlaub. Aber es gilt auch, sich privat zu engagieren. Ich versuche zum Beispiel meine Buben zu modernen Männern zu erziehen. Oder pushe unsere weiblichen Angestellten zu mehr Mut und Selbstvertrauen. Und ich lasse mich eben nicht in die von der Gesellschaft erwartete Mutter-an-den-Herd-Rolle pressen.»


 

Nina Merli, Head of Content bei Dreicom

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«Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz im Jahr 2017 immer noch keine Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen besteht, ist diese Debatte nicht nur berechtigt, sondern dringend nötig! Persönlich habe ich privat und auch im Beruf sehr viel «Sexismus» erlebt und ich weiss, wie schwierig es ist, sich dem zu widersetzen. Dass man die Debatte um Feminismus und Chauvinismus auch auf eine sehr kreative Art führen kann, zeigt die von Güzin Kar lancierte #WeAreHere-Aktion. Frauen sollten dafür einstehen, dass sie mit Respekt behandelt und Ernst genommen werden und statt sich darüber aufzuregen, dass Männer, Männer fördern, sollten sie es ihnen gleich tun. Als anstrengend empfinde ich den pedantisch eingesetzten «politisch korrekten Sprachgebrauch», der aus Fussgängerstreifen Zebrastreifen macht. Wir müssen uns definitiv um Wichtigeres sorgen.»

 



Claudine Esseiva, Beraterin bei Furrerhugi

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«Wir leben momentan in Zeiten, in denen es wichtiger denn je ist, sich politisch zu engagieren, damit wir den rückwärts gewandten Kräften Paroli bieten können. Und dazu gehört die Debatte rund um die Rechte der Frauen und der sogenannte neue Feminismus. Es macht mir enorm Freude, so viele junge Menschen, Männer wie Frauen zu sehen, die sich für eine Gesellschaft auf Augenhöhe engagieren und die aus den bestehenden Geschlechterrollen herausbrechen wollen. Keep on fighting!»

 

 

Kathrin Amacker, Mitglied Konzernleitung SBB

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«Frauen sind heute in höheren Ausbildungen und in gewichtigen Funktionen der Politik gut angekommen. Nur schwer etablieren sie sich in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten, praktisch inexistent sind sie in hohen Ämtern einflussreicher Verbände. Eine durchzogene Bilanz also für die Schweiz - und somit weiterhin Handlungsbedarf.»

 

 



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