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Webseitenvermarktung: Brauchen wir bald keine Menschen mehr?

Die digitale Vermarktung unserer Webseiten verändert sich rasant – und ja, der Elefant im Raum heisst künstliche Intelligenz (KI). Was für uns lange wie ein Buzzword oder Zukunftsmusik klang, ist inzwischen bittere Realität oder grosse Chance – je nachdem, wie wir es betrachten.

Wenn wir heute noch mit manuell gepflegten Excel-Reports arbeiten, Floor-Preise von Hand setzen oder unsere Partnerlisten (ads.txt) halbherzig pflegen, müssen wir uns ehrlich fragen: «Wie lange geht das noch gut?» KI-gestützte Systeme übernehmen diese Aufgaben längst – und in vielen Fällen besser, schneller und fehlerfreier als wir selbst.

Während wir unser Buch «Webseitenvermarktung selbst gemacht» geschrieben haben, wurde uns klar, wie konkret die Veränderungen schon jetzt sind. Im vorletzten Kapitel wird beschrieben, wie ein KI-Agent etwa den eCPM-Verfall in Echtzeit erkennt und automatisch reagiert. Oder wie Reports aus Ad Exchanges und Affiliate-Netzwerken täglich automatisiert zusammengeführt werden – ganz ohne unser Zutun im Backend.

Ein Trend, den wir dabei besonders spannend finden: Immer mehr Publisher holen ihre Vermarktung zurück ins eigene Haus. Auch wir spüren, dass das Vertrauen in grosse Netzwerke oder externe Vermarkter bröckelt. Sie sind oft zu intransparent, zu träge und bieten zu wenig individuelle Lösungen. Deshalb setzen auch wir zunehmend auf Inhousing: mit eigenen AdOps-Ressourcen, eigener Technologie – und vor allem eigener Kontrolle.

Das macht den Buchtitel «Webseitenvermarktung selbst gemacht» für uns so treffend. Es geht längst nicht mehr nur um einen schlauen Spruch – es ist eine echte Bewegung. Wenn wir unsere Reichweite monetarisieren wollen, ohne uns komplett von Dritten abhängig zu machen, müssen wir selbst verstehen, wie Vermarktung funktioniert.

Natürlich stehen am Ende auch für uns einige unbequeme Fragen im Raum: Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch Menschen in der Webseitenvermarktung? Oder reicht ein kleines Team, das strategisch denkt und die Systeme überwacht? Unsere Meinung: KI ersetzt keine Menschen – aber sie verändert grundlegend, was wir tun (müssen).

Ist die Angst vor Jobverlust berechtigt – oder übertrieben? Aus unserer Sicht ist die Angst verständlich, aber oft übertrieben. Rollen verändern sich, ja – aber gleichzeitig entstehen neue Chancen. Wer bereit ist, sich weiterzuentwickeln, wird auch in Zukunft gebraucht.


Ben Galler ist Mitinhaber der Ad-Tech-Beratungsfirma Dachrepublic. Mit seinem Geschäftspartner Arne Pokrandt hat er das Praxishandbuch «Webseitenvermarktung selbst gemacht» veröffentlicht.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

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