23.10.2025

Politwerbung

Angriff auf SP-Thronfolge

Der Zürcher FDP-Gemeinderat Përparim Avdili hat am Donnerstagabend seine Kampagne für das Stadtpräsidium lanciert. Seine Plakate nennen den Konkurrenten Raphael Golta beim Namen – eine für die Schweiz ungewöhnliche Strategie. Hinter der Kampagne stehen bekannte Werber.
Politwerbung: Angriff auf SP-Thronfolge
Eines der Sujets aus der Stadtpräsidiums-Kampagne von FDP-Gemeinderat Përparim Avdili nennt den SP-Konkurrenten Raphael Golta direkt beim Namen. (Bild: DS Studio)

Der Zürcher FDP-Gemeinderat Përparim Avdili hat am Donnerstagabend seine Kampagne für das Stadtpräsidium lanciert. Rund 200 Gäste kamen zur Veranstaltung im Mascotte in Zürich. Hinter der Kampagne stehen bekannte Werber und Strategen: David Schärer und David Wember von DS Studio. Wember hatte zuvor bei Farner den Wahlkampf des SP-Politikers Islam Alijaj orchestriert, der 2023 in den Nationalrat gewählt wurde (persoenlich.com berichtete).

Die Kampagne, gestaltet von Creative Director Constantin Camesasca, wird ab sofort bis Dezember in der ganzen Stadt präsent sein. Das Keyvisual zeigt Avdili vor dem Zürcher Stadthaus mit der Headline: «Der nächste Stapi muss nicht Golta heissen.» Damit nennt der FDP-Kandidat den Namen seines Konkurrenten Raphael Golta direkt auf dem eigenen Plakat – eine für Schweizer Wahlkämpfe ungewöhnliche Strategie.

«Heute gehen fast alle Beobachterinnen und Beobachter davon aus, dass im März Raphael Golta auf Corine Mauch folgen wird», so David Schärer auf Anfrage von persoenlich.com. «Deshalb muss die Kampagne in einem ersten Schritt deutlich machen: Diese sozialdemokratische Thronfolge ist kein Naturgesetz.» Das Stadtpräsidium wurde zuletzt bis 1990 von Thomas Wagner freisinnig geführt, seither war Zürich durchgehend in der Hand der SP.

«Positionierungsstrategie liegt auf der Hand»

Weitere Sujets zeigen Avdili mit Headlines wie «Der nächste Stapi muss nicht SP-ablishment sein», «Der nächste Stapi muss ein Mieter sein» oder «Der nächste Stapi muss ein Altstetter sein». Avdili ist in Altstetten aufgewachsen und hat dort den grössten Teil seines Lebens verbracht. Heute wohnt er knapp an der Quartiergrenze im benachbarten Albisrieden. «Diese Positionierungsstrategie liegt auf der Hand: Als Secondo, Arbeiterkind, Mieter, ehemaliger Paketbote und Altstetter repräsentiert Përparim die Lebensrealität vieler Zürcherinnen und Zürcher mehr als manch anderer im Feld der Kandidatinnen und Kandidaten», so Schärer weiter.

Das «Altstetter-Sujet» wecke Erinnerungen an ein berühmtes Inserat, auf dem mit dem Slogan «Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein» für den damaligen deutschen Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder geworben wurde, so Schärer weiter. «Diese Parallele zum Schröder-Inserat haben wir bei der Entwicklung der Kampagne diskutiert – und sie gefällt uns. Denn bei allen Unterschieden gibt es auch etwas, was die beiden verbindet: eine bewegende Aufstiegsgeschichte aus einfachsten Verhältnissen.»

Avdili hatte sich im September bei der Plakat-Petition gegen das geplante Werbeverbot in Zürich beteiligt. Gemeinsam mit Verleger Matthias Ackeret übergab er dem Gemeinderatspräsidenten Christian Huser über 2000 Unterschriften.


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KOMMENTARE

Christoph Bohn
24.10.2025 13:58 Uhr
Alles, was bei den Wählenden letztlich hängen bleiben muss, ist der Name des Kandidaten. Der muss auf den Wahlzettel geschrieben werden. Nur sieht man den auf dem Plakat vor lauter «Golta» etc. nicht...
Danilo Monteduro
24.10.2025 10:46 Uhr
@HG: Die Kritik am Kreuzplatz-Missmanagement kann nicht allein der SP zugeschrieben werden, sondern ist Teil eines komplexen Zusammenspiels von Stadtplanung, Bauprojekten und politischen Zielsetzungen, in dem die SP zwar eine zentrale Rolle spielt, aber nicht als alleinige Verursacherin oder Verwalterin angesehen werden kann. Man kann aber, wie gewohnt von Bürgerlichen, natürlich immer Links bashen.
Hans Georg Hildebrandt
24.10.2025 10:26 Uhr
@victor abwarten! Die SP fühlt sich ihrer Sache viel zu sicher. Die letzten Exzesse im Verkehrsbereich (Kreuzplatz-Management) und die parallele Unfähigkeit bei den Velowegen dürfte die SP zumindest in den Quartieren Stimmen kosten, in denen noch nicht tausende Mieter oder Mitarbeiter der Stadt wohnen.
Danilo Monteduro
24.10.2025 10:17 Uhr
Avdili präsentiert sich gern als Stimme der liberalen Mitte, doch seine Positionen wirken zunehmend widersprüchlich. Einerseits fordert er Eigenverantwortung und schlanke staatliche Strukturen, andererseits schlägt er politische Töne an, die eher populistisch als lösungsorientiert klingen. Statt echten Reformwillen zu zeigen, scheint er oft auf Schlagzeilen zu setzen. Das mag kurzfristig Aufmerksamkeit bringen, trägt aber wenig zu einer glaubwürdigen liberalen Politik bei. Darum passt diese Strategie, viel Bla Bla ohne Inhalt.
Isabel Hog
24.10.2025 08:23 Uhr
Tönt ein bisschen verzweifelt.
Victor Brunner
24.10.2025 08:18 Uhr
Die Kampagne wird wenig taugen. Zuviel Nabelschau, zu wenig Perspektiven. Und nur auf Bilder strahlen wie einer der in die Ferien geht genügt in Zürich auch nicht! Golta ist noch nicht ins Rennen gestiegen und hat die erste Runde schon gewonnen!
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